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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Dekker; Deklamation

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Dekker - Deklamation.

rung verausgabte für Armenanstalten 195 Mill. Mk., und dennoch starben 1,340,000 Menschen buchstäblich Hungers oder erlagen Krankheiten infolge Schwächung des Körpers durch vorausgegangene Entbehrungen. Das Klima im D. ist wärmer als im nördlichen Indien; es wird durch die Isothermen von 27,3 bis 27,8° C. bezeichnet; mit je 162 m nimmt die Wärme um ca. ½° C. ab. Der Winter ist wegen der Klarheit der Nächte frischer, als die Höhe allein es erwarten läßt. In politischer Beziehung gehört D. gegenwärtig zum Teil zu den Zentralprovinzen und den Präsidentschaften Bombay und Madras; weite Gebieten beherrschen der Nizam von Haidarabad und der Radscha von Maissur. Die Küste längs des westlichen Ghatgrenzgebirges heißt Konkon; hier besitzen die Portugiesen Goa. Die Bevölkerung des D. bilden Marathen, Telugu und Reste der muskelstarken Gruppe der ostindischen Urbewohner Bhil und Kol. - In der Geschichte Indiens hat das D. erst in den letzten Jahrhunderten vorübergehend einen entscheidenden Einfluß geltend gemacht. Vom 3. bis 14. Jahrh. waren die Könige von Orissa die Machthaber im Land. In der ersten Hälfte des 14. Jahrh. begründete dann Allah ud Din die Herrschaft der Muselmanen über D., und muselmanische Dynastien nahmen die Stelle der Hindufürsten ein, die sich nur in wenigen Staaten zu erhalten vermochten. Von größerer Bedeutung wurde der von Siwadschi (einem kleinen Landbesitzer, der sich zum glücklichen Kämpfer gegen den Großmogul Aurengzib emporschwang) 1676 gestiftete Staat der Marathen (s. d.). Dieselben traten 1774 als Gegner der Engländer auf; 1782 kam es zum vorläufigen Frieden, 1818 wurde das Marathenreich im D. dem englischen Gebiet einverleibt.

Dekker, 1) Jeremias de, holländ. Dichter, geb. 1609 zu Dordrecht, widmete sich dem Handelsstand in Amsterdam; starb 1666 daselbst. Seine Dichtungen zeichnen sich durch reine Sprache und kernigen Ausdruck aus, weniger durch Schwung und poetische Gedanken. Sein erstes größeres poetisches Werk war: "De klaagliederen van Jeremias", dem bald andre folgten. Seine satirischen Gedichte, z. B. "Lof der geldzucht", und seine Epigramme ("Puntdichten") gehören zu dem Bessern, was die Litteratur jener Zeit in dieser Gattung aufzuweisen hat. Im "Goede vrijdag" (Karfreitag) besang er den Tod Christi in einer Reihe von Gedichten. Am besten ist seine häusliche Poesie. Ausgaben seiner Dichtungen, die er bescheiden "Rym-oeffeningen" nannte, besorgten Brouerius van Nidek (Amsterd. 1726, 2 Bde.) und Geijsbeek (das. 1827, 2 Bde.).

2) Eduard Douwes, holländ. Schriftsteller, geb. 1820 zu Amsterdam, kam im 20. Jahr nach Java und bekleidete dort 17 Jahre lang eine Steuerassistentenstelle. Durch seinen Widerstand gegen die Mißbräuche der Kolonialverwaltung kam er um diese Stellung und suchte seitdem in Holland seine Erfahrungen publizistisch zu verwerten. Den größten Eindruck machte der Roman "Max Havelaar" (Amsterd. 1860), den er unter dem seither beibehaltenen Schriftstellernamen Multatuli veröffentlichte. Die javanischen Zustände sind darin mit glänzender Farbe und glühendem Gefühl geschildert; Natur und Menschen des Südostens und ihre Ausbeutung durch die holländischen Beamten und Kaufleute treten in das hellste Licht. Von seinen übrigen Werken, in denen überall der Unmut des im Kampf unterlegenen Edlen hervortritt, seien erwähnt: "Indrukken van den dag" (Arnh. 1860); "Minnebrieven" (Amsterd. 1861, 7. Aufl. 1881); "Ideen" (das. 1862-77, 7 Bde.); "Herdrukken" (das. 1865); "Duizend en eenige hoofdstukken over specialiteiten" (Delft 1871); "Millioenen studien" (das. 1872) u. a. Auch als Dramatiker machte sich D. einen Namen durch sein Trauerspiel "De bruid daarboven" (1862) und das Drama "Vorstenschool" (1875), das zu den beliebtesten Stücken des heutigen Repertoires gehört. D. lebt seit mehreren Jahren in Wiesbaden.

