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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Deklarieren - Dekoration.

Deklarieren (lat.), erklären, aufklären, erläutern, eine amtliche Erklärung (namentlich im Zoll- und Steuerwesen) abgeben; s. Deklaration.

Deklination (lat.), in der Grammatik die Abwandlung (Flexion) eines Wortes durch Anfügung der Kasusendungen, s. Kasus. Entsprechend sind die Ausdrücke deklinieren, ein Nomen nach den Regeln der D. flektieren, abwandeln; deklinabel, was dekliniert werden kann. In der Astronomie ist D. s. v. w. Abweichung. Über D. des Magnets (magnetische D.) s. Magnetismus.

Deklinationsnadel, s. Magnetismus.

Deklinatorium (lat., Deklinationsbussole), s. Magnetismus.

Deklinograph (Deklinometer), eine von Füß in Berlin konstruierte Vorrichtung zur graphischen Aufzeichnung von Deklinationsdifferenzen, besitzt zwei Stahlspitzen, von denen die eine mit dem zur Deklinationseinstellung dienenden beweglichen Faden des Mikrometers, die andre mit den festen Teilen des Okularstücks verbunden ist. Gegen diese Spitzen wird im Augenblick der Einstellung ein Papierstreifen gedrückt, und der Abstand der beiden von den Spitzen gemachten Marken, der später ausgemessen werden kann, gibt die Deklinationsdifferenz.

Dekokt (lat., "Absud"), s. Abkochen.

Dekolletiert (franz.), mit bloßem Hals, bis zur Brust entblößt, von der Damentracht mit tief ausgeschnittenen Kleidern.

Dekollieren (franz.), enthaupten, köpfen.

Dekolorieren (lat.), entfärben, sich entfärben; erblassen, verschießen; Dekoloration, Entfärbung.

Dekolorimeter, Instrument zur Bestimmung des Entfärbungsvermögens der Knochenkohle etc., wird besonders in der Zuckerfabrikation benutzt. Derartige Instrumente haben Payen, Ventzke, Stammer u. a. konstruiert; doch ist jedes Kolorimeter zu demselben Zweck brauchbar.

Dekomponieren (lat.), Zusammengesetztes auseinander nehmen, zerlegen.

Dekomposition (lat.), Zersetzung; Auflösung eines Körpers in seine Grundbestandteile.

Dekomptieren (franz., spr. -kongt-), abrechnen, abziehen; in Gegenrechnung bringen. Vgl. Décompte.

Dekontenance (franz., spr. -kongt'nāngs), Bestürzung, Verwirrung, Fassungslosigkeit; dekontenancieren, aus der Fassung bringen.

Dekonzertieren (franz.), aus dem musikalischen Zusammenspiel (Konzert) herausbringen, die Harmonie stören; aus der Fassung bringen, verwirren.

