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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: D'Arcet; D'Arcets Metall; Dardanariat; Dardanellen

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D'Arcet - Dardanellen.

gen unterstützt, zahlreiche Anhänger fand. Er starb 28. April 1882 bei London. Seine Anhänger gewannen auch in Württemberg Boden. Vgl. Herzog, Les frères de Plymouth et John Darby (Lausanne 1845); Grunewald in den "Jahrbüchern für deutsche Theologie" 1870.

D'Arcet (spr. darssä), Jean Pierre Joseph, Chemiker, geb. 31. Aug. 1777 zu Paris, ward 1801 Münzwardein und starb 2. Aug. 1844 in Paris als Generalmünzwardein sowie als Mitglied des Generalkonseils der Fabriken und Manufakturen und des Salubritätskonseils im Departement Seine. Er lieferte für die chemische Technik mehrere wertvolle Arbeiten, verbesserte die Pulverfabrikation und die Darstellung der Bronze und bronzeartigen Legierungen, entdeckte, daß zinnreiche Bronze durch wiederholtes Ablöschen hämmerbar und sehr zäh wird, gab die Zusammensetzung eines sehr leichtflüssigen Metalls an und erfand 1802 das Verfahren zur Scheidung des Goldes vom Silber mit Hilfe von Schwefelsäure. Dies 1816 noch verbesserte Verfahren ermöglicht die Abscheidung eines sehr geringen Goldgehalts aus großen Mengen Silbers. Er untersuchte die nährenden Bestandteile der Knochen und die Verarbeitung der Kastanien auf Zucker; auch bemühte er sich um die Beseitigung der schädlichen Einflüsse bei verschiedenen Gewerben und schrieb über die gesundheitsgemäße Einrichtung der Hospitäler.

D'Arcets Metall, s. Wismutlegierungen.

Dardanariat, ein jetzt veralteter strafrechtlicher Begriff, bedeutete seiner Zeit jedes rechtswidrige Unternehmen zu dem Zweck, die zum gewöhnlichen Gebrauch dienenden Lebensbedürfnisse oder andre Gegenstände des Handelsverkehrs zu verteuern oder einen gänzlichen Mangel daran herbeizuführen; eine Handlungsweise, welche in frühern Reichsgesetzen mit Landesverweisung und Vermögenskonfiskation bedroht war. Den Namen D. leitet man von einem Schwarzkünstler, Dardanarius, ab, einem berüchtigten römischen Kornwucherer. Die neuere Strafgesetzgebung faßt das D. als Verbrechen oder Vergehen nicht auf, es hat insbesondere auch das deutsche Strafgesetzbuch dasselbe fallenlassen und den Begriff damit ein für allemal aus dem geltenden Strafrecht gestrichen.

