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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Davoût; Davus sum, non Oedĭpus; Davy

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Davoût - Davy.

nis an. Über D. als klimatischen Kurort vgl. die Schriften von Spengler (Bas. 869), Waters (das. 1871), Ramann (2. Aufl., das. 1876) und Riemer (Leipz. 1879).

Davoût (spr. dăwu, Davoust), 1) Louis Nicolas D., Herzog von Auerstädt, Fürst von Eggmühl, franz. Marschall, geb. 10. Mai 1770 zu Annoux (Yonne) aus einer angesehenen adligen Familie, war in Brienne Mitschüler Bonapartes und ward 1788 Leutnant in einem Kavallerieregiment. Der Revolution schloß er sich mit Begeisterung an und ward 1791 Chef eines Freiwilligenbataillons. In den Schlachten von Jemappes und Neerwinden focht er unter Dumouriez mit Auszeichnung und erließ bei Dumouriez' Abfall eine energische Proklamation an die Armee. Im Juli 1793 ward er zum Brigadegeneral ernannt, durch das Dekret aber, welches alle ehemaligen Adligen aus der Armee ausschloß, genötigt, seine Entlassung zu nehmen. Nach dem 9. Thermidor trat er mit seinem vorigen Rang bei der Moselarmee ein, focht 1795 unter Pichegru in der Rheinarmee, geriet beim Fall von Mannheim in Gefangenschaft, ward aber nach einigen Monaten wieder ausgewechselt und zeichnete sich unter Moreau bei dem Übergang über den Rhein (20. April 1796) aus. Dann focht er in Italien unter Bonaparte, den er auch nach Ägypten begleitete. Dort gewann er als Kavalleriegeneral dessen Vertrauen und ward nach seiner Rückkehr 1800 zum Divisionsgeneral und zum Oberbefehlshaber der Kavallerie der italienischen Armee, nach der Schlacht bei Marengo zum Chef der Grenadiere der Konsulargarden, nach Napoleons I. Thronbesteigung aber zum Marschall von Frankreich und Befehlshaber der kaiserlichen Garde ernannt. Im Oktober 1805 befehligte er das 3. Korps der Armee in Österreich und führte in der Schlacht von Austerlitz den rechten Flügel derselben. Im Oktober 1806 operierte er mit dem rechten Flügel selbständig und schlug das preußische Hauptheer 14. Okt. bei Auerstädt. Deshalb zum Herzog von Auerstädt erhoben, nahm er noch an den Schlachten bei Eylau, Heilsberg und Friedland teil und ward zum Generalgouverneur des Großherzogtums Warschau ernannt. In dem neuen Krieg mit Österreich 1809 siegte er 22. April bei Eggmühl, befehligte in der Schlacht bei Wagram den rechten Flügel und trug hier durch seine Umgehung des Feindes zur Entscheidung wesentlich bei. Nach dem Frieden erhob ihn Napoleon zum Fürsten von Eggmühl und 1811 zum Generalgouverneur des Departements der Elbmündungen. Im russischen Feldzug befehligte er das 1. Korps, schlug 23. Juli 1812 Bagration bei Mohilew und bewirkte durch geschickte Bewegungen in der Schlacht von Witebsk (27. Juli), daß das Korps des Generals Doctorow von den Truppen Bagrations und der Westarmee unter Barclay de Tolly abgeschnitten und fast aufgerieben wurde. Nach dem unglücklichen Rückzug organisierte er seine Truppen in Sachsen und wandte sich dann nach der untern Elbe. Am 31. Mai 1813 rückte er in die bis dahin von General Tettenborn besetzte Stadt Hamburg ein und legte ihr zur Züchtigung für ihren Abfall von Frankreich sogleich eine Geldbuße von 48 Mill. Frank auf, welche Summe er auch zum großen Teil mit erbarmungsloser Strenge eintrieb. Am 5. Nov. ließ er die Bank mit einem Kassenbestand von 7,489,343 Mk. Bko. in Beschlag nehmen, gegen Ende des Jahrs mehr als 20,000 Menschen aus der Stadt treiben und die Wohnungen von mehr als 8000 niederbrennen, nachdem er schon vorher mehrere Unruhige mit dem Tod bestraft hatte. So grausam dies Verfahren, so militärisch trefflich war seine Verteidigung gegen die Alliierten, die ihn von allen Seiten einschlossen und belagerten. Erst 31. Mai 1814 übergab er auf Befehl Ludwigs XVIII. und nachdem seine Streitkräfte durch Krankheiten und Mangel dezimiert worden waren, die Stadt. Nach der Rückkehr Napoleons 1815 ward er Kriegsminister. Als nach dem Sieg bei Waterloo die Verbündeten gegen Paris vorrückten, schloß er, von den Kammern zum Oberbefehlshaber ernannt, 3. Juli eine Militärkonvention mit Blücher und Wellington ab, nach welcher er die französische Armee hinter die Loire führte, wo er sich 14. Juli Ludwig XVIII. unterwarf, auch die Armee dazu aufforderte und das Kommando dem Marschall Macdonald übergab. 1819 zum Pair von Frankreich erhoben, starb er 1. Juni 1823. D. war ein vortrefflicher Soldat und Feldherr, ehrlich, treu, gewissenhaft, uneigennützig, streng gegen sich und andre, ein vortrefflicher Gatte und Familienvater. Seine Handlungsweise bei der Verteidigung Hamburgs rechtfertigte er in einem "Mémoire des Marschalls D. an Ludwig XVIII." (Hamb. 1814). Vgl. Chenier, "Histoire de la vie du maréchal D." (Par. 1866); Marquise Blocqueville (Davoûts Tochter), Le maréchal D., prince d'Eckmühl, raconté par les siens et par lui-même (das. 1879-80, 3 Bde.); E. Montégut, Le maréchal D. (das. 1882); "Correspondance du maréchal D. 1801-15" (hrsg. von Mazade, das. 1885, 4 Bde.).

