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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Decker; Deckfarben; Deckflügler; Deckgarn; Deckhengst; Deckklärsel; Deckladung

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Decker - Deckladung.

Decker, 1) (Dekker, Dekkar) Thomas, fruchtbarer engl. Dramatiker, geboren um 1570, seinen Lebensverhältnissen nach ziemlich unbekannt, begann in den letzten Jahren der Königin Elisabeth für das Theater zu schreiben. Sein "Phaëton" wurde 1597 aufgeführt, andre Stücke folgten rasch. Am bekanntesten wurden die Komödie "Old Fortunatus, or the wishing-cap" (1600 gedruckt) und "The honest whore". Ben Jonson verspottete ihn auf der Bühne in seinem "Poëtaster" (als Crispinus), was ihm D. in dem Stück "Satiromastix", wenn auch sehr schonend, heimzahlte (1602). Schon ein Jahr später verfaßte Ben Jonson mit D. gemeinsam eine Maske für die City zur Feier der Thronbesteigung Jakobs, wie D. denn auch mit Webster, Rowley, Marston u. a. in Gemeinschaft arbeitete. D. machte sich übrigens auch als Prosaist durch scharfe und treffende Sittenschilderungen bekannt, als deren vorzüglichste "The Gull's hornbook, or fashions to please all sorts of gulls" (1609, neue Ausg., Bristol 1812) zu nennen ist. D. blieb auch unter der neuen Regierung ein unermüdlicher Dramen- und Gelegenheitsschreiber und starb um 1640 in London. Die erste Gesamtausgabe der "Dramatic works" erschien London 1873, 4 Bde.

2) Cornelis, holländ. Maler, geboren um 1620, war Schüler des S. Ruisdael, trat 1643 in die Gilde zu Haarlem und starb 1678 daselbst. Er malte Waldlandschaften, welche von A. van Ostade und van den Velde mit Figuren versehen wurden, in der Art des Hobbema. Bilder von ihm besitzen die Galerien von Kopenhagen, Berlin und Rotterdam und das Louvre in Paris.

3) Karl von, preuß. General, militärischer und belletristischer Schriftsteller, geb. 21. April 1784 zu Berlin, trat 1797 in die Artillerie, wurde 1800 Leutnant, wohnte den Feldzügen von 1806 und 1807 bei, erwarb bei Eylau den Orden pour le mérite, trat 1809 als Rittmeister in das Korps des Herzogs von Braunschweig-Öls, 1813 als Hauptmann im Generalstab wieder in preußische Dienste und nahm an den Schlachten von Dresden, Kulm und Leipzig und an den Feldzügen von 1814 und 1815 ehrenvollen Anteil. Im J. 1816 ward er Dirigent einer Abteilung des topographischen Bureaus, 1817 Major und geadelt, 1818 Lehrer an der Artillerie- und Ingenieurschule, 1829 Brigadier der 8., dann der 1. Artilleriebrigade, nahm als Oberst 1841 seinen Abschied, ward 1842 noch zum Generalmajor befördert und starb 29. Juni 1844. Er schrieb: "Das militärische Aufnehmen" (Berl. 1815); "Die Artillerie für alle Waffen" (das. 1816) nebst "Ergänzungstaktik der Feldartillerie" (das. 1837); "Ansichten über die Kriegführung im Geiste der Zeit" (das. 1817); "Die Gefechtslehre der Kavallerie und reitenden Artillerie" (das. 1819); "Der kleine Krieg" (das. 1822, 4. Aufl. 1844); "Bonapartes Feldzug in Italien 1796 und 1797" (das. 1825); "Taktik der drei Waffen: Infanterie, Kavallerie und Artillerie" (das. 1833-34, 2 Tle.); "Generalstabswissenschaft" (das. 1830; neu bearbeitet von seinem Sohn, 1862); "Die Schlachten und Hauptgefechte des Siebenjährigen Kriegs" (das. 1837); "Algerien und die dortige Kriegführung" (das. 1842). Mit Rühle v. Lilienstern begründete D. 1816 das noch heute bestehende "Militärwochenblatt", seit 1821 war er Mitherausgeber der "Militär-Litteraturzeitung". Unter dem Pseudonym Adalbert vom Thale schrieb D. auch mehrere Lustspiele.

