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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Daumer; Daumier

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Daumer - Daumier.

ersterer (Metakarpal- oder Mittelhandknochen) ist mit demjenigen des Zeigefingers nur durch Haut und Muskeln, nicht auch durch Bänder verbunden, daher unabhängig von ihm und den übrigen Fingern (s. Hand). An dem entsprechenden Knochen der Handwurzel ist er mittels eines sogen. Sattelgelenks so leicht beweglich eingelenkt, daß der D. den andern Fingern gegenübergestellt werden kann. Die hierzu erforderlichen Muskeln (sogen. Abzieher, Anzieher, Gegenübersteller) setzen mit ihrer Fleischmasse den Daumenballen zusammen; außer ihnen sind noch Beuger und Strecker für den D. und seine einzelnen Phalangen vorhanden. Der D. des Affen verhält sich dem des Menschen ganz ähnlich, bei den übrigen Säugetieren hingegen, mit Ausnahme der Halbaffen, fehlen die Muskeln zur Gegenüberstellung. Am Fuß des Menschen ist die große Zehe durch ihre Einlenkung und die der Daumenmuskulatur entsprechenden Muskeln ebenfalls freier beweglich als die übrigen Zehen, ja sie kann sogar bei Fischern, Wilden und handlosen Menschen ziemlich weit gegenübergestellt und zum Greifen benutzt werden. Weit mehr ist dies bei den Affen der Fall, welche bekanntlich ihre Füße wie Hände gebrauchen. Da aber die übrigen Knochen der hintern Extremität der Affen denen des menschlichen Fußes und nicht denen der menschlichen Hand gleichen, so ist dieselbe keine Hand, sondern ein Fuß (Greiffuß), mithin sind die Affen so gut wie die Menschen Zweihänder (und bilden so zusammen mit letztern die Gruppe der Primaten oder Bimanen). Man hat nur dann ein Recht darauf, sie als Vierhänder zu bezeichnen, wenn man die Hand ausschließlich physiologisch, nämlich nur in ihrer Wirksamkeit, betrachtet und so das Wort "Hand" als "handartiges Greiforgan" definiert, ohne darauf Rücksicht zu nehmen, ob Bau und Beziehungen zum Rumpf auch denen der menschlichen Hand entsprechen. Der Streit über die Vier- oder Zweihändigkeit des Affen ist also nur auf Grund der erwähnten Verschiebung der Begriffe möglich und erledigt sich mit einer Klarstellung derselben ohne weiteres. Übrigens haben auch die Halbaffen sowie gewisse (kletternde) Beuteltiere zwei Greiffüße. - Im Maschinenwesen heißen D. (auch Däumlinge, Frösche, Kämme oder Wellfüße) die aus dem Umfang einer Welle (Daumenwelle) schief herausstehenden Keile, durch welche beim Umdrehen der Welle in senkrechten Führungen gehende Stangen (z. B. die Pochstempel der Pochwerke) um so viel gehoben oder Hebel (z. B. die Stiele von Helmhämmern) um eine Achse so weit gedreht werden, bis sie über den äußersten Punkt der D. hinweggegangen sind und nun unter der Einwirkung der Schwere oder der Kraft einer Feder in ihre ursprüngliche Lage zurückfallen, um von dem nächsten D. in derselben Weise erfaßt zu werden.

