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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Demegorie - Demeter.

gesamte ungarische Offizierkorps zur Abdankung auf, die auch die Regierung annahm. Indes wurde der weitere Frühlingsfeldzug, erst unter Vetters und später unter Görgeis Oberkommando, größtenteils nach den von D. schon früher entworfenen Plänen ausgeführt. D. war darauf mehrere Monate in der Operationskanzlei zu Debreczin beschäftigt, bis er im Juni 1849 beim Herannahen der Russen das Kommando der ungarischen Nordarmee erhielt. Doch resignierte er noch vor Eröffnung des Sommerfeldzugs, weil sein Plan, in Galizien einzufallen, von der ungarischen Regierung nicht gebilligt wurde. Als infolge der zwischen Kossuth und Görgei entstandenen Differenzen das Oberkommando von letzterm an Mészáros überging (2. Juli), wurde diesem D. als Generalquartiermeister an die Seite gegeben, in welcher Eigenschaft er den Rückzug der Theißarmee bis Szegedin und die Schlacht bei Szöreg (5. Aug.) leitete. D. zog sich von hier nach Temesvár zurück, wo er von der vereinigten österreichisch-russischen Macht aufs Haupt geschlagen und seine Armee völlig auseinander gesprengt wurde. D. rettete sich mit Kossuth und den andern Revolutionshäuptern auf türkisches Gebiet. Im Juli 1850 nahm er seinen Aufenthalt zu Paris, wo er seitdem in völliger Zurückgezogenheit lebte und 13. Juni 1864 starb. Von ihm rühren her: "Mein Feldzug nach und in Litauen und mein Rückzug von Kurszany nach Warschau" (hrsg. von Spazier, Leipz. 1832); "Mémoires" (Par. 1833); "Denkwürdigkeiten über den ungarischen Krieg 1848 und 1849" (das. 1849) und "Memoiren über den Aufstand von 1830 bis 1831" (poln., Krakau 1878, 2 Bde.). Vgl. Danzer, D. in Ungarn (Wien 1873).

Demegorīe (griech.), öffentliche Rede in einer Volksversammlung.

Dèmêlé (franz.), Handgemenge, Streit; demelieren, Verwirrtes entwirren, lösen.

Demembrieren (franz., spr. -mangbr-), zergliedern, zerstückeln; Demembrement (spr. -mangbrmāng), Zerstückelung, Vereinzelung.

Dēmen (griech.), Plural von Demos (s. d.).

Demenagieren (franz., spr. -schi-), aus einer Wohnung ausziehen, umziehen; Demenagement, Umzug.

Deménfalu (Demanova, d. h. Damiansdorf), Dorf im ungar. Komitat Liptau, Bezirk Szent-Miklós, mit berühmten Tropfsteinhöhlen und 340 Einw.

Dementi (franz., spr. -mangtih), ein Lügennachweis, eine Lügenzeihung; Behauptungen ein D. entgegensetzen, sie für erlogen erklären; jemand ein D. geben, ihn der Unwahrheit zeihen, Lügen strafen; sich ein D. geben, sich in Widerspruch verwickeln. Dementieren, der Unwahrheit zeihen, Lügen strafen; auch verleugnen, in Abrede stellen.

Dementia (lat.), Blödsinn; D. paralytica, s. Paralytische Geisteskrankheit.

Demer, Fluß in den belg. Provinzen Limburg und Südbrabant, entspringt in der Gegend von Tongern, wird bei Diest schiffbar und mündet nach 93 km langem Lauf unterhalb Aerschot in die Dyle, nachdem er die Nebenflüsse Herck, Geete, Velpe und Lambek aufgenommen.

Demerāra, ein Fluß im brit. Guayana, entspringt im Maccarigebirge unter 4½° nördl. Br., hat einige bedeutende Katarakte und mündet nach einem Laufe von etwa 300 km bei Georgetown in den Atlantischen Ozean. Er ist 120 km weit schiffbar, und etwa 44 km weit sind seine Ufer mit blühenden Ansiedelungen besetzt.

Demerāra, eine der drei Grafschaften von Britisch-Guayana, östlich vom Essequebo bis jenseit des Demerara reichend, mit der Hauptstadt Georgetown (s. d.).

