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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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De jure - Dekalkierpapier.

ungeheure Summe auszahlen, und sofort erschien eine Verordnung, angeblich aus Cäsars Papieren, durch welche D. in alle seine frühern Besitzungen wieder eingesetzt wurde. Dieser hatte indes nicht einmal diese Verordnung abgewartet, sondern sich ohne weiteres aller der Länder wieder bemächtigt, welche Cäsar ihm entzogen hatte. Als Cassius nach Kleinasien kam, suchte D. Neutralität zu beobachten; erst als Brutus selbst zu ihm kam, erklärte er sich für die Verschwornen und sandte ihnen seinen Feldherrn Amyntas nach Griechenland zu Hilfe. Derselbe trat nach der Niederlage der Republikaner zu Octavianus und Antonius über, ward freundlich aufgenommen, und D. blieb im Besitz aller seiner Länder. D. starb 40 v. Chr. in sehr hohem Alter.

De jure (lat.), von Rechts wegen; Gegensatz: De facto (s. d.).

Dejurieren (dejerieren, lat.), eidlich bekräftigen; Dejuration (Dejeration), eidliche Beteurung.

Deka (griech.), zehn, oft in Zusammensetzungen, besonders im metrischen Maß, vorkommend, so Dekagramm, 10 g; Dekaliter, 10 Lit.; Dekameter, 10 m; Dekastēr, 10 Ster.

Deka (Dega), der höchst gelegene der drei Klimagürtel des abessinischen Hochlandes, welcher von 2700 bis zu 4500 m Höhe reicht. Bei Tage zeigt das Thermometer hier 7-10° R., bei Nacht sinkt es häufig unter den Gefrierpunkt. Von Anfang Juni bis Anfang September regnet es jeden Tag, oft fallen die Regengüsse wochenlang ununterbrochen, später hören sie ganz auf. Hagelstürme sind nicht selten. Die Vegetation wird charakterisiert durch wilde Rosen (Rosa abyssinica), Jasmin (Jasminium floribundum), goldig blühendes Hartheu (Hypericum Roeperianum), die Kugeldistel (Echinops giganteus), baumförmige Wacholder, Heidekrautbäume, den Kussobaum (Brayera anthelminthica) sowie die merkwürdige, den Yukkas ähnliche Gibarra (Rhynchopetalum montanum); an den hohen, kahlen Felsen wuchern Flechten, Mose und Farne, darunter Serabisu oder Frauenhaar (Adiantum Capillus Veneris). An die D. schließt sich von 2400 bis 1600 m die Woinadeka, das "Weinland", in welchem die Temperatur zwischen 11 und 21,5° R. schwankt. In dieser Region zeigen sich schöne, der tropisch-afrikanischen Pflanzenwelt angehörige Bäume, wie Adansonien, Sykomoren, Taubenbäume (Cordia abyssinica), Sterkulien, Bananen u. a. Vgl. Abessinien.

