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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Daunus; Dauphin; Dauphiné

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Daunus - Dauphiné.

sammlung als Gerichtshof im Prozeß Ludwigs XVI. und trug auf Gefangenschaft des Königs während des Kriegs, dann auf Verbannung an. Dies wie seine Verteidigung der Girondisten gegen die Partei des Bergs brachte ihn ins Gefängnis, aus dem ihn jedoch der Sturz Robespierres 9. Thermidor befreite. Von nun an beteiligte er sich im Konvent an allen Gesetzentwürfen, welche eine neue Organisation des Staats bezweckten, und entwarf namentlich die Konstitution vom Jahr III. Im Rate der Fünfhundert wurde er mit der Organisation der römischen Republik beauftragt, und nach dem 18. Brumaire half er die Konstitution vom Jahr VIII entwerfen. Später trat er in das Tribunal, ward 1801 Bibliothekar des Panthéon, 1804 Direktor des Archivs des Gesetzgebenden Körpers und 1807 des Reichsarchivs. Die Restauration nahm ihm diese Stelle, die Julirevolution gab sie ihm aber zurück, worauf er die Professur der Geschichte niederlegte, die er seit 1819 am Collège de France bekleidet hatte. Seit 1818 Mitglied der Deputiertenkammer, gehörte er in derselben zur liberalen Opposition und wirkte namentlich für den öffentlichen Unterricht. 1834 zog er sich von aller öffentlichen Wirksamkeit zurück und starb kurz nach seiner Ernennung zum Pair 20. Juni 1840. D. war Mitglied und beständiger Sekretär der Akademie der Inschriften und schönen Künste sowie Mitglied der Akademie der moralischen und politischen Wissenschaften. Von seinen zahlreichen Schriften erwähnen wir: "Essai sur l'instruction publique" (Par. 1793); "Essai sur la constitution, etc." (das. 1793), worin die Grundzüge des Gesellschaftsstaats entwickelt werden; "Analyse des opinions diverses sur l'origine de l'imprimerie" (das. 1802) und "Essai historique sur la puissance temporelle des papes" (das. 1810), das Resultat gründlicher Forschung, 1813 auf höhern Befehl vernichtet, erst 1818, freilich mit Abänderungen, und zuletzt 1828 (das., 4 Bde.) wieder abgedruckt. D. besorgte auch eine vollständige Ausgabe von Rulhières "Histoire de l'anarchie de Pologne" (Par. 1807, 4 Bde.) und die beste Ausgabe der Werke Boileaus wie der Schriften Chéniers und Laharpes. Sein Hauptwerk ist der "Cours d'études historiques" (Par. 1842-49, 20 Bde.). Seit der Restauration war er Hauptredakteur des "Journal des Savants", und in der letzten Zeit beschäftigte er sich mit der Herausgabe französischer Geschichtschreiber in der Sammlung von Bouquet. Vgl. Taillandier, Documents biographiques sur D. (2. Aufl., Par. 1847).

Daunus, s. Daunia.

Dauphin (franz., spr. dofäng, lat. Delphinus), ursprünglich und zwar seit dem Grafen Guigo IV. von Viennois (1140), der einen Delphin als Schildzeichen geführt haben soll, Herrschertitel der Grafen von Vienne, der souveränen Herren der Dauphiné in Frankreich, später Titel des präsumtiven Thronerben von Frankreich. Humbert II. vermachte nämlich 1349 die Dauphiné an Karl von Valois, den Enkel Philipps VI. von Frankreich, unter der Bedingung, daß der älteste Sohn des Königs stets diesen Titel führen sollte (s. Dauphiné). Noch unter Ludwig XI. hatte der D. bedeutende, fast souveräne Rechte; später sank die Würde zum bloßen Titel herab, bis nach der Julirevolution auch dieser abgeschafft wurde. Der letzte, welcher ihn führte, war der Herzog von Angoulême, ältester Sohn Karls X. Die Gemahlin des Dauphins hieß Dauphine. Auch die Grafen von Auvergne führten früher den Titel D., wenigstens vom Grafen Wilhelm VIII. im 12. Jahrh. an. Zum Gebrauch für den Unterricht des Dauphins ließ Ludwig XIV. unter der Aufsicht des Gouverneurs desselben, des Herzogs von Montausier, von Bossuet und Huet, den Lehrern des Dauphins, eine Ausgabe der römischen und griechischen Klassiker (in usum Delphini) besorgen, die mit Ausnahme des Ovid, der zu Lyon gedruckt wurde, in 64 Quartbänden zu Paris 1674-1730 erschien, und in welcher alle sogen. anstößigen Stellen beseitigt waren.