Dardanellen, die nach der alten Stadt Dardanos in Troas benannten vier festen Schlösser zu beiden Seiten der das Marmarameer mit dem Ägeischen Meer verbindenden Meerenge (Hellespont), welche als der Schlüssel von Konstantinopel betrachtet werden (s. das Spezialkärtchen auf der Karte "Mittelmeerländer"). Den ersten, etwa 4 km breiten Eingang aus dem Ägeischen Meer in die Meerenge bewachen die neuen Schlösser Sedil Bahr auf europäischer und Kum Kale auf asiatischer Seite, die 1658 unter Sultan Mohammed IV. zum Schutz gegen die Venezianer angelegt wurden. Etwa 20 km nordöstlich davon liegen, 2 km voneinander entfernt, äußerst malerisch die alten Dardanellenschlösser, die Mohammed II. gleich nach der Eroberung Konstantinopels erbauen ließ: Kilid Bahr ("Meeresriegel") in Europa und Kale Sultanie (Tschanak Kalessi) in Asien. Beide heißen gewöhnlich die alten Schlösser von Rumeli und Anadoli. Weiter nördlich wurden seit 1867 vier Küstenbatterien erbaut und zwar auf asiatischer Seite die Batterie Medschidie (14 Geschütze), unweit nördlich von Kale Sultanie, und Nagara (14 Geschütze), an der Stelle des alten Abydos, auf europäischer Seite Namasigja (26 Geschütze) und Degirmenburnu (19 Geschütze), südlich und nördlich von Kilid Bahr. Im ganzen enthielten die Befestigungen an den D. 1874 ca. 250 ältere und neuere glatte Kanonen, welche 1877 zum Teil durch Kruppsche ersetzt wurden. Der Handel der D. konzentriert sich in dem Hafen von Kale Sultanie, wo sich ein deutsches Konsulat befindet, und hat sich nach dem letzten Krieg erheblich gesteigert; an demselben sind besonders Frankreich, Österreich-Ungarn und Großbritannien beteiligt. Im türkischen Zolljahr 1883/84 wertete die Ausfuhr (besonders Gerste, Erbsen, Fichtenrinde und Valonea, d. h. der an Gerbsäure reiche Fruchtbecher der dortigen Eiche) 1,2 Mill. Frank, die Einfuhr (Zucker, Kaffee, Reis, englische Kohlen, Manufakturwaren) 1,1 Mill. Fr. Die Ufer sind gleichmäßig mit Weingarten, Hecken und Dörfern in reicher Abwechselung eingefaßt. Am Ausgang liegt als bedeutendste Uferstadt Gallipoli, nach welcher die Meerenge auch wohl Straße von Gallipoli genannt wird, gegenüber in Asien Lapsaki (Lampsakos), ein unbedeutendes Dorf mit schöner Moschee. Die Dardanellenstraße hat einige Untiefen und außerdem eine sehr heftige Strömung, die bei Nordwind fast unwiderstehlich ist, am wenigsten dagegen bei Südwind sich bemerklich macht.

405 v. Chr. wurde hier am Ägospotamos, südlich von Gallipoli, durch Wegnahme der athenischen Flotte seitens der Spartaner unter Lysandros der Peloponnesische Krieg entschieden. Am Eingang der D. fanden 1499 und 20. Juli. 1657 Seeschlachten statt, beide zwischen den Venezianern und den Türken; 1499 unterlagen die letztern, und 1657 wurde ihre Flotte fast vernichtet; dagegen wurde die venezianische Flotte 1694 dort geschlagen. Die sorglosen Türken erhielten im vorigen Jahrhundert, im Vertrauen auf den Ruf der Dardanellenschlösser, dieselben so wenig im Verteidigungszustand, daß sie nach und nach gänzlich verfielen. Erst nachdem 1770 ein russisches Geschwader unter Admiral Elphinstone ungehindert in die Meerenge eingedrungen war, ließen sie die Forts wiederherstellen. Allein lange dauerte dieser gerüstete Zustand der D. bei der Schlaffheit der Türken auch jetzt nicht. Schon 1807 wurde eine Durchfahrt durch dieselben von dem englischen Admiral Duckworth mit acht Linienschiffen, vier Fregatten nebst mehreren Brandern und Bombardierbooten ohne Verlust bewerkstelligt, in deren Folge 20. Febr. zum erstenmal eine feindliche Flotte vor Konstantinopel erschien. Schon früher und dann in dem 1809 zwischen England und der Pforte abgeschlossenen Friedensvertrag hatte erstere Macht in die Forderung der Pforte, daß kein nichttürkisches Kriegsschiff in die Dardanellenstraße und in den Bosporus einlaufen dürfe, eingewilligt, und im September 1841 wurde ein Vertrag zwischen den fünf europäischen Großmächten und der Pforte unterzeichnet, welcher festsetzte, daß kein Kriegsschiff in die D. einlaufen dürfe. Beim Beginn des orientalischen Kriegs ankerte die englisch-französische Flotte im Juni 1853 im S. von Kum Kale in der Besikabai, von wo sie Ende Oktober in die Dardanellenstraße einlief und 3. Nov. in der Beikosbai Anker warf. Im ersten Anhang zu den Pariser Friedensartikeln von 1856 wurde der Vertrag von 1841 der Hauptsache nach bestätigt; doch behielt sich der Sultan vor, leichten, den Gesandtschaften fremder Mächte zur Verfügung gestellten Fahrzeugen durch besondere Fermane die Durchfahrt zu gestatten; die Befestigungen an den D. wurden darauf von der Pforte bedeutend erweitert und verstärkt. Nachdem das Londoner Protokoll vom 13. März 1871 die Schließung der D. von