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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: David

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David.

Brüssel und einige auch in Paris aus, war aber nicht dazu zu bewegen, auf dem Weg der Bitte die Gnade des Königs von Frankreich zu gewinnen. D. starb 29. Dez. 1825 in Brüssel. Seine letzten größern Gemälde, die jedoch seine alternde Hand und abnehmende Energie deutlich verraten, sind: der Zorn des Achilles (1819), Mars von Venus und den Grazien entwaffnet, Amor und Psyche und der Abschied der Nymphe Eucharis von Telemach (1820). D. hat über 400 Schüler herangebildet, unter denen Gros, Gérard, Drouais, Girodet, Ingres, Abel de Pujol und Drolling die bedeutendsten sind, und einen bis auf die Gegenwart reichenden Einfluß auf die moderne französische Malerei geübt. Auch hat er den Grund zu der gediegenen technischen Bildung gelegt, welche einen Hauptvorzug der französischen Schule ausmacht. Ein eigentlich schöpferisches Talent war er jedoch nicht. Nur in einigen von seiner antikisierenden Richtung unabhängigen, auf naturalistische Auffassung gegründeten Bildnissen hat er Dauerndes geschaffen, während im übrigen seine Bedeutung eine historische ist. Vgl. J. L. ^[Jacques Louis] Jules David (Davids Enkel), Le peintre Louis D. Souvenirs et documents inédits (Par. 1880, mit Kupferwerk).

5) Christian Georg Nathan, dän. Journalist und Staatswirtschaftslehrer, geb. 16. Jan. 1793 zu Kopenhagen von jüdischen Eltern, studierte auf der Universität seiner Vaterstadt und wurde 1830 zum Professor der Staatswirtschaft ernannt. 1834 begründete er, nach Einführung der Provinzialstände, das der innern Politik gewidmete Journal "Fädrelandet", ward aber schon nach wenigen Monaten angeklagt, Unzufriedenheit mit der Regierung des Königs gezeigt und die absolutistisch-monarchische Regierung überhaupt getadelt zu haben. Zwar ward er von der Anklage freigesprochen, jedoch von seinem Lehrstuhl entfernt. Seine Zeitschrift setzte er trotzdem fort. 1839 unternahm er eine wissenschaftliche Reise nach England und ward 1840 zum Bürgerrepräsentanten in Kopenhagen und zum Deputierten der ständischen Versammlung in Roeskilde ernannt. Seit 1841 Mitglied des Rats in Kopenhagen und der Kommission für das Gefängniswesen, bereiste er 1841 und 1842 auf königliche Kosten England, Belgien, Frankreich, die Schweiz und Deutschland, um das Gefängniswesen dieser Staaten kennen zu lernen. Von 1841 bis 1843 gab er ein "Nyt statsœkonomisk Archiv" heraus. 1848 wurde er in den konstituierenden Reichstag gewählt, reichte aber eine schriftliche Erklärung ein, in welcher er sich entschieden gegen dieses Repräsentativsystem aussprach. Doch war er auch auf den spätern Reichstagen, namentlich dem von 1851 bis 1852, thätig und stand namentlich der Partei der "Bauernfreunde" als Vertreter der Hauptstadt gegenüber. Nachdem er seit 1849 als Oberinspektor des Gefängniswesens fungiert hatte, übernahm er 1854 die Direktion des Statistischen Büreaus sowie 1858 die der Bank. 1864-65 war er Finanzminister. Er starb 18. Juni 1874.