3) Thomas, engl. Dichter, s. Decker.

Deklamation (lat.), der kunstgerechte Vortrag eines stilistischen Produkts, durch welchen nicht nur der Sinn desselben treu und verständlich wiedergegeben, sondern auch die Gemütsstimmung, in welcher das Stück verfaßt ist, auf den Hörer übergetragen wird. Die ersten Bedingungen einer guten D. sind eine auf Ausbildung und Gewandtheit der Sprachorgane beruhende richtige Aussprache und Betonung der Worte und Silben sowie die gehörige, das Verständnis erleichternde Beobachtung der durch die Interpunktion gegebenen syntaktischen Pausen, von welchen die rhetorischen wohl zu unterscheiden sind. Dies die grammatische D., welche sich zur charakterisierenden gestaltet, wenn nicht nur der Sinn und Charakter des Stücks, sondern auch das von dem Autor bei der Abfassung und von dem Deklamator beim Vortrag Empfundene durch sie ihren angemessenen Ausdruck findet. Hierzu sind notwendige Erfordernisse eine volltönende, starke, biegsame Stimme, die sich den verschiedenen Gemüts- und Seelenstimmungen leicht anbequemt und danach modifiziert, Geläufigkeit der Zunge, richtige Anwendung der verschiedenen Tonlagen und der mannigfaltigen Nüancen derselben je nach den Stimmungen und Affekten, welche das Stück ausdrücken soll. Von großer Wichtigkeit ist ferner das Atemholen, das nur bei solchen Stellen der Rede eintreten darf, wo ein Absetzen geboten oder erlaubt ist, und das nie hörbar werden darf. Weitere Erfordernisse sind genaue Beobachtung des Redeaccents, also Hervorhebung der wichtigern Begriffe und Vorstellungen durch stärkere Betonung; Beobachtung des dem Inhalt des Stücks entsprechenden Grades von Geschwindigkeit der Rede, die bei leidenschaftlicher oder affektvoller Erregung sich steigern, bei ruhiger Betrachtung, auch behufs des Ausdrucks gedämpfter Gemütsstimmung sich mäßigen muß. Endlich gibt es noch eine personifizierende D., welche den Charakter einer Person, der gewisse Stimmungen, Empfindungen, Vorstellungen, Grundsätze etc. beigelegt werden, zum Ausdruck zu bringen sucht und zwar entweder den ganzen Menschen nach seiner physischen und geistigen Individualität wie nach seinen äußern Lebensverhältnissen oder nur eine in diesem Menschen vorwiegende bestimmte Empfindung, Vorstellung, Leidenschaft etc. Den ganzen Menschen sucht der dramatische Künstler zur Anschauung zu bringen, wobei er außer der Rede auch das Kostüm und die Maske zu Hilfe nimmt; die Darstellung einer vorübergehenden Gemütsbeschaffenheit aber ist vornehmlich Aufgabe der D. Der Deklamator unterscheidet sich besonders dadurch von dem Schauspieler, daß er in eigner Person auftritt, wie der Redner, während jener eine andre Person darstellt. Über die Gebärden (Aktion, Gestikulation und Mimik), welche die D. unterstützen und verdeutlichen sollen, läßt sich nur eine Regel geben, die, richtig befolgt, vor jeder Verirrung bewahren wird: der Vortragende wende allein jene Gebärden an, die im wirklichen Leben von natürlichen und gebildeten Menschen bei solchen Empfindungen und in solchen Situationen, wie er sie vorzutragen hat, gemacht werden. Alle Malerei, sowohl mit der Stimme als mit Mienen und