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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Degré - Dehli.

Degré (franz.), Stufe, Staffel, Grad.

Degressivsteuerfuß, s. Steuern.

De Grey (spr. greh), Fluß an der Nordküste von Westaustralien, welcher auf den Riponhügeln entspringt und rechts den bedeutendern Oakover aufnimmt. Sein Flußbett ist im untern Lauf 100-130 m breit, im größten Teil des Jahrs trocken und mit Bäumen bestanden; nur vereinzelte Wasserbecken finden sich in größern Entfernungen. Der Fluß wurde 1861 von Gregory erforscht, Cowle überschritt ihn 1866 in seinem untern, Warburton 1873 in seinem obern Lauf. Das Land an seinen Ufern ist grasreich und fruchtbar.

Degrossieren (franz.), aus dem Groben oder Rohen herausarbeiten für die nachfolgende feinere Ausarbeitung.

De Gubernātis, Angelo, ital. Orientalist, Dichter und Litterarhistoriker, geb. 7. April 1840 zu Turin aus adliger Familie, betrieb philologische Studien an der Turiner Universität und schrieb vom 17. Jahr an Dramen, deren zwei: "Pier delle Vigne" und "Don Rodrigo", 1860 zu Turin von dem Schauspieler Rossi, jenes mit gutem, dieses mit geringerm Erfolg, zur Aufführung gebracht wurden. Auch arbeitete er für Journale. Im November 1862 ging er mit Zurücklegung eines schon erhaltenen Lehramtes am Gymnasium zu Chieri, im Besitz eines Staatsstipendiums, nach Berlin und studierte unter Bopp und Weber mit solchem Eifer Sanskrit und vergleichende Sprachwissenschaft, daß man für gut fand, ihn schon 1865 als Professor ans Istituto degli studii superiori in Florenz zu berufen. Hier wurde er indes durch persönlichen Verkehr mit dem eben dort weilenden Bakunin in die Umtriebe der republikanisch-sozialistischen Partei mit hineingezogen, verzichtete, um ganz unabhängig zu sein, noch in demselben Jahr auf seinen Lehrstuhl und vermählte sich mit einer Nichte Bakunins. Nachdem aber eine Entfremdung zwischen ihm und diesem eingetreten und er, bei erlangter besserer Einsicht, von der Partei desselben sich wieder losgesagt hatte, bewarb er sich neuerdings um die Lehrstelle seines Faches, die man ihm denn auch nach einigem Zögern wieder zuerkannte und die er noch gegenwärtig bekleidet. Von wissenschaftlichen Werken veröffentlichte er in diesen Jahren zunächst: "I primi venti inni del Rigveda" (Text und Übersetzung 1864); "La vita ed i miracoli del Dio Indra" (1866); "Studii sull' epopea indiana" (1868); "Fonti vediche dell' epopea" (1867); "Piccola enciclopedia indiana" (1868); "Storia comparata degli usi nuziali" (1869); "Novelline di San Stefano" (1869). Seine poetische und journalistische Thätigkeit hatte inzwischen nicht geruht. Schon 1862 hatte er die Zeitschrift "L'Italia letteraria" gegründet, 1867-68 redigierte er die "Rivista orientale", 1869 die "Rivista contemporanea", 1869-76 die "Rivista europea", später das "Bollettino italiano degli studii orientali", 1881-82 die "Cordelia". Als dramatischer Dichter brachte er noch: "Werner" (1859), "La morte di Catone" (1863), dann einige Schauspiele, deren Stoff er der indischen Sage entnahm: die Trilogie "Il re Nala", das beste und bekannteste Werk des Dichters, mit großem Erfolg in Turin aufgeführt (1869; das mittlere Stück deutsch von Marx, 1870), "Re Dasarata", gleichfalls von Rossi aufgeführt (1871), und "Maya" (1872); ferner "Romolo" (1873), "Romolo Augustolo, elegia drammatica" (1876) und noch ein indisches Drama: "Savitri" (1877). Auch veröffentlichte er 1866 einen Roman: "Gabrielle" (im Feuilleton der "Perseveranza"). Seinen Ruf als Gelehrter machte er zu einem europäischen mit den weiterhin erschienenen Werken: "Zoological mythology" (Lond. 1872; deutsch von Hartmann, Leipz. 1873; franz. von Regnaud, Par. 1874, 2 Bde.), einer von einzelnen Irrtümern nicht freien, aber höchst verdienstvollen vergleichenden Darstellung der Tiersage; "Storia comparata degli usi natalici" ^[richtig: "Storia comparata degli usi natalizi"] (1872); "Storia comparata degli usi funebri" (1873); "Mitologia vedica" (1875); "Storia dei viaggiatori italiani nelle Indie orientali" (1875); "Mythologie des plantes" (Par. 1878, 2 Bde.); "Matériaux pour servir à l'histoire des langues orientales en Italie" (1879); "Lettere sopra l'archeologia indiana" (1881) und "Letture sopra la mitologia comparata" (1881). Zu alledem kommen noch umfangreiche biographische und litterarhistorische Arbeiten: die "Ricordi biografici" (1873), lebendig und eingehend geschriebene Biographien italienischer Schriftsteller der neuesten Zeit enthaltend; das große "Dizionario biografico degli scrittori contemporanei" (1879-80); die Monographien: "Giovanni Prati" (1860), "Dall' Ongaro" (1875), "Alessandro Manzoni" (1879), "Manzoni e Fauriel" (1880) und "Eustachio Degola" (1882); endlich: "Manuale di storia della letteratura indiana" (1882) und die groß angelegte "Storia universale della letteratura" (Mail. 1882-85, 18 Bde.). In der Rastlosigkeit und Vielseitigkeit seines litterarischen Wirkens ist D. eine fast einzig dastehende Erscheinung.

