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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Debauche - Debra Tabor.

gen der Kommissionen (Ausschüsse) der parlamentarischen Körperschaften sind im wesentlichen dieselben Grundsätze wie für die D. in den Plenarverhandlungen maßgebend, nur daß jene nicht wie die letztern der Regel nach öffentlich sind.

Debauche (franz., spr. debohsch), Ausschweifung; debauchieren, ausschweifen, ein wüstes Leben führen, verführen, besonders im militärischen Sinn früher s. v. w. zur Desertion verleiten; debauchant, ausschweifend, verführerisch; Debaucheur, Schwelger, Wüstling.

Debellieren (lat.), völlig besiegen, überwältigen; Debellation, Überwältigung, völlige Unterwerfung und folgeweise Einverleibung eines Staats in das Gebiet der siegreichen Macht.

De Belloy (spr. -lŏa), Pierre Laurent, eigentlich Buirette, franz. Tragiker, geb. 17. Nov. 1727 zu St.-Flour, wendete sich wider den Willen seines Oheims, eines berühmten Pariser Advokaten, der dramatischen Kunst zu und trat unter dem Namen D. in Rußland als Schauspieler auf. Im J. 1758 ging er nach Paris zurück, um seine Tragödie "Titus" zur Aufführung zu bringen, die aber vollständig durchfiel. Mehr Erfolg hatte seine "Zelmire" (1760), wie die vorige eine Nachahmung des Metastasio. Den entschiedensten Beifall aber fand "Le siège de Calais" (1765), obwohl sich viele Geschmacklosigkeiten, schlechte Verse und Anachronismen darin finden. Es war aber ein nationales Stück, welches in der Zeit der politischen Ohnmacht die Ehre des französischen Namens und den Ruhm der französischen Waffen in jedem Vers pries. In ähnlicher Weise wurden in "Gaston et Bayard" (1771) hauptsächlich die nationalen Helden gefeiert. Der Erfolg dieser beiden Stücke verschaffte ihm 1771 die Aufnahme in die Akademie. Weniger gelang die Schilderung der Leidenschaften in "Gabrielle de Vergy" (1772), der die Geschichte der Dame von Fayel zu Grunde liegt. "Pierre le Cruel" (1772), aus der spanischen Geschichte, ist eins seiner schwächsten Stücke. D. starb 5. März 1775. Außer den Tragödien hat er "Fragments historiques", "Poésies fugitives", "Observations sur la langue et la poésie françaises" herausgegeben. Seine "Œuvres" erschienen 1779 und 1787 in 6 Bänden.

Debént (lat.), Schuldner.

Debentūr (lat.), zurückzuzahlender Zollvorschuß; Empfangschein, Quittung.

Dēbet (lat., "er schuldet"; in der Mehrzahl: Debent), in der Buchhaltung gebräuchliche Überschrift derjenigen Blattseite eines Kontos, auf welcher die dasselbe belastenden Beträge verzeichnet sind (im Gegensatz zu Credit, "er hat gut"), in neuerer Zeit mehr und mehr durch das deutsche "Soll" (Mehrzahl: "Sollen") verdrängt. Vgl. Buchhaltung.

Debilität (lat.), Schwäche, Kraftlosigkeit.

Debir, das Allerheiligste (hebr. Kodesch, Kodaschim) des Salomonischen Tempels.

Debit (franz., spr. -bih), der Vertrieb, der Verkauf einer Ware; daher Debitant, besonders derjenige, der eine Ware im kleinen an die Konsumenten verkauft (debitiert, in Österreich: verschleißt), im Gegensatz zu dem Fabrikanten, der jenem die Ware in Kommission gibt. In der französischen Kaufmannssprache ist Debit außerdem s. v. w. Debet (s. d.), daher debitieren auch s. v. w. belasten, eine Summe jemand zur Last schreiben.

Debitkommissionen (lat.), von den vormaligen deutschen Reichsgerichten in Schuldsachen der Reichsstände ernannte Kommissionen, die mit Untersuchung des Vermögensbestandes, gütlicher Verhandlung und Administration des Konkurses beauftragt waren.

