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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Dante Alighieri

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Dante Alighieri (sein Leben).

von Bildhauerateliers, welche sich durch Zartheit des Tons, durch naturwahre Charakteristik des Stofflichen und durch feine Lichtführung auszeichnen. 1872 erschien im Salon das Porträt seines Vaters, der an einer Marmorbüste arbeitet, 1874 Herkules zu den Füßen der Omphale und ein Mönch als Holzbildhauer (Museum von Nantes), 1875 das Diskosspiel (Museum von Rouen), 1876 die Nymphe Salmacis, 1880 ein Atelierwinkel, in welchem wiederum sein Vater, an einem Relief arbeitend, dargestellt ist (im Luxembourg-Museum zu Paris), und 1881 das Frühstück des Modells im Maleratelier. 1883 erhielt er für das Innere eines Bauernhauses in Villerville auf der internationalen Ausstellung in München eine zweite Medaille.

Dante Alighieri (spr. aligjehri), der größte Dichter Italiens und einer der tiefsten Geister aller Zeiten und Völker, wurde wahrscheinlich an einem der letzten Tage des Mai 1265 zu Florenz geboren und erhielt in der Taufe den Namen Durante, der nach der herrschenden Sitte in Dante abgekürzt wurde und ihm so dauernd verblieben ist. Seine Familie gehörte zu den alten florentinischen Geschlechtern und stand auf seiten der Guelfen. D. selbst nennt als seinen Stammvater den Cacciaguida, einen tapfern Krieger (geboren um 1090), welcher eine Alighieri aus dem Pothal zur Frau hatte. Einer ihrer Söhne (gestorben um 1200) nahm den Namen der Mutter an und ward so der Stifter des Geschlechts der Alighieri zu Florenz. Von der Jugend des Dichters weiß man thatsächlich wenig, da die romanhaft und tendenziös aufgeputzten Mitteilungen seines ersten Biographen Boccaccio nur mit Vorsicht aufzunehmen sind. Erst die gründlichen Forschungen der neuern Zeit, namentlich Balbos und Fraticellis, haben ein ziemlich klares Bild von Dantes Lebensgang hergestellt. Der Vater, ein Rechtsgelehrter, starb schon 1270, hinterließ aber ein ziemliches Vermögen an liegenden Gründen, und die Mutter, Donna Bella, übertrug nun die Erziehung ihres Knaben dem gelehrten Staatssekretär der Republik, Brunetto Latini, der selbst als Dichter in Ruf stand, und dem D. später an einer Stelle seiner "Komödie" ein rührend schönes Denkmal setzte. Unter Brunettos Leitung machte sich D. mit allem bekannt, was damals im Bereich der Gelehrten lag, und beschäftigte sich neben den strengen Studien auch mit den heitern Künsten; er war Freund der Maler Giotto und Oderisi, wie er auch selbst zeichnete, sowie des Sängers und Musikers Casella. Wie früh er die Dichtkunst getrieben, läßt sich nicht bestimmen; wohl aber sagt er selbst, daß er die Provençalen kannte und bewunderte. Von dichterischen Freunden nennt D. den ausgezeichneten Guido Cavalcanti, an welchen das erste öffentlich von ihm bekannt gemachte Sonett gerichtet ist, und den er später verbannt sehen mußte, und Cino da Pistoja, welcher später den D. in einer Kanzone beklagt; andre waren Dante da Majano, Dino Frescobaldi etc. Eng verbunden mit seiner Liebe zur Poesie ist seine idealische Liebe zu Beatrice, der Tochter eines angesehenen Bürgers, Folco de Portinari, die er 1274, kaum neun Jahre alt (sie selbst zählte acht), bei einem Maifest zu Florenz zuerst gesehen hatte, worüber D. selbst in seinem Erstlingswerk: "La vita nuova", berichtet. Von dieser ersten Jugendliebe blieb ihm der tiefste Eindruck für das ganze Leben und steigerte sich in ihm zu jener Verklärung und Bedeutung Beatrices, wie er sie in seinem großen Gedicht verewigt hat. Daher setzt