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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Delisle; Délit; Delitsch; Delitzsch

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Delisle - Delitzsch.

graphen und von Ludwig XIV. den Auftrag, den Dauphin (nachherigen König Ludwig XV.) in der Erdkunde zu unterrichten. Im Auftrag Peters d. Gr. lieferte er eine große Karte des Kaspischen Meers, dessen wahre Lage und Gestalt dadurch zuerst bekannt wurde. Außerdem verfaßte D. einen "Traité du cours des fleuves" (Par. 1720). Er starb 5. Jan. 1726. D. war der erste, der eine wissenschaftlich vergleichende Geographie anbahnte, indem er bei seinen Werken stets auch die Arbeiten von Reisenden und die Werke der Naturforscher benutzte.

2) Joseph Nicolas, Bruder des vorigen, Astronom, geb. 4. April 1688 zu Paris, ward Professor am Collège de France und hatte als solcher die Astronomen Lalande und Messier zu Schülern. Im J. 1725 siedelte er nach Rußland über und wurde der Begründer einer astronomischen Schule bei der Akademie der Wissenschaften zu Petersburg, aus welcher mehrere russische Astronomen von Ruf hervorgingen. Im J. 1740 beobachtete er in Sibirien den Durchgang des Merkur durch die Sonne. Er hatte auch vielen Anteil an der Herausgabe des großen Kyrilowschen Atlas des russischen Reichs und trug durch seine Reisen zur Bereicherung der Physik und Erdkunde bei. Seine astronomischen Beobachtungen beziehen sich namentlich auf Finsternisse. Im J. 1747 kehrte er wieder nach Paris zurück und starb 11. Sept. 1768. Er schrieb: "Mémoires sur les nouvelles découvertes au nord de la mer du Sud" (Par. 1752); "Mémoires pour servir à l'histoire de l'astronomie, de la géographie et de la physique" (Petersb. 1738, 4 Bde.); "Eclipses circumjovialium, sive immersiones quatuor satellitum Jovis, ad annos 1734, 1738 et menses priores 1739" (hrsg. von Kirch, Berl. 1734).

3) Louis, nach einem von mütterlicher Seite angenommenen Beinamen de la Croyère genannt, Bruder des vorigen, ebenfalls Astronom, bereiste, um die Lage mehrerer wichtiger Standpunkte in Rußland astronomisch zu bestimmen, das Gouvernement Archangel und Sibirien bis nach Kamtschatka und begleitete den Kapitän Bering auf seiner Fahrt 1741 von Kamtschatka nach Amerika, starb aber 22. Okt. d. J., als er eben von der amerikanischen Küste zurückgekommen war, in der Awatschabai.

4) Léopold Victor, franz. Paläograph und Historiker, geb. 24. Okt. 1826 zu Valognes (Manche), besuchte seit 1847 die École des chartes und veröffentlichte in der "Bibliothèque" derselben mehrere wichtige Abhandlungen, wie "Recherches sur les revenus publics en Normandie au XII. siècle" und "Les monuments paléographiques concernant l'usage de prier pour les morts". Ebenso wurde ihm für seine Lösung der Aufgabe "Rechercher la condition de la classe agricole en Normandie au moyen-âge" (1851) von seiten der Akademie der Preis Gobert zu teil. D. erhielt 1852 eine Anstellung an der kaiserlichen Bibliothek, wurde 1857 zum Mitglied der Akademie der Inschriften und 1874 zum obersten Vorstand der Bibliothek ernannt. Von seinen Werken führen wir an: "Cartulaire normand de Philippe-Auguste" (1852); "Catalogue des actes de Philippe-Auguste" (mit einer reichhaltigen Einleitung, 1856); "Recueil de jugements de l'échiquier de Normandie au XIII. siècle" (1860); "Inventaire des manuscrits du fonds latin" (1863-71, 5 Bde.); "Documents sur les fabriques de faïence de Rouen" (1865); "Observations sur l'origine de plusieurs manuscrits de la collection de M. Barrois" (1866); "Histoire du château et des sires de Saint-Sauveur-le-Vicomte" (1867); "Le cabinet des manuscrits de la Bibliothèque nationale" (1869-81, 3 Bde.); "Chronique de Robert de Torigni" (1872-74, 2 Bde.); "Inventaire général et méthodique des manuscrits français" (1876-78, 2 Bde.); "Mélanges de paléographie et de bibliographie" (1880). Auch leitet er die Herausgabe des "Recueil des historiens des Gaules et de la France".

