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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Darmanhang; Darmatmung; Darmbein; Darmdivertikel; Darmeinklemmung; Darmentzündung

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Darmanhang - Darmentzündung.

(i. caecum), von 6-8 cm Länge; dieser wiederum trägt einen blind endigenden, nur 5-7 mm weiten und etwa 5-8 cm langen Anhang, den sogen. wurmförmigen Anhang oder Wurmfortsatz (processu vermiformis). Der Dickdarm steigt zunächst bis zur untern Fläche der Leber empor (aufsteigender Grimmdarm, colon ascendens); dann geht er als Quergrimmdarm (c. transversum) am untern Rande des Magens nach links zur Milz hinüber; hier biegt er wieder um und verläuft als absteigender Grimmdarm (c. descendens) links abwärts, bildet dann eine S-förmige Krümmung und geht zuletzt in den etwa 16 cm langen Mastdarm (intestinum rectum) über. Dieser senkt sich gerade von oben nach unten und mündet durch den After nach außen. Die Wand des Darmrohrs besteht aus drei deutlich gesonderten Häuten, welche durch eine dünne Schicht zwischengelagerten Bindegewebes miteinander verwachsen sind. Die äußerste (sogen. seröse) Haut gehört dem Bauchfell (s. d.) an und befestigt den D. in der Bauchhöhle, jedoch so, daß seine einzelnen Teile aneinander verschiebbar bleiben. Die mittlere oder die Muskelhaut besteht aus einer äußern Längsfaser- und einer innern Ringfaserschicht; die durch sie hervorgerufenen unwillkürlichen Bewegungen des Darms gleichen denen eines Wurms, heißen peristaltische Bewegungen und schreiten vom Magen her gegen den After hin fort. Nur bei krankhaften Zuständen kommen auch die in umgekehrter Richtung verlaufenden, antiperistaltischen Bewegungen vor, welche den Inhalt des Darms nach dem Magen zurückdrängen, so daß selbst der Inhalt des Dickdarms, also Kot, erbrochen werden kann. Die Ringfaserschicht bildet am Ende des Mastdarms einen 1 cm breiten Muskelring, den innern Schließmuskel des Afters (sphincter ani internus), welcher durch den äußern, innerhalb gewisser Grenzen der Willkür gehorchenden Schließmuskel unterstützt wird und schon im Ruhezustand den After leicht geschlossen hält. Die Längsfaserschicht erstreckt sich über den ganzen Dünndarm als zusammenhängende Lage, ist hingegen am Dickdarm auf drei etwa 9 mm breite Bänder (taeniae coli) beschränkt, welche erst von der S-förmigen Krümmung an sich über den ganzen Umfang des Darms ausbreiten. Die innerste der drei Häute des Darmrohrs endlich ist die Schleimhaut, eine weiche, etwa 1 mm dicke, an Blut- und Lymph- (resp. Chylus-) Gefäßen sowie an Drüsen überaus reiche Membran, welche an ihrer freien Fläche mit einer Lage von Epithelzellen überkleidet ist. Die Schleimhaut des Dünndarms ist in zahlreiche Querfalten (Kerckringsche Falten, s. d.) gelegt und in ihrer ganzen Länge mit kleinen Zotten, den Darmzotten (villi intestinales), besetzt; diese saugen aus dem Speisebrei den Chylus (s. d.) auf und führen ihn der Säftemasse des Körpers zu. Durch sie, welche in einer Zahl von etwa 4 Mill. vorhanden sein mögen, wird die resorbierende Fläche der Schleimhaut auf das Fünffache gebracht und erreicht so eine Ausdehnung von 2,5 qm, also fast das Doppelte der äußern Leibesoberfläche. Ferner befinden sich in der Schleimhaut des Dünndarms verschiedene Drüsen. Überall zwischen den Darmzotten kommen die sogen. Lieberkühnschen Drüsen (s. d.) zur Absonderung des Darmsaftes (succus entericus) in ungeheurer Anzahl vor. Auf das Anfangsstück des Zwölffingerdarms sind beschränkt die traubenförmigen Brunnerschen Drüsen, die eine dem Bauchspeichel ähnliche Flüssigkeit absondern. Zerstreut über den ganzen Dünndarm, aber in mäßiger Anzahl kommen ferner kleine Lymphdrüsen oder geschlossene (die sogen. solitären) Follikel, etwa von der Größe eines Hirsekorns, vor (s. Lymphdrüsen) und gruppieren sich im untern Abschnitt des Dünndarms zu den sogen. Peyerschen Drüsen (s. d.). Die Schleimhaut des Dickdarms bildet zahlreiche Falten, welche ½-1 cm in die Höhle des Darms vorragen; sie besitzt keine Zotten und von den oben genannten Drüsen nur die Lieberkühnschen und die solitären Lymphfollikel. Die Arterien des Darms stammen aus den beiden Gekrösarterien; die Venen münden in die Pfortader; die Nerven (nervi splanchnici) gehören zum Sympathikus (s. d.). Über die Verrichtungen des Dünndarms s. Verdauung.