Degummieren, s. Seide.

Degustation (lat.), Probe, z. B. Weinprobe, dann Kauf auf Probe (Handel nach Belieben, Kauf aufs Kosten, Kauf ad gustum, ad degustationem, sub gustatione, à l'essai, auf Besicht), d. h. ein Kaufvertrag, bei welchem sich der Käufer eine Ausprobung der Ware vorbehält. Nach dem deutschen Handelsgesetzbuch handelt es sich in solchen Fällen um einen bedingten Kauf, und der Käufer ist vor erfolgter Erprobung und Genehmigung nicht gebunden. Vgl. Deutsches Handelsgesetzbuch, Art. 339.

De gustíbus non est dispŭtandum (lat.), Sprichwort: "Über den Geschmack darf man nicht streiten".

Degustieren (lat.), kostend prüfen.

Degutt, s. v. w. Birkenteer.

Dehiscentia (lat.), das Aufspringen der Kapselfrüchte (vgl. Frucht).

Dehli (Delhi), Hauptstadt des gleichnamigen Regierungsbezirks (Commissionership) von 14,526 qkm (264 QM.) mit (1881) 1,907,984 Einw. in der angloindischen Provinz Pandschab, einst die größte Stadt Indiens, die noch gegen Ende des 17. Jahrh. London an Größe und Einwohnerzahl übertraf, und nacheinander glanzvoller Mittelpunkt verschiedener Dynastien, jetzt gegen früher gesunken, aber immer noch eine der bedeutendsten indischen Städte und wegen seiner vielen Ruinen das "Rom Asiens" zubenannt. Die jetzige, von Schah Dschahan gegründete Stadt zählt (1881) 173,393 Einw. (darunter 95,484 Hindu und 72,519 Mohammedaner) und liegt in 252 m Höhe an niedrigen Felshügeln, auf dem rechten Ufer der Dschamna oberhalb des von den Pândawa im 13. Jahrh. v. Chr. gegründeten alten D. oder Indraprastha (jetzt Indabat bei D.). Zahlreiche Ruinen bedecken meilenweit die Umgebung. Das älteste beglaubigte Denkmal ist eine Erinnerungssäule aus Schmiedeeisen, im 2. Jahrzehnt des 4. Jahrh. n. Chr. errichtet zur Feier eines Siegs über zentralasiatische Völker. Aus dem Beginn des 14. Jahrh. stammt die Anlage Tughlakabad, südlich der jetzigen Stadt, ein Werk der Herrscher aus der Tughlakdynastie; strom-^[folgende Seite]