Dekoration (latein.), im allgemeinen jede Ausschmückung oder Verzierung irgend eines Gegenstandes, welche ihm ein gefälligeres Aussehen zu geben bezweckt. Die D. von Gebäuden muß mit dem Charakter des Gebäudes im Einklang stehen; die D. darf nicht die Wirkung der Hauptform beeinträchtigen und den Eindruck des Ganzen verändern, sondern muß beides heben. Die Massen der D. dürfen nie zu groß, aber ebensowenig zu vereinzelt sein. Soll ein Gebäude nur wenig Verzierungen erhalten, so ziehe man vor, dieselben auf einen Hauptteil, z. B. das Portal u. dgl., zu konzentrieren, statt sie über die ganze Fläche des Gebäudes zu verteilen, wo sie nur geringen Eindruck machen würden. Ebenso darf man bei reicher Verzierung die dekorativen Elemente nicht zu gleichmäßig über die ganze Außenseite des Gebäudes verteilen, sondern muß dem Auge des Beschauers hier und da eine unverzierte Fläche als Ruhepunkt darbieten und nur die für die Bestimmung des Gebäudes besonders wichtigen Stellen auf diese Weise auszeichnen, wodurch zugleich die einzelnen Verzierungen nur an Wert gewinnen können. Die Mittel zur D. der Gebäude sind teils körperliche, teils chromatische. Die körperlichen sind: rein architektonische, wie Simse, Konsolen, Verdachungen, Lisenen, Strebepfeiler etc., welche als Darstellungen notwendiger Teile sich aus der Konstruktion des Gebäudes ergeben; ornamentale, wie Laub- und Blumenwerk, Ranken, Akroterien etc., und rein plastische, d. h. Tier- und Menschengestalten, Karyatiden etc. Die chromatische oder farbige D. eines Gebäudes wird durch farbige oder Sgraffitomalereien, durch Glasmosaik, durch farbige Marmoreinlagen, durch Bronzen u. dgl. bewerkstelligt. Die D. muß sich nach dem Baustil des Gebäudes richten, also verschieden sein, je nachdem dieses dem griechischen, maurischen, romanischen, gotischen oder Renaissancestil angehört. Sie muß sich ferner nach der Örtlichkeit richten, an welcher sie anzubringen ist, im Äußern derber, im Innern des Gebäudes feiner und hier wieder an den Decken leichter als an den Wänden gehalten werden, und sie muß endlich dem Charakter des Bauwerks angepaßt sein, für welches sie bestimmt ist, und denselben symbolisch zum Ausdruck bringen. Die D. der innern Räume der Gebäude ist nach gleichen Grundsätzen durchzuführen, indem Malerei, Plastik und die gewerblichen Künste zusammen arbeiten. Im weitesten Sinn erstreckt sich die D. von Innenräumen auf die Ausstattung mit Vertäfelungen, Teppichen, Portieren, Stoffen, Gemälden, Möbeln, Geräten, Pflanzen, Nippsachen u. dgl., vgl. Zimmerausstattung. - Im engern und gewöhnlichern Sinn ist D. die Theatermalerei oder vielmehr die Gesamtheit der materiellen, auf die Vergegenwärtigung des Örtlichen abzweckenden Hilfsmittel der Bühne, soweit sie der Malerei unterliegen. Hierzu gehören die Kulissen, der Grund oder die Gardine (besser Kurtine oder Kortine), wodurch am Ende der Bühne die Aussicht geschlossen wird, die Vor- und Ansätze und die Soffiten, welche die Decke bilden. Der Dekorationsmaler muß, um die örtliche Täuschung hervorzubringen, vorzüglich die Linear- und Luftperspektive verstehen und die Wirkung des Lichts, namentlich des Lampenlichts, sowie die Größe der darzustellenden Gegenstände, Häuser, Bäume etc., richtig berechnen können. Ein brillantes Kolorit, zweckmäßige Anwendung des Halbdunkels, der Schatten- und Lichtmassen sind bei dieser Malerei um so notwendiger, als ihre eigentliche Aufgabe darin besteht, frappante Täuschung und momentanes Wohlgefallen hervorzubringen. Die reizendste Abenddekoration bietet bei Tageslicht kaum einen erträglichen Anblick dar. Die Mittel des Dekorationsmalers, der übrigens mehr andeuten, als ausführen soll, sind Wasserfarben, weil sie schnellere Arbeit gestatten und nicht blenden. Schon die Alten kannten die D. der Bühne. Als der älteste Dekorationsmaler wird Aristarchos genannt, welcher auf Veranlassung des Äschylos zuerst die Regeln der Perspektive auf die Schaubühne in Athen angewendet haben soll. Die tragische Bühne zeigte bei den Alten Säulen, Statuen, Paläste und andre der Würde hoher Personen angemessene Verzierungen; die komische Privathäuser, Dächer, Fenster und andre dem gewöhnlichen Leben angehörige Gegenstände; die satirische Bäume, Höhlen, Grotten, Berge. Die Veränderung der D., wie sie jetzt gebräuchlich ist, war den Alten unbekannt; sie blieb durch die ganze Dauer des Stücks eine und dieselbe. Die neuere Art von Dekorationen entstand um 1530 in Italien, wo Serlio die ersten einführte. Auf der