Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Deisselberg; Deïsten; Deister; Deistersandstein; Deïtät; Dej.; Dejanira; Déjazet

624

Deisselberg - Déjazet.

Gottes zur Welt (im Gegensatz zum Theismus); das System, welches einen von der Welt nicht bloß geschiedenen (im Gegensatz zum Pantheismus), sondern auch verschiedenen, ihr äußerlich gegenüberstehenden Gott als letzte Ursache aller Dinge annimmt. Charles Blount war einer der ersten, welche sich in diesem Sinn Deisten nannten; ihm folgten vornehmlich Tindal und Morgan. Die Denk- und Sinnesweise dieser Männer ging aus den kirchlich-politischen Wirren Englands im 17. Jahrh. und aus dem Widerspruch der zurückgebliebenen Theologie gegen die fortgeschrittene Wissenschaft hervor. Vorgänger dieses D. war Eduard Herbert (s. d.), Lord von Cherbury, der zuerst den Begriff und die Zulänglichkeit der natürlichen Religion entwickelte. Ihm nahe steht Thom. Browne (s. d.), Verfasser der "Religio medici" und andrer deistischer Schriften. Charles Blount (gest. 1693) trat vornehmlich als witziger und ironischer Widersacher der biblischen Geschichte auf. Bestimmter, umfassender und feindseliger wurden diese Angriffe, seitdem 1694 die Preßfreiheit eingeführt worden war und John Locke die "Vernünftigkeit des Christentums" ("The reasonableness of Christianity", 1695) als Losung ausgegeben hatte. Seitdem wurde das Christentum oft geradezu als Priesterbetrug bekämpft, immer seiner historischen Bedeutung und Grundlage beraubt. Graf Anthony Shaftesbury (s. d.) strebte eine reine diesseitige Religion der Schönheit und Tugend an und führte eine schalkhafte Polemik gegen das Christentum als gegen eine durch den Gedanken ewiger Vergeltung getrübte Sittlichkeit. Gleichzeitig suchte John Toland (gest. 1722) in einem Hauptwerk der ganzen Richtung ("Christianity not mysterious", 1696) den Wunderbegriff aus der christlichen Religion zu entfernen und kam durch Anton Collins (gest. 1729), welcher das Recht des freien Denkens als allgemeines Menschenrecht beanspruchte, für dieselbe Richtung der Name Freidenker auf. Thom. Woolston, der einzige Märtyrer unter seinen Genossen (gest. 1733 im Gefängnis), gebrauchte die alte Methode, die Wundergeschichten zu allegorisieren, als Hülle für seine Angriffe auf die evangelische Geschichte. Matth. Tindal (gest. 1733) leugnete die Idee und Möglichkeit der Offenbarung und nannte die Heilige Schrift eine Urkunde der natürlichen Religion, das Christentum so alt wie die Schöpfung ("Christianity so old as the creation", 1730, das Hauptmanifest des D.), die Kirche in Hobbes' Sinn eine Institution des Staats. Der Arzt Thom. Morgan (gest. 1743) suchte alles Geschichtliche im Judentum und Christentum als Priesterbetrug zu entlarven. Thom. Chubb (gest. 1747) fand das Wesen des Christentums in einer auch unabhängig von ihm Bestand habenden Moralität und natürlichen Religion. Lediglich als Mittel für Staatszwecke erscheint die Religion auch bei Lord H. Bolingbroke (s. d.). Eine Satire auf die Ideale der Kirche stellt die "Fabel von der Biene" von Bernhard Mandeville (s. d.) dar. In der Weise der historischen Kritik dagegen trat Peter Annet (gest. 1768) gegen die Auferstehung und andre Wunder ins Feld. Endlich schlug in David Hume (s. d.) der D. in Skeptizismus um. In der Geschichte der Kirche machte der englische (eigentliche) D. große Epoche. Derselbe entwickelte in sich eine Fülle des Scharfsinns und geistiger Bildung, behauptete sich aber meist unter den höhern Ständen, gewöhnlich nur als Gleichgültigkeit gegen die Kirche sich kundgebend. In Frankreich ergriff und steigerte der Encyklopädismus (Diderot) die negative Richtung des englischen D., während Voltaire von der Geistes-, Rousseau von der Gemütsseite her die positive Richtung desselben vertraten. In Deutschland entwickelte sich der D. teils als Evangelienkritik ("Wolfenbütteler Fragmente", Reimarus), teils als Aufklärungsphilosophie und theologischer Rationalismus. Innerhalb der katholischen Kirche tragen einen rein deistischen Charakter die Theophilanthropen in Frankreich seit 1796 durch Lareveillère-Lepeaux, mit einem Kultus der natürlichen Religion, 1802 aufgelöst, 1829 vergeblich wieder angeregt, und die französische katholische Kirche des Abbé Chatel seit 1831, mit stark politischer Färbung. Dem Judentum gab vornehmlich Mendelssohn einen Anstoß zu einer innerlichen Entwickelung, welche, fast natürlich zum D. fortschreitend, als jüdische Reform besonders in Deutschland und Frankreich Vertreter fand. Vgl. Lechler, Geschichte des englischen D. (Stuttg. 1841); Pünjer, Geschichte der christlichen Religionsphilosophie seit der Reformation (Braunschw. 1880).