Daumer, Georg Friedrich, Dichter und philosoph. Schriftsteller, geb. 5. März 1800 zu Nürnberg, eine reichbegabte, aber exzentrische, das ganze Leben lang zwischen Gegensätzen hin und herschwankende Natur, warf sich anfangs als Student zu Erlangen dem Pietismus, dann der Schellingschen Philosophie in die Arme und ging als Professor am Gymnasium zu Nürnberg (seit 1822) und, nach der wegen Kränklichkeit erfolgten Niederlegung seines Amtes, als Privatgelehrter zur entschiedensten Polemik gegen das Christentum, das er ganz von der Erde verdrängt wissen wollte, seit 1859 aber zum ultramontanen Katholizismus über, zu dessen extremsten Vorkämpfern er zählte. Er starb 14. Dez. 1875 in Würzburg. Von seinen zahlreichen Schriften gehören "Die Urgeschichte des Menschengeistes" (Berl. 1827) und "Andeutungen eines Systems spekulativer Philosophie" (Nürnb. 1831) seiner philosophischen, mehrere kleinere unter dem Namen Amad. Ottokar erschienene sowie die folgenden: "Philosophie, Religion und Altertum" (das. 1833), "Züge zu einer neuen Philosophie der Religion und Religionsgeschichte" (das. 1835), "Der Feuer- und Molochdienst der Hebräer" (Braunschw. 1842) und "Die Geheimnisse des christlichen Altertums" (Hamb. 1847, 2 Bde.), seiner antitheologischen Richtung an. In den letztern suchte er zu beweisen, daß die Hebräer in der ältesten Zeit und auch die Christen in den ersten Jahrhunderten Menschen geopfert hätten. An die Stelle des Christentums sollte eine "Religion der Liebe und des Friedens" treten, die er in dem Werk "Religion des neuen Weltalters" (Hamb. 1850, 3 Bde.) zu konstruieren suchte. Aus seiner dritten Periode stammen: "Meine Konversion" (Mainz 1859); "Aus der Mansarde" (das. 1860-62, 6 Hefte); "Das Christentum und sein Urheber" (das. 1864); "Christina Mirabilis und Joseph von Copertino, als Vorläufer einer neuen künftigen Menschengattung" (Paderb. 1864); "Aphorismen über Tod und Unsterblichkeit" (Leipz. 1865); "Das Geisterreich in Glauben, Vorstellung, Sage und Wirklichkeit" (das. 1867, 2 Bde.); "Das Wunder, seine Bedeutung, Wahrheit und Notwendigkeit" (gegen Frohschammer, Strauß u. a., Regensb. 1874). Als Dichter hat sich D. durch "Bettina" (Nürnb. 1837), eine metrische Umschreibung einzelner Stellen aus dem "Briefwechsel Goethes mit einem Kind", die unter dem Pseudonym Eusebius Emmeran veröffentlichte "Glorie der heiligen Jungfrau Maria" (das. 1841), insbesondere aber durch die Gedichtsammlungen: "Mahomet" (Hamb. 1848) und die "Liederblüten des Hafis" (das. 1846-51, 2 Sammlungen), graziöse Nachdichtungen, die in freien Variationen den echten Geist des Originals atmen, einen bleibenden Platz in der Geschichte deutscher Dichtung verschafft. Außerdem hat er "Frauenbilder und Huldigungen" (Leipz. 1853, 2. Aufl. 1858), "Polydora, ein weltpoetisches Liederbuch" (Frankf. 1855, 2 Bde.), "Marianische Legenden und Gedichte" (Münst. 1859), "Schöne Seelen. Ein Legenden- und Novellensträußchen" (Mainz 1862), auch eine Reihe von Mitteilungen über Kaspar Hauser, der in seinem Haus lebte (Nürnb. 1832, Frankf. 1859 u. Regensb. 1873), veröffentlicht.

Daumier (spr. domjeh), Honoré, franz. Zeichner und Karikaturist, geb. 26. Febr. 1808 zu Marseille, machte sich durch die von ihm im "Charivari" erschienene Reihenfolge des "Robert Macaire" zuerst einen Namen. Seine Darstellungen haben die possierlichen und lächerlichen Szenen und Vorfälle des Tags, Albernheiten an merkwürdigen Leuten, die Kehrseiten von großen Dingen, Modethorheiten zum Gegenstand. Die komische Seite des gemeinen Spießbürgerlebens und das Lächerliche der individuellem Natur wußte D. scharf und kräftig, ja sogar oft brutal auszudrücken. Bemerkenswert sind in dieser Beziehung: "Bons bourgeois", "Pastorales", "Locataires et propriétaires", "Les papas", "Les beaux jours de la vie" und seine "Représentants représentés", eine Sammlung Karikaturporträte von etwa 100 Repräsentanten der Konstituante und Legislative, sowie auch seine "Idylles parlementaires", Meisterstücke des drastischen politisch-satirischen Witzes, welche an die beste Zeit der griechischen Komödie erinnern. Die beiden letztern sind Früchte der 48er Revolution. Er starb 10. Febr. 1879 in Valmondois.