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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Darmstadt

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Darmstadt.

Aussehen der Haut, Schwellung der Lymphdrüsen zu faustgroßen Paketen, rhachitischer Auftreibung der Gelenke. Die D. verlangt sorgfältige ärztliche Behandlung, kräftige Ernährung, gute Luft, am besten in klimatischen Kurorten, Kissingen, Lippspringe oder Solbädern. In vorgeschrittenen Fällen endet die D. gleich der Lungenschwindsucht meistens tödlich, da einerseits nicht selten Durchbruch der Geschwüre und Bauchfellentzündung sich zur D. hinzugesellen, anderseits Amyloidentartung des Darms überhaupt nicht heilbar zu sein scheint. Vgl. Auszehrung und Lungenschwindsucht.

Darmstadt, die Haupt- und Residenzstadt des Großherzogtums Hessen (s. Plan), liegt in der Mitte zwischen Rhein und Main, 145 m ü. M., da, wo die Vorhöhen des Odenwaldes und der Bergstraße in die Ebene übergehen, beinahe gleichweit von den Rhein- und Mainstädten Mainz, Frankfurt, Hanau und Aschaffenburg, nicht allzu weit vom Neckar (Heidelberg, Mannheim) entfernt. Wenn die geographische Lage hiernach nicht ungünstig erscheint, so verdankt doch nicht dieser, sondern ihrer Eigenschaft als Residenz, im Mittelalter der Grafen von Katzenelnbogen, in der neuern Zeit der Landgrafen, spätern Großherzöge von Hessen, die Stadt ihre jetzige Bedeutung. Sie besteht aus der Altstadt, mit engen u. winkeligen Straßen, und der Neustadt, welche durch das großherzogliche Schloß und den Paradeplatz voneinander getrennt werden. Die Neustadt besteht aus breiten, schönen Straßen, welche zum Teil mit Alleen bepflanzt sind sowie zahlreiche mit hübschen Anlagen geschmückte freie Plätze und mehrere große, parkähnliche Gärten umschließen. Sechs Eisenbahnlinien laufen in D. zusammen, welche in zwei Hauptbahnhöfe einmünden (s. unten). Betritt man von den Bahnhöfen, denen gegenüber das 1875 erbaute Bankgebäude u. vor welchen die Bronzebüste des in D. gebornen Chemikers Justus v. Liebig steht, die Stadt, so gelangt man in die wichtigste Straße derselben, die Rheinstraße, die auf den schönsten Platz der Stadt, den achteckigen Luisenplatz, und zum großherzoglichen Schloß führt. An dem Luisenplatz liegen das 1881 erbaute schöne Postgebäude, das Kollegiengebäude (seit 1780), das Ständehaus und das Alte Palais; auf dem Platz erhebt sich das Ludwigsmonument, eine 43 m hohe Sandsteinsäule mit dem 7 m hohen, nach Schwanthalers Entwurf von Stiglmayr aus Erz gegossenen Standbild Ludwigs I., des ersten Großherzogs von Hessen. Von dem Luisenplatz nach S. führt die breite Wilhelminenstraße zur Rotunde der katholischen Kirche (1827 erbaut von Moller), in der Nähe das Palais des Prinzen Karl, in welchem sich das Original der von Holbein d. jüng. gemalten Madonna des Bürgermeisters Meyer befindet; nach N. zu gelangt man auf den Mathildenplatz mit dem Neuen Kollegium, dem Justizgebäude und dem Marstall. Von hier nach NW. liegt einer der neuesten Stadtteile, das sogen. Blumenthalviertel mit dem Wilhelmsplatz, auf welchem das Metzdenkmal steht. Vom Luisenplatz nach O. schreitend, gelangt man zum großherzoglichen Schloß, einem aus verschiedenen Jahrhunderten stammenden Komplex von Bauten, der von einem tiefen, jetzt in Gartenanlagen verwandelten Graben umgeben ist. Die ältesten Teile gehören noch der Katzenelnbogener Zeit an, so der Hofkonditoreibau im Schloßkirchenhof. Die andern diesen Hof umgebenden Bauten entstammen in der Hauptanlage der Regierung des Begründers der hessen-darmstädtischen Linie, Georgs I. (1567-96). Der Glockenspielbau wurde von Ludwig VI. (gest. 1678), die großen Massen der neuern Schloßteile mit ihren vier Pavillons sind von 1717 an durch Landgraf Ernst Ludwig errichtet. Das Schloß enthält die dem Land gehörigen wissenschaftlichen und Kunstsammlungen. Solche sind: 1) die Hofbibliothek mit ungefähr 500,000 Bänden, darunter 1400 Inkunabeln und vielen Holzschnittwerken; 2) das Alte Museum, ägyptische, römische und germanische Altertümer, eine Münzsammlung sowie kunstgewerbliche und ethnographische Gegenstände enthaltend; 3) das Kupferstichkabinett; 4) die Gemäldegalerie, besonders ausgezeichnet durch Werke der altdeutschen und niederländischen Schulen; 5) die naturwissenschaftlichen Sammlungen, darunter die paläontologische von besonderer Bedeutung; 6) der Antikensaal. Auch das Staatsarchiv befindet sich im Schloß.

Vom Schloß nach N., den Theater- und Paradeplatz begrenzend, liegen das nach dem Brand von 1871 neuerbaute Hoftheater und das 1771 von Schuknecht errichtete Zeughaus, dessen Dachkonstruktion ein Wunder ihrer Zeit war, da sie ohne Säule den 100:50 m in der Grundfläche messenden Raum überspannt. Vor dem Zeughaus steht das 1879 enthüllte Kriegerdenkmal, zwischen ihm und dem Theater die Standbilder Philipps des Großmütigen und Georgs I. Von hier aus betritt man den Herrengarten mit dem Grabmal der "großen Landgräfin" Karoline Henriette, Gemahlin Ludwigs IX. (gest. 1774), welches die von Friedrich d. Gr. gestiftete Marmorurne mit der Inschrift: "Femina sexu, ingenio vir" trägt. Auf der andern Seite des Schlosses liegt der Marktplatz mit dem aus dem 16. Jahrh. stammenden Rathaus, unweit davon die Stadtkirche aus dem 15. Jahrh., im 17. Jahrh. umgebaut, mit dem Renaissancegrabmal

^[Abb.: Plan von Darmstadt.]