Deisselberg, basaltischer Kegelberg auf dem Plateau von Paderborn, westlich bei Trendelburg, 386 m hoch, einer der nördlichsten deutschen Basaltberge.

Deïsten, s. Deismus.

Deister, niedrige, aber waldreiche Bergkette in der preuß. Provinz Hannover, zwischen der Weser und Leine im Fürstentum Kalenberg, zieht sich von Springe in nordwestlicher Richtung 22 km weit bis Rodenberg, parallel dem die Weser begleitenden Süntelgebirge, von dem sie durch ein von der Kaspaue durchflossenes Thal getrennt wird. Beide Bergzüge fallen steil gegen SW. ab und zeigen eine dammartige, hier und da durch Vertiefungen unterbrochene, kettenartige Bildung. Der höchste Punkt des Deisters ist der 403 m hohe Höfeler bei Wennigsen. Das Gebirge hat einige ergiebige Steinkohlengruben und Sandsteinbrüche. Am Nordwestende desselben schließen sich jenseit der Kaspaue die Bückeberge (s. d.) an.

Deistersandstein, s. Wealdenformation.

Deïtät (lat.), Gottwesenheit, Gottheit.

Dej., bei naturwissenschaftl. Namen Abkürzung für Graf P. F. Dejean (s. d.).

Dejanira, s. Deïaneira.

Déjazet (spr. -schasä), Pauline Virginie, franz. Schauspielerin, geb. 30. Aug. 1797 zu Paris, betrat schon als fünfjähriges Kind das Théâtre des jeunes Artistes am Kapuzinerkloster, spielte dann mit glänzendem Erfolg auf den Kindertheatern der Rue de Bondy und der Rue Dauphine, trat in den Variétés in Knabenrollen auf, ebenso in Bordeaux und Lyon und übernahm 1821 im Gymnase die jungen Burschen, Schüler etc. Von hier kam sie an das Théâtre des Nouveautés und ging 1834 an das Théâtre du Palais-Royal über, dem sie seinen schönsten Glanz verlieh. Von 1844 bis 1849 war sie Mitglied der Variétés, trat dann an verschiedenen Theatern von Paris, auch wiederholt in der Provinz und in London auf und übernahm 1859 die Direktion der Folies-Dramatiques, die sie in Théâtre D. umtaufte. Im J. 1868 trat sie von der Bühne ab, kehrte aber von neuem zu ihr zurück, als sie 1874 in einer Vorstellung zu ihren gunsten (Einnahme 60,000 Frank) aufgetreten war, und starb 1. Dez. 1875. Außerordentliche Lebendigkeit, Witz, das Talent, entschiedene Zweideutigkeiten so sagen zu können, daß sie ihr verziehen wurden, und eine unbeschreibliche Schalkhaftigkeit in ihrem ganzen Wesen machten sie zu einem der glänzendsten Sterne der Pariser Bühne. Beurmann sagte treffend: "Sie ist die Königin der Vaudevilles, die Grisette par excellence, die reizendste und