Dauphiné (spr. dofi-, Delphinatus), ehemalige Provinz Frankreichs im Gebiet der Westalpen, umfaßt die heutigen Departements Isère, Drôme und Oberalpen und wird im O. von den Alpen, im S. von der Provence, im N. und W. von dem Rhône begrenzt und von drei Nebenflüssen des letztern, der Isère, Drôme und Durance, durchströmt. Sie zerfällt in die gebirgige Oberdauphiné im O. und die Niederdauphiné im W. (vgl. sonst die einzelnen Departements). In der Oberdauphiné hat sich manche alte Volkseigentümlichkeit in Sitten und Gebräuchen erhalten. In der Volkssprache ist, was die Hochlande anlangt, das keltische Element vorherrschend, wogegen das Flachland sich mehr zu dem romanischen Idiom hinneigt; doch sind in beiden verschiedene Unterdialekte bemerkbar. Hauptstadt war Grenoble. Die sogen. sieben Wunder der D. sind: der Mont inaccessible (der unersteigliche Berg) oder Mont aiguille (Nadelberg), die Grotte von La Balme, der Tour sans venin (Turm ohne Gift), die Fontaine ardente (der brennende Brunnen), die Höhlen von Sassenage, die Fontaine vineuse, deren Wasser wie Wein schmeckt, und die zitternde Wiese von Gap. Abgesehen von den beiden erstgenannten, haben die übrigen "Wunder" nichts Wunderbares. - Die D., einst das Gebiet der Allobroger, bildete sich als Lehnsfürstentum des arelatischen Königreichs durch die Vereinigung mehrerer Lehen mit der Grafschaft Vienne oder Albon, deren Besitzer den Titel Dauphin führten. Die Dynastie der Grafen von Albon herrschte von 1063 an. Mit Guigo VI., der ein eifriger Anhänger Kaiser Friedrichs I. war, starb gegen Ende des 12. Jahrh. diese Dynastie aus. Seine Erbtochter Beatrix heiratete in zweiter Ehe den Herzog Hugo von Burgund. Ihr Sohn Guigo VII. Andreas (gest. 1237) eröffnete die zweite Dynastie. Ihm folgte sein Sohn Guigo VIII., der mit Karl von Anjou, welcher auf sein Land Ansprüche machte, viele Händel hatte und 1269 starb. Das Bestreben der Dauphins, die Landeshoheit zu erringen, blieb zwar wegen der Macht der fünf Bischöfe des Landes teilweise vergeblich; doch erfreuten sie sich fast durchgehends der Gunst der deutschen Kaiser, bei denen sie das Seneschallamt des arelatischen Reichs bekleideten. Mit Guigos VIII. Sohn Johann, dem dritten Dauphin aus dem burgundischen Hause, starb diese Dynastie 1281 wieder aus. Ihm folgte seine Schwester Anna, Gemahlin des Grafen Humbert I. von Latour du Pin, dessen Sohn Johann II. Stifter der dritten Dynastie wurde. Sein Bruder Humbert II. schloß 1335 mit Savoyen Frieden, ordnete die Rechtspflege in der D. und vergrößerte ihr Gebiet. Nachdem er aber 1335 durch einen Sturz aus dem Fenster seinen einzigen ehelichen Sohn verloren, trat er sein Land 1349 gegen eine Jahresrente von 120,000 Goldgulden an Karl von Valois, nachmaligen König Karl V., ab unter der Bedingung, daß der jedesmalige französische Thronerbe den Titel "Dauphin" nebst dem dazu gehörigen Wappen führen, daß das Land seine Integrität und seine zu dem Ende von dem abtretenden Herrscher noch besonders bestätigten Freiheiten behalten und nie dem französischen Reich völlig einver-^[folgende Seite]