Dekabristen (Dezembermänner, v. russ. dekaber, Dezember), die Teilnehmer jenes Aufstandes, welcher im Dezember 1825 unter mehreren Offizieren der russischen Armee zum Ausbruch kam, die den vergeblichen Versuch machten, den damals erfolgten Thronwechsel zu einer eingreifenden Staatsveränderung zu benutzen. Seit dem längern Aufenthalt russischer Offiziere in Deutschland und in Frankreich während der letzten Napoleonischen Kriege und der dreijährigen Okkupation Frankreichs hatte sich dieser Kreise, besonders der Gardeoffiziere, Unzufriedenheit mit den heimischen Zuständen bemächtigt. Eine Umgestaltung der russischen Staatsverhältnisse war das Ziel dieser Männer, welches einige Zeit selbst dem Kaiser Alexander nicht fern lag. Aber der Abschluß der Heiligen Allianz und die darauf folgende, fast ganz Europa beherrschende Reaktion stempelte die Beschäftigung mit solchen Zielen zu einem Staatsverbrechen, und aus den jungen militärischen Reformatoren wurden Verschwörer. Dieselben bildeten verschiedene geheime Gesellschaften, welche sich in zwei große Gruppen teilten, den nördlichen und den südlichen Bund. Jener, dessen Hauptquartier in Petersburg war, hatte an seiner Spitze den hierfür untauglichen Fürsten Sergius Trubezkoi; dieser, dessen Leiter sich in Kiew befanden, stand unter dem fähigen und entschlossenen Obersten Paul v. Pestel, dem Adjutanten des Generals Grafen von Wittgenstein. Pestel hatte bereits eine russische Verfassung ausgearbeitet und darin die Verhältnisse in der Schweiz und in Nordamerika zum Muster genommen. Die Ausführung solcher idealistischer Pläne setzte den Sturz des russischen Kaisertums voraus, und es wurde auch beschlossen, eine Truppenmusterung, welche Kaiser Alexander im Mai 1826 in Südrußland veranstalten wollte, zur Ermordung des Kaisers und zum Umsturz der Regierungsform zu benutzen. Aber Alexander starb 1. Dez. 1825 in Taganrog, und nun mußten die noch nicht gehörig vorbereiteten Verschwörer rasch handeln, um zu verhindern, daß eine neue kaiserliche Regierung sich festsetze. Sie benutzten daher den Umstand, daß man von der Thronentsagung des ältesten kaiserlichen Bruders, des Großfürsten Konstantin, damals Vizekönigs in Polen, unter dem Volk nichts wußte, und stellten denselben als den rechtmäßigen Thronfolger, den zweiten Bruder Alexanders, Nikolaus, aber als Usurpator hin. Unter dem Vorwand, die Rechte des erstern zu verteidigen, erregten die D. 26. Dez. 1825 einen Militäraufstand in Petersburg gegen den neuen Kaiser Nikolaus. Der Aufstand, welchem es vollständig an der Leitung fehlte (Fürst Trubezkoi war nirgends zu sehen), wurde von Nikolaus mit Kartätschen niedergeschlagen, der Bund im Süden gleichfalls unterdrückt. Oberst Pestel wurde infolge einer Denunziation gefangen genommen und aufgehängt, ebenso der tüchtige Oberst Murawjew-Apostol, Rylejew u. a., die übrigen Verhafteten, gegen 120, meist nach Sibirien geschickt. Vgl. die anonym erschienene Schrift des Barons Andreas v. Rosen (s. d.): "Aus den Memoiren eines russischen Dekabristen" (2. Aufl., Leipz. 1874).

Dekade (griech.), eine "Zehnzahl", insbesondere eine Zeit von zehn Monaten, Wochen, Tagen; in Frankreich (décade) die zehntägige Woche im republikanischen Kalender, der danach Décadrier hieß. Jeder der zwölf Monate, die 30 Tage zählten, zerfiel nämlich in drei Dekaden. Vgl. Kalender.

Dekadisches Zahlensystem (Dekadik), dasjenige System von Zahlen, worin zehn die Basis der Einteilung ist und zehn Einheiten einer Ordnung eine Einheit der nächsthöhern bilden. Vgl. Zahlensystem.

Dekaēder, ein zehnflächiges Polyeder.

Dekăgōn (griech.), Zehneck, insbesondere ein regelmäßiges.

Dekagonalzahl, eine Zahl von der Form n (4n - 3); für n = 1, 2, 3, 4, 5... erhält man 1, 10, 27, 52, 85, 126... Vgl. Polygonalzahl.

Dekalieren, s. v. w. Kalieren (s. d.).

Dekalkierpapier, dünnes, festes, am besten aus Hanf erzeugtes Papier zum Übertragen (Dekalieren) von Stein- oder Kupferdruckzeichnungen auf Thonwaren, Porzellan, Blechwaren etc., welches mit den betreffenden Zeichnungen bedruckt und dann mit Kopallack überzogen ist. Zum Gebrauch wird das D. an der Bildseite mit Terpentinöl bestrichen, damit an den Gegenstand angerieben, danach auf der Rückseite mit Wasser angefeuchtet. In diesem Zustand läßt es sich sodann mit Hinterlassung des Bildes abziehen (Abziehbilder). In neuester Zeit werden zum Abziehen auf Papier (Briefe etc.) die Bilder, statt mit Lack, mit Leim überzogen und beim Gebrauch mit Wasser angefeuchtet.