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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Decazeville - Dechamps.

Decazeville (spr. dökahs'wil), Stadt im franz. Departement Aveyron, Arrondissement Villefranche, an der Orléansbahn, mit (1876) 5968 Einw., Bergbau auf Eisen und Kohlen und großartigen Eisenwerken, welche 3000 Arbeiter beschäftigen und jährlich im Durchschnitt 30,000 Ton. Roheisen produzieren. Die Eisenwerke wurden 1827 von Herzog Decazes gegründet, nach welchem der Ort den Namen führt.

Deccan, Land, s. Dekhan.

Decebălus, König der Dacier zur Zeit der Kaiser Domitianus und Trajanus, gelangte durch die freiwillige Abdankung des Königs Duras zur Herrschaft. Er begann einen Krieg gegen die Römer (86-88 n. Chr.), schlug den Oppius Sabinus, Domitians Statthalter in Mösien, und eroberte einen großen Teil dieser Provinz. Zwar drang später Cornelius Fuscus, Oberster der kaiserlichen Leibwache, mit einem großen Heer wieder über die Donau vor; doch auch er unterlag, und Domitian, zugleich von den Quaden bedrängt, sah sich trotz eines Siegs seines Feldherrn Julian bei Tapä endlich genötigt, mit D. einen schmählichen Frieden zu schließen und in demselben den Daciern einen Tribut zu bewilligen. Trajan aber begann 101 den Krieg von neuem, der 102 mit D.' Unterwerfung endete. Doch schon 104 versuchte D. das römische Joch abzuwerfen; allein durch Trajan, welcher über die Donau beim jetzigen Orsova eine auf steinernen Pfeilern ruhende Brücke schlug, ins Innere des Landes gedrängt, zuletzt auch seiner Hauptstadt Sarmizegetusa beraubt, gab er sich den Tod. Sein Kopf wurde nach Rom gebracht, Dacien in eine römische Provinz verwandelt (106). Neuerdings wird vielfach angenommen, daß "D." nicht ein Eigenname sei, sondern "König" oder "Fürst" bedeute.

Decelēa, Demos, s. Dekeleia.

Decem (lat., Dezem), zehn; der Zehnte als Abgabe an Geistliche; seinen D. bekommen, das, was einem gebührt (oft etwas Unangenehmes), bekommen.

Decempĕda (lat.), die zehnschuhige Meßrute der Feldmesser; daher Decempedator, Feldmesser.

Decem primi (lat., "die zehn Ersten") bildeten zu Rom in der ältern Zeit einen Ausschuß des Senats, welcher aus den zehn angesehensten Senatoren bestand. Diesem Muster entsprechend, hatten auch die Munizipien und Kolonien des römischen Reichs in späterer Zeit ihre Senate mit einem Ausschuß der D. p., welcher vor den übrigen Mitgliedern durch den Besitz gewisser Vorrechte ausgezeichnet war. Auch außerdem kommen bei verschiedenen Körperschaften D. p. als Bevorzugte und Vorsteher vor, z. B. bei den Liktoren, Herolden u. a.

Decemviri (lat.), s. Dezemvirn.

Decendĭum (lat.), im römischen Recht eine Frist von zehn Tagen, in welcher gegen ein gefälltes Urteil an das zuständige Obergericht appelliert werden mußte, wenn man den Eintritt der Rechtskraft desselben verhindern wollte. Die Frist wurde nach gemeinem deutschen Recht vom Augenblick der Verkündung des Urteils an gerechnet, während nach den neuern Prozeßordnungen der Tag, an welchem der Rechtsspruch verkündet wurde, bei der Berechnung der Notfrist nicht mitgerechnet ward. Die moderne Gesetzgebung hat das D. (fatale) nicht beibehalten.

Decennium (lat.), Zeitraum von zehn Jahren; daher Decennalia, ein Fest, welches die römischen Kaiser mit Opfern, Spielen und Spenden feierten, so oft zehn Jahre ihrer Regierung vorüber waren. Augustus ging mit dem Brauch voran.