Demerieren (lat.), sich um etwas verdient machen; Demerént, einer, der sich verdient gemacht hat.

Démerite (franz., spr. -rit), Verschuldung; demeritieren, sich etwas zu schulden kommen lassen.

Demeritenhäuser, in der kathol. Kirche geistliche Gefängnisse für diejenigen Geistlichen, welche wegen Übertretung der kirchlichen Satzungen zur Haft und Bußübung verurteilt worden sind. Sie stehen unter staatlicher Aufsicht.

Demersion (lat.), Untertauchung, Versenkung.

Demēter, in der griech. Mythologie die Göttin des Ackerbaues und der bürgerlichen Ordnung, war die Tochter des Kronos und Schwester des Zeus. Als Vertreterin der Fruchtbarkeit der Erde (die natürlich als Mittelpunkt der Welt erscheint) tritt sie in mancherlei Beziehung zu den drei Brüdern, die sich in die Herrschaft der Welt geteilt hatten. Dem Zeus gebar sie die Persephone (Proserpina), dem Poseidon, der die in eine Stute verwandelte Göttin in Gestalt eines Hengstes überwand, eine Tochter und das Roß Arion. Ihre Tochter Persephone ward ihr von Hades, wie der 1772 in Moskau entdeckte Homerische Hymnus auf D. erzählt, bei Nysa, nach der gewöhnlichen Sage bei Enna auf Sizilien geraubt. Neun Tage irrte D. umher, die Tochter suchend, deren Hilferuf nur Hekate und Helios gehört hatten. Als ihr am zehnten Tag letzterer den Raub entdeckte, mied sie zürnend den Olymp und ging zu Keleos nach Eleusis. Dort setzte sie sich in Gestalt einer bejahrten Frau im Schatten einer Olive an einem Brunnen (Parthenion oder Kallichoron) nieder. Von des Keleos Töchtern freundlich begrüßt und nach der Heimat gefragt, erzählte sie, sie heiße Dos (die Suchende ?), sei durch Räuber aus Kreta geraubt, diesen aber entflohen, und bat um Aufnahme. Die Mutter der Jungfrauen, Metaneira, nahm die Fremde auf und vertraute ihr ihren jüngsten Sohn, Demophon, zur Wartung an. So erweist sich die Göttin des Ackerbaues, der Baum- und Viehzucht und aller Kultur, die sie im Gefolge haben, auch durch Pflege und Erziehung der Helden als Begründerin und Festigerin der Volkskraft und der Gemeinde. D. legte den Knaben des Nachts ins Feuer, um ihm ewige Jugend zu verschaffen, ward aber von Metaneira belauscht und durch das Jammergeschrei derselben gestört. Die Göttin gab sich zu erkennen und gebot den Bau eines Heiligtums bei dem Brunnen, in dem sie dann wohnte. Noch immer zürnend, ließ sie Mißwachs auf Erden eintreten. Zeus entsandte endlich den Hermes in die Unterwelt, um die Persephone zurückzuführen, und bewilligte, daß dieselbe nur den Winter im unterirdischen Dunkel, die übrige Zeit bei der Mutter zubringe. Nun erst ließ D. versöhnt die Saat wieder emporsprossen und kehrte auf den Olymp zurück. Zuvor aber lehrte sie die Herrscher von Eleusis, Triptolemos, Diokles, Eumolpos und Keleos, den Gebrauch der heiligen Opfer und die eleusinischen Weihen; ihrem Liebling Triptolemos (s. d.) insbesondere übertrug sie das Geschäft der Verbreitung des Ackerbaues und ihres Dienstes. Das Gedeihen der Feldfrucht bleibt stets der Mittelpunkt in dem weitgreifenden Walten dieser Göttin, hat aber außer der Anwendung auf das Politische noch nach zwei Seiten seine Symbolik und Parallele: in Bezug auf Zeugung, Geburt und Kinderpflege und in Bezug auf Bestattung und Verkehr mit dem Reich der Toten überhaupt. So war D. als Göttin des weiblichen Lebens, im besondern der Ehe, nahe verwandt mit der Bona Dea der Römer, und