es unsern Begriffen gemäß allerdings in Erstaunen, zu erfahren, daß D. ein oder zwei Jahre (1291) nach Beatrices frühem Tod sich mit Donna Gemma aus dem vornehmen Geschlecht der Donati verheiratet habe, und manche sind geneigt, die ganze Mitteilung Dantes über jenen Gegenstand in symbolischem Sinn aufzufassen. Richtiger dürfte es sein, die Sache mit dem damals aus der Provence her noch fortwirkenden ritterlichen Frauendienst in Verbindung zu bringen, nach welchem Ehe und Minne nebeneinander bestehen konnten, ohne sich gegenseitig zu beirren. Daß der lernbegierige Zögling, herangewachsen, in den Orden der Franziskaner getreten, aber noch vor Ablauf des Noviziats wieder ausgeschieden sei, ist eine Sage. In Wirklichkeit hat er wohl seine Studien in Bologna und Padua fortgesetzt und ist etwa 1288 in die Vaterstadt zurückgekehrt, um sich nach dem Vorbild seines väterlichen Freundes und des trefflichen Priors Giano della Bella den Staatsgeschäften zu widmen. Er ließ sich, wie das Gesetz es damals vorschrieb, in eine Zunft und zwar in die der Ärzte und Apotheker aufnehmen, zog 1289, als die Ghibellinen von Arezzo aus wieder einmal einen Sturm auf Florenz zu unternehmen gedachten, mit gegen sie zu Felde und focht 11. Juni tapfer bei Campaldino, wobei er in große Gefahr geriet. Im folgenden Jahr war er bei dem Zug nach Pisa, durch welchen unter Anführung des Podesta Novello da Polenta die Feste Caprona erobert wurde. Außerdem ist in der Zeit von 1295 bis 1301 von verschiedenen Gesandtschaften die Rede, zu welchen D. verwendet wurde. Als er das gesetzliche Alter von 35 Jahren erlangt hatte, wurde er in die Zahl der Prioren gewählt (1300) und zwar nicht, wie es gewöhnlich geschah, durch das Los, sondern durch freie Wahl; ein Amt, das für ihn, nach seinem eignen Ausspruch, die Quelle all seines spätern Unglücks wurde. Florenz, im ganzen guelfisch, war doch in zwei Parteien: die "Weißen" und die "Schwarzen", geteilt, von denen die erstern mehr ghibellinisch gesinnt, die letztern dagegen unbedingte Anhänger des Papstes waren. Dantes patriotischer Eifer brachte es dahin, daß der Senat die Häupter beider Parteien aus Florenz verwies; doch entbrannte, da der Senat die Weißen begünstigte, der Kampf bald von neuem. Als die Schwarzen in Rom beschlossen, Karl von Valois, der sich eben zu einem Kriegszug gegen Sizilien rüstete, als Friedensstifter nach Florenz zu senden und mit seiner Hilfe die gegnerische Partei niederzuwerfen, schickten die Weißen Abgeordnete nach Rom, um dem Papst Vorstellungen zu machen und womöglich die Ankunft Karls zu hintertreiben. Zu dieser Gesandtschaft gehörte auch D., der sich der Sache der Weißen zuneigte. Er verließ Florenz, um nie wieder dahin zurückzukehren. Während er noch in Rom war, rückte Karl von Valois, vom Papst unterstützt, Anfang November 1301 in Florenz ein und rief sofort die Schwarzen zurück. Es kam zu einem Gericht über die Weißen, und D. mit 14 andern wurde 10. März 1302 zu 8000 Lire Geldbuße und zu zweijähriger Verbannung (resp. Feuertod im Betretungsfall) verurteilt. Seine Güter wurden eingezogen, sein Haus in der Stadt der Plünderung des Pöbels preisgegeben. Empört über die Unbill und die Beschimpfung, die ihm durch diesen Spruch widerfahren, eilte D. von Rom, wo er natürlich nichts ausgerichtet hatte, zunächst nach Siena und von da nach Arezzo, um hier mit den übrigen Geächteten Rats zu pflegen, was zu thun sei. Als Bitten und friedliche Maßregeln keinen Erfolg hatten, beschlossen die Flüchtlinge, die Rückkehr mit Waffengewalt zu erzwingen, und unternahmen 20. Juli 1304 einen Angriff auf Florenz. Der-^[folgende Seite]