Die Krankheiten des Darms sind größtenteils Erkrankungen der Schleimhaut, welche aber auf die andern Häute übergreifen können (s. Darmgeschwüre); sie sind sehr selten auf die Muskel- und Nervenschicht des Darms beschränkt (Darmverfettung), selten auch ist die seröse Haut einziger Sitz des Leidens, da dasselbe gewöhnlich Teilerscheinung einer allgemeinen Bauchfellentzündung zu sein pflegt. Viele Affektionen kommen in gleichmäßiger Häufigkeit in allen Abschnitten des Darms vor, z. B. der Katarrh, die Amyloidentartung, Blutungen etc., andre dagegen haben mehr begrenzte Regionen, wie die runden Geschwüre des Magens und Zwölffingerdarms, die Zottenpigmentierung im Leerdarm, die typhösen Veränderungen im untern Teil des Dünndarms, die Ruhr im Dickdarm, die Syphilis im Mastdarm. Für Geschwulstbildungen sind namentlich die verschiedenen engen Stellen des Darmrohrs disponiert, zuerst der Schlund, die enge Stelle im obern Drittel der Speiseröhre, der Mageneingang, sein Ausgang, die Blinddarmklappe und der After. Die Geschwülste sind so überwiegend krebsiger Natur, daß die wenigen Schleimhautpolypen, Myome, Fettgeschwülste, welche sonst noch vorkommen, dagegen ganz zurücktreten.

Darmanhang, s. Darmdivertikel.

Darmatmung, s. Atmung, S. 17.

Darmbein, s. Becken.

Darmdivertikel (lat.), blinde Anhänge des Darms, welche mit dem Darmrohr in Verbindung stehen. Man unterscheidet 1) das angeborne oder wahre D., welches einen Rest des fötalen Nabelganges darstellt und ca. 1 m oberhalb der Bauhinischen Klappe im Dünndarm zuweilen vorkommt; 2) falsche D., welche oft in großer Anzahl im Dünn- und Dickdarm beobachtet werden, ohne daß über ihre Entstehung Genaueres bekannt wäre. Dem D. kommt nur die Bedeutung einer anatomischen Merkwürdigkeit zu.

Darmeinklemmung (Incarceratio intestini), s. Bruch, S. 486, und Darmverschlingung.

Darmentzündung (Enteritis), diejenigen entzündlichen Affektionen des Darmkanals, welche von der Schleimhaut des Darms ausgehen und diese vorzugsweise betreffen, während die Entzündungen des serösen Überzugs der Därme zur Bauchfellentzündung gehören. Die D. tritt hauptsächlich in drei Formen auf, nämlich als katarrhalische D. oder Darmkatarrh, als kruppöse und diphtheritische D. Der Darmkatarrh gehört zu den am häufigsten vorkommenden Krankheiten. Er wird gewöhnlich veranlaßt durch Diätfehler aller Art, wohin auch Vergiftungen und Alkoholmißbrauch zu rechnen sind, durch Stauung des Bluts bei Herzfehlern, Leberschrumpfung, Geschwulstbildungen in der Bauchhöhle, durch Kotstauungen, fremde Körper, Eingeweidewürmer, Erkältungen des Unterleibes und der Füße, heftige Gemütsbewegungen, namentlich Angst und Schreck, etc. Zu