Debitmasse, s. v. w. Konkursmasse.

Debĭtor (lat.), Schuldner.

Debitum (lat.), Schuld, Schuldigkeit; d. conjugale, eheliche Pflicht; d. feudale, Lehnspflicht; d. proprium, eigne im Gegensatz zur fremden Schuld (d. alienum).

Debitverfahren, Konkursprozeß.

Debitwesen, s. Schuldenwesen. ^[richtig: Schuld.]

Deblockieren (debloquieren, franz.), die Blockade eines Platzes aufheben, ihn entsetzen; in der Buchdruckerei einen in Ermangelung des rechten einstweilen verkehrt eingesetzten (blockierten) Buchstaben mit dem richtigen vertauschen.

De Boni, Filippo, ital. Schriftsteller, geboren um 1820 zu Feltre im Venezianischen als Sohn armer Eltern, mußte frühzeitig das geistliche Kleid anlegen, verließ aber bald den Priesterstand wieder und trat als Hauslehrer in eine adlige Familie zu Venedig, von wo er sich nach Florenz begab. 1846 zur Flucht genötigt, ließ er sich in Lausanne nieder, wo er seine bekannten republikanischen Flugblätter "Così la penso" herausgab. Während der Revolution von 1848 finden wir ihn in Mailand als Redakteur der von Mazzini gegründeten "Italia del Popolo" thätig. Nach dem Wiedereinzug der Österreicher ging er nach Toscana, sodann nach Rom, wo ihn die dortige Republik zum Gesandten in der Schweiz ernannte. Der Sturz der Republik in Rom verhinderte seine Rückkehr ins Vaterland. Er nahm teil an der bekannten "Tipografia elvetica" in Capolago und hielt sich dann in Zürich auf, wo er kärglich von den Berichten über europäische Verhältnisse lebte, welche er für die "Tribuna" in Buenos Ayres schrieb. 1859 endlich ins Vaterland zurückgekehrt, trat er 1860 ins Parlament, wo er stets der Linken angehörte und keine Gelegenheit vorübergehen ließ, um gegen das Papsttum zu kämpfen. Er starb 7. Nov. 1870 in Florenz. Seine Hauptschriften sind folgende: "Gli Eccelini e gli Estensi. Storia del secolo XIII" (Vened. 1841, 3 Bde.); "Voci dell' anima" (Lausanne 1846); "Sull' arte e sugl' artisti italiani" (Flor. 1844); "Domenico Veneziano e Andrea del Castagno", Drama (Turin 1851); "La chiesa romana e l'Italia" (Mail. 1863); "L'inquisizione e i Calabro-Valdesi" (das. 1864); "Ragione e dogma" (Siena 1866); "Dell' incredulità degl' Italiani nel medio evo" (Mail. 1868).

Debōrah, israelit. Prophetin, Richterin und Heldin, Frau des Lapidoth, welche auf dem Gebirge Ephraim Recht sprach, warf im Verein mit Barak, dem Sohn Abinoams, das bereits 20 Jahre schwer auf Israel lastende Joch des kanaanitischen Königs Jabin von Hazor ab. Deborahs und Baraks Siegeslied, ein wertvolles Überbleibsel der althebräischen Volkspoesie, findet sich im Buch der Richter 5.

Debordieren (franz.), austreten, von Flüssen die Ufer überschwemmen; im Kriegswesen den Gegner überflügeln; Debordement, Überschwemmung; Ausschweifung, Zügellosigkeit.

Debouchee (franz. débouché, spr. -buhschē), der Ausgang aus einer Schlucht, einem Defilee etc.; daher debouchieren, im Kriegswesen s. v. w. aus einem Defilee hervortreten, worauf dann die Truppe aus der Marschkolonne zum Gefecht aufmarschieren kann.

Deboursieren (franz., spr. -burss-), auslegen, vorschießen; Debours oder Deboursement, Auslage.

Debra Tabor, Landschaft im nördlichen Abessinien (Amhara), in welcher auf dem 2496 m hohen Hügel Samara sich die prächtige Residenz des