2) Léopold Claude Etienne Jules Charles D., Herzog von Auerstädt, franz. General, geb. 9. Aug. 1829, Großneffe des vorigen, dessen Herzogstitel nach Erlöschen von dessen direkten Nachkommen (1853) von Napoleon III. 1864 auf ihn übertragen wurde, trat 1847 in die Schule von St.-Cyr und ging von da als Leutnant in die Infanterie des französischen Heers über, in welcher er 1856 zum Kapitän und 1859 zum Major befördert wurde. 1870 zum Obersten ernannt; befehligte er im deutsch-französischen Krieg das 11. Infanterieregiment und geriet in deutsche Kriegsgefangenschaft. Aus derselben zurückgekehrt, nahm er an den Kämpfen gegen die Pariser Kommune teil und erwarb sich die besondere Gunst von Thiers, der ihn schon 1871 zum Brigadegeneral ernannte. Er befehligte zuerst eine Infanterie-, dann eine Artilleriebrigade, ward 1877 zum Divisionsgeneral und Kommandeur der 13. Division im 7. Armeekorps befördert und 24. Jan. 1879 vom Kriegsminister Gresley zum Chef des Großen Generalstabs berufen. Im August 1880 übernahm er das Kommando des 10. Armeekorps in Rennes. Er veröffentlichte 1870 ein "Projet de réorganisation militaire".

Davus sum, non Oedĭpus (lat.), Sprichwort aus Terenz: "Ich bin Davus (im römischen Lustspiel Name eines beschränkten Kopfes) und nicht Ödipus (der Löser des Rätsels der Sphinx)", d. h. ich bin kein Meister im Erraten.

Davy (spr. dehwi), Sir Humphry, Chemiker, geb. 17. Dez. 1778 zu Penzance in Cornwall, war seit 1795 Lehrling bei einem Wundarzt, welcher zugleich die Apothekerei betrieb, und kam dann als Gehilfe zu Beddoes in Bristol, der ihn 1798 in seiner medizinischen Anstalt (Pneumatic Institution) beschäftigte. Davys erste Arbeit betraf das Stickstoffoxydul, welches Beddoes als Heilmittel benutzte. Im J. 1801 ward er Hilfslehrer und 1802 Professor der Chemie an der Royal Institution in London, auch hielt er Vorlesungen am Board of Agriculture. 1812 erhielt er die Ritterwürde, und 1820-27 fungierte er als Präsident der Royal Society. Er starb 29. Mai 1829