Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Delepierre; Delescluze; Delessert

641

Delepierre - Delessert.

Frans Hals, war seit 1626 zu Arnemuyden in Zeeland ansässig, wo er auch Bürgermeister war, und starb 16. Mai 1671 daselbst. Seine Architekturstücke, die vom Ende der 20er Jahre an datiert sind, kommen nicht häufig vor. Er liebte es, prunkvolle Gemächer, von Säulenhallen umgebene Höfe mit angrenzenden Parkanlagen, das Innere reich ausgestatteter Kirchen im Barockstil darzustellen, die von Palamedes, Dirk Hals, Codde u. a. mit Staffage versehen wurden. Seine Zeichnung ist korrekt, seine Farbe hell, wenn auch etwas bunt, und sein Kolorit leicht und flüssig. Hauptwerke befinden sich im Wiener Belvedere (ein Gartenpalais mit vornehmer Gesellschaft, 1640), im Louvre zu Paris (Palasthof mit Ballspielern, 1628), im Berliner Museum (Palasthof mit Kavalieren, 1647), im Antwerpener Museum, in Braunschweig, in der Eremitage zu St. Petersburg (das Innere des Tempels von Jerusalem, 1627).

Delepierre, Octave, belg. Schriftsteller, geb. 4. April. 1804 zu Brügge, studierte in Gent die Rechte, praktizierte in Brüssel eine Zeitlang als Advokat und betrat nach der Septemberrevolution die diplomatische Laufbahn. Er wurde 1849 zum Legationssekretär und belgischen Generalkonsul in London ernannt, wo er 22. Aug. 1879 starb. Seine zahlreichen Schriften beziehen sich teils auf Geschichte und alte Litteratur, teils auf Bibliographie und nationale Archäologie. Wir nennen davon: "Précis des annales de Bruges" (1835); "De l'origine des Flamands" (1841); "Galerie des artistes brugeois" (Brügge 1840, seit van Eyck); "Les traditions et légendes de Flandre" (Lille 1834); "Le roman du Renard" (Brüssel 1838, nach einem vlämischen Manuskript des 12. Jahrh.); "Examen de ce que renferme la bibliothèque du Musée britannique" (das. 1846); "Histoire littéraire des fous" (Lond. 1860); "Historical difficulties and contested events" (das. 1868); "Revue analytique des ouvrages écrits en centon" (das. 1868); "Essai historique et bibliographique sur les rébus" (das. 1870); "La parodie chez les Grecs, chez les Romains, chez les modernes" (das. 1870); "Supercheries littéraires" (das. 1872); "Tableau de la littérature du centon" (das. 1875, 2 Bde.); "L'enfer. Essai philosophique et historique" (das. 1877). Außerdem veranstaltete D. Neudrucke von seltenen alten Werken, z. B. "Aventures de Tiel Ulenspiegel, etc." (Brügge 1835, 2. Ausg. 1840), "Macaronéana, ou mélanges de littérature macaronique, etc." (Par. 1852), und gab mit B. Brunet die "Bibliothèque bibliophilo-facétieuse" heraus.