4) Pierre Jacques François de, belg. Politiker, geb. 25. Jan. 1812 zu Zèle in Ostflandern, ward bei den Jesuiten gebildet und widmete sich in Paris und Gent dem Studium der Rechtsgelehrsamkeit. Neben der advokatorischen Praxis in Brüssel sich mit Eifer journalistischer Thätigkeit widmend, ward er zuerst Mitredakteur des "Journal de Flandres" und gründete 1837 mit Dechamps die klerikale "Revue de Bruxelles", die 1851 einging. Auch gab er 1835 zwei Bändchen Gedichte unter dem Titel "Religion et amour" heraus. 1839 ward er für Dendermonde in die Deputiertenkammer gewählt und schloß sich der ultramontanen Partei an, suchte aber eine gewisse Mittelstellung zwischen den extremen Parteistandpunkten einzunehmen. Auch nahm er sich der Rechte der vlämischen Bevölkerung auf die Gleichberechtigung ihrer Sprache an. Seine politischen und sozialen Theorien setzte er in mehreren Schriften, wie: "Du pétitionnement en faveur de la langue flamande" (1840), "De l'influence du clergé en Belgique" (1843), "Quinze ans de 1830 à 1845" (1845), "L'esprit de parti et l'esprit national" (1852) etc., auseinander. Seine "Études historiques et critiques sur les monts-de-piété en Belgique" (1844) verschafften ihm einen Sitz in der belgischen Akademie. Nachdem das liberale Kabinett Brouckère 2. März 1855 seine Entlassung genommen, übernahm D. am 30. desselben Monats in dem neuberufenen Ministerium Vilain XIIII. das Portefeuille des Innern. Mit seinen Vermittelungsversuchen scheiterte er schließlich an dem Wohlthätigkeitsgesetz, das unter der Firma der Freiheit der milden Stiftungen diese völlig in die Hände des Klerus zu spielen versuchte. Da die Aufregung im Land bis zu tumultuarischen Bewegungen stieg und die Wahlen der Gemeinderäte im Oktober 1857 sehr zu gunsten der Liberalen ausfielen, trat das Kabinett ab. Er beteiligte sich darauf an den berüchtigten Finanzoperationen von Langrand-Dumonceau und wurde einer der Direktoren der "Christlichen Bank". Als ihn trotzdem das klerikale Ministerium d'Anethan im November 1871 zum Gouverneur der Provinz Limburg ernannte, erregte dies beim Volk so großen Anstoß, daß es in Brüssel zu tumultuarischen Auftritten kam, die nicht bloß Deckers Rücktritt, sondern auch den des Ministeriums und die Berufung eines neuen Ministeriums de Theux zur Folge hatten. D. wurde auch in den Langrandschen Kriminalprozeß verwickelt, aber 1877 außer Verfolgung gesetzt.

Deckfarben (Gouachefarben, Körperfarben), undurchsichtige Farben, welche die Farbe der Fläche, auf welche sie aufgetragen werden, mehr oder weniger vollständig verdecken (s. Gouachemalerei).

Deckflügler, s. Käfer.

Deckgarn (Decknetz), ein Garn, welches zum Fang an der Erde sitzender Vögel über diese gezogen wird (s. Nachtgarn und Tyraß).

Deckhengst, s. v. w. Beschäler, s. Beschälen.

Deckklärsel, eine konzentrierte reine Zuckerlösung, welche zum Auswaschen, Decken, von Zucker dient.

Deckladung, im Seehandelsrecht Bezeichnung für solche Güter, welche auf das Verdeck eines Schiffs verladen werden. Der Umstand, daß dadurch das Schiff leicht überladen, und daß dadurch die Mannschaft bei ihren Arbeiten gehindert werden kann, rechtfertigt das Verbot der D. Doch ist die D. in England bei solchen Gütern gestattet, die gewohnheitsmäßig auf Deck verladen zu werden pflegen, während in Frankreich bei der kleinen Küstenschiffahrt jenes Verbot nicht Platz greift. Das deutsche Handelsgesetzbuch behält es der Landesgesetzgebung vor, das Verbot in Ansehung der Küstenschiffahrt ebenfalls zu beseitigen, ohne daß jedoch von dieser Befugnis Ge-^[folgende Seite]