Decentĭus, Vetter oder Bruder des Magnentius, von diesem 351 n. Chr. zum Cäsar ernannt, ward bei der Verteidigung Galliens von dem Alemannenkönig Chnodomar besiegt und tötete sich nach des Magnentius Tod 353 selbst.

Deceptioninsel (spr. dissépsch'n-), eine Insel im südlichen Polarmeer, unter 63° 2' südl. Br. und 60° 45' westl. L. v. Gr., zu Neusüdshetland gehörend, besteht nur aus großen, bis 550 m aufsteigenden Massen von Lava und Asche, die unter ewigem Schnee verborgen liegen, und hat mehr als 150 dampfende Öffnungen und heiße, von Eisbergen umstarrte Quellen. Sie ist nichts andres als ein schmaler, 8 km messender Rand um den jetzt von Meerwasser angefüllten Krater, der den schönen Hafen Foster bildet. Ein vom Kapitän Henry Foster 1829 hier niedergelegtes, 1842 von Smiley wieder aufgefundenes Maximum- und Minimumthermometer registrierte für die 13 Jahre eine Minimumtemperatur von -20,5° C.

De Cesare (spr. tschēssare), Carlo, ital. Nationalökonom und Politiker, geb. 1824 zu Spinazzola in Apulien, studierte die Rechte zu Neapel, trat zuerst als Dichter hervor mit den lyrischen Sammlungen: "Le ore di solitudine" und "Le armonie" sowie mit dem Roman "Il conte di Minervino" (1845). Ihnen folgten die Werke: "Dell' amministrazione della giustizia nel regno delle due Sicilie" (1849); "Delle opere penali di P. Ulloa" (2. Ausg. 1852) und "Intorno alla ricchezza pugliese" (1853). Beteiligt an den revolutionären Bestrebungen von 1849 bis 1853, wurde er eine Zeitlang eingekerkert. Nach der Befreiung Italiens wurde ihm 1860 das Generalsekretariat der Finanzen zu Neapel, 1868 das des Ackerbaues, der Industrie und des Handels übertragen; auch wurde er zu wiederholten Malen ins Parlament gewählt. Gegenwärtig ist er Senator des Königreichs und Rat am obersten Rechnungshof. Von seinen übrigen zahlreichen Schriften, welche den tüchtigen Gelehrten und Denker verraten, haben ein allgemeines Interesse: "Il mondo civile ed industriale nel XIX. secolo" (1857); "Della scienza statistica" (1857); "Dell' educazione alle arti e mestieri" (1859); "Del potere temporale del Papa" (2. Aufl. 1861); "Il passato, il presente e l'avvenire della pubblica amministrazione nel regno d'Italia" (1865); "La Germania moderna" (2. Aufl. 1874); "Le due scuole economiche" (2. Aufl. 1875); "Le nuove storie" (1876) und eine Biographie Scialojas (1879).

Decetia, Stadt, s. Decize.

Dechalandieren (franz., spr. -schalangd-), jemand um seine Kunden bringen, auch Kunden durch unfreundliche Behandlung etc. verscheuchen.

Dechamps (spr. döschāng), Adolphe, belg. Staatsmann, geb. 18. Juni 1807 zu Melle in Ostflandern, bekannte sich früher zu republikanischen Anschauungen, schloß sich aber dann unter dem Einfluß Lamennais' der klerikalen Richtung an. Seine Artikel im Genter "Journal de Flandres" und in der Brüsseler "Emancipation" verschafften ihm 1834 einen Sitz (für Ath) in der Zweiten Kammer, wo er sich besonders bei den Verhandlungen über die Neugestaltung der Gesetze über den höhern Unterricht (1835) und über die Gemeindeverfassung (1836) beteiligte. 1841 wurde D. Gouverneur der Provinz Luxemburg, blieb aber Mitglied der Kammer, in welcher er bei dem Gesetz über den niedern Unterricht (1842) eifrig mitwirkte, und erhielt 1843 das Portefeuille der öffentlichen Arbeiten. Als Minister wirkte er besonders für die Vollendung des großen belgischen Eisenbahnnetzes und war in politischer Hinsicht ein entschiedener Anhänger der damals geltenden sogen. gemischten,