Delescluze (spr. döläklühs'), Louis Charles, franz. Kommunist, geb. 20. Okt. 1809 zu Dreux, übernahm 1835 die Redaktion des belgischen "Journal de Charleroi", nachdem er wegen politischer Umtriebe aus Frankreich hatte flüchten müssen, und ward 1841 Chefredakteur des "Impartial du Nord" zu Valenciennes. Nach der Februarrevolution ward er zur Belohnung für seine Thätigkeit für dieselbe als Generalkommissar der französischen Republik in die Departements du Nord und Pas de Calais gesandt, kam aber in Konflikt mit dem Prokurator und mußte, vom Minister desavouiert, seine Entlassung einreichen. Er gründete in demselben Jahr in Paris das Journal "La Révolution démocratique et la Liberté républicaine", ward aber sehr bald wegen seiner aufrührerischen sozialistischen Artikel zu anderthalb Jahren Gefängnis und 10,000 Frank Geldstrafe und 1849 sogar zur Deportation verurteilt. Es gelang ihm, nach England zu entkommen; 1853 kehrte er nach Paris zurück, ward aber schon zwei Monate nach seiner Rückkehr als Mitglied verbotener Gesellschaften zu vierjährigem Gefängnis verurteilt und, nachdem er mehrere Jahre in verschiedenen Gefängnissen zugebracht, nach Cayenne transportiert, wo er bis 1859 blieb. Über seine Gefangenschaftsleiden veröffentlichte er: "De Paris à Cayenne; journal d'un transporté" (1867). Nach seiner Rückkehr hielt er sich lange ruhig, bis ihm das 1868 von ihm gegründete Journal "Réveil", in welchem er die Ideen der Internationale vertrat, neue Verurteilungen zuzog. Nach dem Sturz des Kaiserreichs 1870 glaubte er seine kommunistischen Ansichten verwirklichen zu können, bewirkte den Aufstand gegen die Regierung der nationalen Verteidigung 31. Okt. 1870 und ward nach dessen Scheitern verhaftet, aber ohne Strafe freigelassen. Ebenso beteiligte er sich an der Revolte vom 22. Jan. 1871. Bei den Wahlen vom 8. Febr. im Seinedepartement zum Mitglied der Nationalversammlung gewählt, legte er sein Mandat nieder, als er nach dem Aufstand vom 18. März zum Mitglied der Kommune (26. März) erwählt worden war. Hier spielte er bald eine hervorragende Rolle. Zuerst Mitglied der Kommission für äußere Angelegenheiten, trat er 4. April in die Exekutivkommission ein, stürzte 9. Mai den Wohlfahrtsausschuß, veranstaltete die Wahl eines neuen, dessen Präsident er ward, und übernahm nach dem Sturz Cluserets und der Abdankung Rossels auch die Leitung der Kriegskommission. Von immer wachsendem Fanatismus erfüllt, entwickelte er eine ungeheure Energie, unterdrückte alle feindseligen Journale und suchte die Disziplin unter der bewaffneten Mannschaft zu heben, die Verteidigungsmittel zu verstärken. Als er den Untergang der Kommune voraussah, stellte er 20. Mai in einer Sitzung der Kommune den Antrag, vor dem Eindringen der Truppen alle öffentlichen Gebäude vermittelst Petroleums in Brand zu stecken und die Geiseln zu erschießen. Als 28. Mai das letzte Bollwerk der Aufständischen, die Buttes Chaumont, von den Versailler Truppen genommen war, stieg D. auf die Barrikade in der Rue d'Angoulême, die entblößte Brust den anstürmenden Soldaten entgegenhaltend, und ward von fünf Kugeln durchbohrt.

Delessert (spr. dölessähr), Benjamin, Baron, Bankier und Fabrikant in Paris, geb. 14. Febr. 1773 zu Lyon, Sohn des Bankiers Etienne D. (geb. 1735, gest. 1816) aus einer calvinistischen Familie, der 1777 von Lyon nach Paris übersiedelte und sich um Handel und Industrie in Frankreich sehr verdient machte. D. diente zu Anfang der Revolution in der Artillerie, mußte jedoch nach dem 10. Aug. 1792 als Anhänger Lafayettes die Armee verlassen und übernahm 1795 das Bankgeschäft seines Vaters. 1801 legte er in Passy großartige Runkelrübenzuckerfabriken an und wurde wegen seiner Verdienste um die inländische Industrie von Napoleon I. zum Mitglied der Ehrenlegion und 1813 zum Kommandanten einer Legion der Pariser Nationalgarde ernannt. Nach der Restauration ward er Mitglied der Kommission für die Verbesserung der Gefängnisse, jedoch nach der zweiten Rückkehr der Bourbonen wieder entsetzt. 1817 vom Seinedepartement als Deputierter in die Kammer gewählt, gehörte er derselben bis 1838 ununterbrochen an. Er hatte seinen Sitz im linken Zentrum und gehörte zu den entschiedensten und thätigsten Mitgliedern der freisinnigen Partei. Er starb 1. März 1847 in Paris. Ein thätiger Freund und Beschützer der Künste und Wissenschaften, ließ er das Prachtwerk "Icones selectae plantarum" (Par. 1820-39, 5 Bde., jeder Band mit 100 Kupfern) auf seine Kosten drucken. Er