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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Dasychira - Datsche.

sower Binnensee (rechts zur Trave), 15 km vom Bahnhof Schönberg i. M., mit evang. Kirche, Fischerei und (1880) 1499 Einw. Ehemals stand in D. die Burg Dersau, die bis zu Anfang des 13. Jahrh. von den Grafen zu Holstein bewohnt war und um 1263 zerstört wurde.

Dasychira, s. Buchenspinner.

Dasymeter (Baroskop, Luftwage, Wagemanometer), ein von Guerike 1650 erfundenes Instrument, welches die Veränderungen der Dichtigkeit der Luft erkennen läßt. Es besteht aus einem Wagebalken, der an einem Ende einen mit Luft gefüllten und zugeschmolzenen Glasballon, am andern ein kleines verstellbares Gold- oder Platingewicht trägt. Hält das Gewicht dem Ballon bei einer bestimmten Dichtigkeit der Luft das Gleichgewicht, so senkt sich der Ballon nach dem Archimedischen Gesetz bei abnehmender und steigt bei zunehmender Dichtigkeit der Luft.

Dasypodĕus (Rauchfuß, Hasenfuß), Konrad, Mathematiker, geb. 1531 zu Straßburg, später Professor der Mathematik an der Universität und Kanonikus an der Thomaskirche daselbst; starb 26. April 1600. Er ist der Schöpfer der berühmten Uhr des Straßburger Münsters, welche unter seiner Leitung 1572-74 von Isaak und Josias Habrecht aus Schaffhausen angefertigt wurde. Diese alte Uhr, welche bis zum Tode des letzten Habrecht 1732 von den Nachkommen der Erbauer in stand gehalten wurde, 1789 aber stockte, wurde 1842 durch eine andre, noch kunstreichere von Schwilgué ersetzt. Vgl. Blumhof, Vom alten Mathematiker K. D. (Götting. 1798).

Dasyprocta, Aguti.

Dasypus, Gürteltier.

Dasyuridae (Beutelmarder), Familie der Beuteltiere (s. d.).

Dasyūrus, Beutelmarder.

Data, s. Datum.

Datarĭa (Datarie), diejenige Abteilung der Curia gratiae oder päpstlichen Verwaltungsbehörde, von welcher kirchliche Gnadensachen, Dispensationen etc. expediert, auch kleinere Pfründen besetzt werden. An ihrer Spitze steht ein Kardinal mit dem Titel Protodatarius, unter ihm der Datarius und mehrere Subdatarien. Der Name D. ist von der Unterschrift der Erlasse: Datum Romae, apud S. Petrum, Gegeben zu Rom, beim heil. Peter (im Vatikan), entlehnt.

Dat, donat, dedĭcat (lat., abgekürzt d. d. d.), "gibt, weiht, widmet", bei den Römern übliche Inschrift auf Göttern geweihten Gegenständen, jetzt in lateinischen Schriften Formel der Dedikation.

Dat Galenus opes, dat Justinianus honores, pauper Aristoteles cogitur ire pedes (lat.), Galen (die Arzneikunst) gibt Schätze, Justinian (die Rechtsgelehrsamkeit) Ehrenstellen, der arme Aristoteles (die Philosophie) muß zu Fuße gehen.

Dati, Carlo Roberto, ital. Gelehrter, geb. 2. Okt. 1619 zu Florenz, ward 1640 Mitglied der Accademia della Crusca, als welches er Smarrito hieß, und nahm an der Ausarbeitung der dritten Ausgabe des Wörterbuchs derselben Anteil. Er wurde 1648 Professor der alten Sprachen zu Florenz und starb 11. Jan. 1675 daselbst. Sein Hauptwerk sind die "Vite de' pittori antichi" (Flor. 1667; neue Ausg., Mail. 1831). Seine "Prose fiorentine raccolte dallo Smarrito", von denen er nur den ersten Band (Flor. 1661) lieferte, wurden von Bottari u. a. fortgesetzt (das. 1716-45, 18 Bde.), so daß das Ganze 18 Bände ausmacht. Briefe von ihm gab Moroni (Flor. 1825), den "Discorso dell' obligo di ben parlare la propria lingua" Fanfani (das. 1870) heraus.

Datieren, s. Datum.