Délit (franz., spr. -lih), im Code pénal Bezeichnung der zweiten Klasse der strafbaren Handlungen, die nur vor dem Zuchtpolizeigerichtshof abgeurteilt werden und bloß die sogen. Peine correctionnelle nach sich ziehen, im Gegensatz zu den schweren Crimes und den noch geringern Contraventions. Dem D. entspricht im deutschen Reichsstrafgesetzbuch der Begriff des "Vergehens" im Gegensatz zu "Verbrechen" und "Übertretung".

Delitsch, Otto, Geograph, geb. 5. März 1821 zu Bernsdorf bei Lichtenstein in Sachsen, studierte zu Leipzig Theologie und wurde Ostern 1850 als Lehrer an der Realschule daselbst angestellt. Frühzeitig dem Studium der Erdkunde zugethan, schrieb er: "Zur Geschichte der sächsischen Landkarten" (Programm 1858) und veröffentlichte mit dem Direktor Vogel Netzatlanten auf Wachspapier zum Kartenzeichnen und Wandkarten auf Wachstuch. Seit 1866 an der Universität Leipzig für Geographie habilitiert, wurde er 1874 zum außerordentlichen Professor ernannt. Er starb 15. Sept. 1882. Er bearbeitete unter anderm Steins "Geographie für Schule und Haus" in 26. und 27. Auflage, 1866 Nachträge und Ergänzungen zu Steins "Handbuch der Geographie und Statistik", für dasselbe Handbuch 1871 Westindien und die Südpolarländer, redigierte 1869-78 die von ihm begründete geographische Zeitschrift "Aus allen Weltteilen", schrieb: "Beiträge zur Methodik des geographischen Unterrichts" (2. Aufl., Leipz. 1878), "Deutschlands Oberflächenform" (Bresl. 1880) und gab Band 1 und 2 von Daniels "Handbuch der Geographie" in neuer Bearbeitung heraus.

Delitzsch (ehedem Delcz, Dehliz), Kreisstadt im preuß. Regierungsbezirk Merseburg, 94 m ü. M., an der Löbber und an den Eisenbahnlinien Magdeburg-Zerbst-Leipzig und Halle-Guben, hat 4 Kirchen, darunter eine katholische, ein Schloß und (1880) 8225 Einw. (168 Katholiken); die Industrie erstreckt sich auf Strumpfwirkerei, Zigarren- und Schuhwarenfabrikation, Elfenbein- und Holzschnitzerei, Mühlenbetrieb und Bierbrauerei; lebhaft ist der Handel mit Gemüse und Gartenfrüchten. D. ist Sitz eines Amtsgerichts und hat ein Realprogymnasium, ein Schullehrerseminar, eine Strafanstalt für weibliche Personen und eine Gasleitung. D. gehörte zuerst zum Bistum Merseburg; nach der Teilung Sachsens kam es an die albertinische Linie und später an das Haus Sachsen-Merseburg. Das Schloß wurde im Dreißigjährigen Krieg zerstört, 1691 aber wieder aufgebaut und zum Witwensitz jenes Fürstenhauses bestimmt. Nach dem Aussterben des letztern (1738) fiel D. an Kursachsen und wurde 1815 preußisch. D. ist Geburtsort des Physikers Ehrenberg (1796) und des Nationalökonomen Schulze-Delitzsch (1808). Vgl. Lehmann, Chronik der Stadt D. (1852).

Delitzsch, Franz, Theolog, besonders als Exeget und Hebraist ausgezeichnet, geb. 23. Febr. 1813 zu Leipzig, habilitierte sich 1842 ebendaselbst, ward 1846 als ordentlicher Professor der Theologie nach Rostock, 1850 in gleicher Eigenschaft nach Erlangen und 1867 wieder nach Leipzig berufen, wo er noch jetzt wirkt. Aus gründlichen Studien über die jüdisch-rabbinische