6) Johannes Baptista, einer der gelehrtesten und um die niederdeutsche Sprachkunde verdientesten Vlämen, geb. 25. Jan. 1801 zu Lier, war 1822-25 und 1830-31 Professor am Kleinen Seminar zu Mecheln, dann Direktor des Kollegiums daselbst und seit 1834 Professor der belgischen Geschichte und vlämischen Litteratur an der katholischen Hochschule zu Löwen, wo er 24. März 1866 als Ehrendomherr von Mecheln, Mitglied der belgischen und andrer Akademien und Präsident der Gesellschaft "Med tyd en vlyt" starb. Außer seinen sprachlichen Lehrbüchern ("Eenige regels over de vlaemsche taal", Mecheln 1823; "Nederduitsche spraekkunst", 3. Aufl., das. 1839, 2 Bde.; "Eerste beginselen der nederduitsche spraekkunst", 10. Aufl. 1858, u. a.) und pädagogisch-litterarischen Zeitschriften ("De Middelaer", 1840-43; "De School- en Letterbode", 1844-45) gab er eine Übersetzung der "Nachfolge Christi", Bilderdijks "De geestenwareld en het waerachtig Goed" (Löwen 1843) und "De ziekte der geleerden" (2. Aufl., das. 1854) sowie die "Rymbybel van Jakob van Maerlant" (Brüssel 1858) mit Einleitung und Anmerkungen (letztere auch mit Glossar) heraus und verfaßte mehrere bedeutende historische Werke, von denen besonders die "Vaderlandsche historie" (Löwen 1842-1864, 10 Bde.) und "Geschiedenis van de stad en heerlykheid van Mechelen" (das. 1854) zu nennen sind. Ein nachgelassenes Werk: "Nederlandsche gedichten met taal- en letterkundige aanteekeningen", erschien Löwen 1869.

7) Félicien César, Komponist, geb. 13. April 1810 zu Cadenet im Departement Vaucluse, erhielt seinen ersten musikalischen Unterricht als Chorknabe der Kirche St.-Sauveur zu Aix (Provence) und seine wissenschaftliche Ausbildung im dortigen Jesuitenkollegium, widmete sich aber bald ausschließlich der Musik und erhielt im Alter von 19 Jahren die Kapellmeisterstelle an der genannten Kirche. Allein schon ein Jahr später (1830) gab er diese Stellung wieder auf, um nach Paris zu gehen, wo er im Konservatorium unter Fétis' Leitung Komposition studierte. Um diese Zeit wußte die Sekte der Saint-Simonisten den jungen Musiker an sich zu ziehen, und bald war er einer der begeistertsten Anhänger des Père Enfantin. Als sich die Brüderschaft 1832 nach Ménilmontant zurückzog, schied D. aus dem Konservatorium und war einer der 40 Genossen, welche in den dort gefundenen Asyl einen festen Sitz des neuen Glaubens zu gründen versuchten. Die Chöre, die er hier als Organist der Gesellschaft schrieb, wurden von den Brüdern gern gesungen, ohne jedoch über die Mauern der Stiftung hinauszudringen. Als sich die Gemeinde der Saint-Simonisten zu Anfang des Jahrs 1833 auflösen mußte, wandten sich mehrere Mitglieder derselben, unter ihnen D., nach Konstantinopel, wurden aber hier verhaftet und schließlich nach Smyrna gebracht, von wo sie weiter nach Ägypten reisten. Mit einem Genossen (Barrault) zog D. weiter nach Kairo, wo er (wie früher in Smyrna) den Lebensunterhalt für sich und seinen Gefährten durch Unterricht erwarb. Von hier ging D. allein nach Oberägypten, kehrte jedoch nach Ausbruch der Pest über Beirut nach Paris zurück, wo er 1835 anlangte. Während der folgenden Jahre machte er wiederholt den Versuch, die Aufmerksamkeit des Publikums auf seine Kompositionen zu lenken, indessen jedesmal ohne Erfolg, bis er 1844 mit der Symphonie-Ode "Le Désert" ("Die Wüste") auftrat, deren Aufführung im Pariser Konservatorium den bis dahin unbeachtet gewesenen Komponisten alsbald zur musikalischen Berühmtheit und zum Helden des Tages machte. Dies Werk, in welchem D. seine Reiseeindrücke in Tönen schilderte und dabei einer von seinem Reisegefährten Colin (gleichfalls Saint-Simonist) verfaßten Dichtung folgte, zählt bei dem Reichtum und der Originalität seiner Erfindung sowie hinsichtlich der wirksamen Verwendung der vokalen und instrumentalen Mittel zu den wertvollsten Erzeugnissen der von Berlioz in Frankreich eingeführten sogen. Programmmusik. Durch den Pariser Erfolg aufgemuntert, trat D. 1845 eine Rundreise ins