Datio (lat.), die Handlung des Gebens. D. ad manum creditoris, das Übergeben des Schuldners in die Hand des Gläubigers, fand einst im alten Rom statt, wenn der Schuldner weder zahlungsfähig war, noch einen Bürgen stellen konnte, und dauerte bis zur Abtragung der Schuld. D. in solutum, Überlassung von Sachen an Zahlungs Statt (s. Annahme an Zahlungs Statt).

Datisca L. (Strauchkraut), Gattung aus der Familie der Datiskaceen, Stauden mit wechselständigen, fiederspaltigen Blättern, kleinen Blüten in rispigen Trauben und vielsamigen Kapseln. D. Cannabina L. (gelber Hanf), auf Kandia und im Orient heimisch, wird 1,5-2 m hoch, ist im Habitus dem Hanf ähnlich und wird als Zierpflanze kultiviert. Der Stengel liefert spinnbare Bastfaser. Aus den Blättern gewinnt man das Datiscagelb, Datiscin C21H22O12 ^[C_{21}H_{22}O_{12}], ein in farblosen Nadeln kristallisierendes, in Wasser schwer, in Alkohol leicht lösliches Glykosid, welches neutral reagiert, mit Alkalien tiefgelbe Lösungen gibt und intensiv und dauerhaft gelb färbt. Mit Alaun gebeiztes Zeug erhält davon eine dauerhafte gelbe Farbe.

Datisi, bei den alten Logikern Name des vierten Schlußmodus in der dritten Figur, mit allgemein bejahendem Obersatz und besonders bejahendem Unter- und Schlußsatz (A I I); z. B. der Fromme ist gottesfürchtig, viele Fromme sind arm, also sind viele Arme gottesfürchtig. Vgl. Schluß.

Datiskaceen, dikotyle, aus wenigen Arten bestehende Pflanzenfamilie von zweifelhafter systematischer Stellung, vielleicht zu den Passiflorinen gehörig. Über die D. vgl. De Candolle in "Prodromus", Bd. 15.

Datismus (griech.), Ausdruck oder Sprechweise nach Art des persischen Satrapen Datis, welcher bei Marathon befehligte und das Griechische schlecht sprach; daher s. v. w. fehlerhafte Ausdrucksweise, besonders Häufung sinnverwandter Wörter.

Dativ, s. Kasus.

Dato (ital., v. lat. datum, "gegeben"), in der Kaufmannssprache s. v. w. heute; a d., von heute an; nach d., nach heute, vorzüglich auf Wechseln gewöhnlich. Daher: Datowechsel, solche, deren Verfalltag durch Bezugnahme auf den Tag der Ausstellung angegeben ist., z. B. "In drei Monaten zahlen Sie etc." oder "Drei Monate nach d. (a d., de d., auf d., vom d., d., von heute, nach heute etc.) zahlen Sie etc." Die Bezugnahme auf das Datum der Ausstellung heißt Datoklausel.

Datolith (Dystolith, Esmarkit, Humboldtit, prismatischer Dystomspat), Mineral aus der Ordnung der Silikate (Turmalingruppe), kristallisiert monoklinisch, kurz säulenförmig oder dick tafelartig und findet sich in Drusen und grobkörnigen Aggregaten. Er ist wasserhell, weiß, grünlichgrau, rötlichweiß, glasglänzend, durchsichtig bis durchscheinend, Härte 5-5,5, spez. Gew. 2,9-3; er besteht aus wasserhaltigem borsauren und kieselsauren Kalk H2Ca2B2Si2O10 ^[H_{2}Ca_{2}B_{2}Si_{2}O_{10}] mit 21,88 Proz. Borsäure und kommt vor auf Magneterzlagern im Gneis bei Arendal in Norwegen und auf der Insel Utoen, gangartig im Diorit bei Andreasberg, ebenso im Diorit von Connecticut und im Tunnel von Bergen Hill in New Jersey, ferner zu Niederkirchen bei Wolfstein in Rheinbayern auf Klüften; zu Theiß in Südtirol auf Amethyst im Innern von Chalcedonkugeln; im Melaphyr der Seißeralp bei Bozen und im Serpentin zu Toggiana in der Emilia.

Datsche (russ.), Landhaus, Sommerwohnung.