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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Denham; Denia; Denier; Denifle; Denigrieren; Deniliquin; Denina

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Denham - Denina.

Denham (spr. dénnäm), 1) Sir John, engl. Dichter, geb. 1615 zu Dublin als einziger Sohn des Sir John D., Baron of the Exchequer, studierte in Oxford die Rechte und ward Bachelor of arts. 1641 gab er sein Trauerspiel "The Sophy" heraus, dessen Stoff aus Herberts Reisen entlehnt war und auch von Robert Baron behandelt wurde. Bald darauf ward er High Sheriff der Grafschaft Surrey und Gouverneur von Farnham Castle; doch legte er das letztere Amt nieder und begab sich nach Oxford zum König Karl I., dem er während der bürgerlichen Unruhen wesentliche Dienste leistete. Er begleitete auch Karl II. ins Exil, kehrte aber 1652 nach England zurück, wo er beim Grafen von Pembroke zu Witton ein Asyl fand. Nach der Restauration ward er zum Oberaufseher der königlichen Gebäude ernannt und erhielt am Krönungstag Karls II. den Bathorden. Eine unglückliche Heirat raubte ihm eine Zeitlang den Verstand. Er starb 19. März 1668. D. war in England der erste, der die beschreibende Poesie kultivierte und, namentlich durch sein Gedicht "Cooper's Hill" (Lond. 1643), der Schöpfer einer neuen Art von poetischen Landschafts- und Naturgemälden ward; er gesellt sich dadurch den Mitbegründern der neuenglischen Poesie bei. Gesammelt erschienen seine poetischen Werke zu London 1684, zuletzt daselbst 1719; mit den Gedichten E. Wallers zusammen herausgegeben von Gilfillan, 1857.

2) Dixon, engl. Reisender, geb. 1. Jan. 1786 zu London, erhielt seine Bildung in der königlichen Kriegsschule zu London, diente dann als Freiwilliger in dem spanischen Kriege gegen Napoleon I. und machte den Feldzug in den Niederlanden mit. 1821 erhielt er die Erlaubnis, sich der Expedition Oudneys und Clappertons nach Innerafrika anzuschließen, brach mit ihnen im Februar 1822 von Tripolis nach Mursuk in Fezzan auf und erreichte 4. Nov. Lari am Tsadsee, dessen geographische Lage er bestimmte. Darauf begab er sich nach Kuka, der Residenz des Sultans von Bornu, wo er einem Kriegszug gegen die Fulbe beiwohnte. Verwundet und gefangen, entkam er durch seine Geistesgegenwart und erreichte mit den Trümmern des Heers Bornu. Von seinen Wunden kaum genesen, unternahm er eine Reise den südlich in den Tsadsee einmündenden Scharifluß aufwärts, wurde aber an weiterm Vordringen durch das Mißtrauen und die Wildheit der Bewohner verhindert. Wieder mit Clapperton vereinigt, besuchte er Sokoto im Reich der Fulbe und kehrte mit ihm im April 1824 über Tripolis, Italien und Frankreich nach England zurück. Ende 1826 wurde er zum Oberstleutnant und Intendanten von Sierra Leone, dann zum Gouverneur dieser Kolonie ernannt, starb aber schon 9. Juni 1828 in Freetown am Fieber. Sein Reisebericht ist in der von Barrow herausgegebenen "Narrative of travels and discoveries in Northern and Central Africa" (Lond. 1826) enthalten.

Denia, Bezirksstadt in der span. Provinz Alicante, am Meer gelegen, hat Ruinen eines Kastells, einen Hafen, welcher mit Algier in Dampfschiffsverbindung steht und den Hauptplatz für die Ausfuhr der Rosinen von Valencia bildet (jährlich gegen 10 Mill. kg), zahlreiche römische Altertümer und (1878) 8623 Einw., welche Handel mit Südfrüchten und Zuckerraffinerie betreiben. D. wurde von den Massiliensern angelegt und nach dem dortigen Tempel der Diana von den Römern Dianium genannt. Dem Sertorius diente die Stadt als Zufluchtsort. 1245 wurde sie den Mauren durch Jakob I. von Aragonien entrissen.

Denier (spr. dönjeh), nach dem römischen Denar benannte franz. Silbermünze, anfänglich ganz fein, seit Philipp I. schlecht (mit Kupfer versetzt) und seit Heinrich III. nur von Kupfer, = 1/240 Livre tournois = 0,33 Pf. Der D. d'or oder Liard war eine Rechnungsmünze von 3 Deniers tournois. D. war auch ein französisches Gewicht, = 1,275 g, und eine bei der Numerierung des Seidengarns gebräuchliche Gewichtsgröße, = 0,0531 g. Man ermittelt, wieviel Deniers eine Strähne Seide von 476 m (ancien titre) oder von 500 m (nouveau titre) wiegt.

Denifle, Friedrich Heinrich Suso, kathol. Theolog, geb. 16. Jan. 1844 zu Imst im Oberinnthal, trat 1861 zu Graz in den Dominikanerorden, erhielt 1866 die priesterliche Weihe, war seit 1870 in Graz im dortigen Dominikanerkloster thätig und wurde 1880 als Generaldefinitor seines Ordens für Deutschland nach Rom berufen, wo er als Unterarchivar im Vatikan für die neue Ausgabe der Schriften des Thomas von Aquino thätig ist. Die Hauptschriften Denifles sind (außer seiner Ausgabe von H. Susos Schriften, Augsb. 1878 ff., und vielen wissenschaftlichen Aufsätzen, namentlich in Haupts "Zeitschrift für deutsches Altertum"): "Die katholische Kirche und das Ziel der Menschheit" (Graz 1872); "Das geistliche Leben. Eine Blumenlese aus den deutschen Mystikern des 14. Jahrhunderts" (3. Aufl., das. 1880); "Der Gottesfreund im Oberland und Nikolaus von Basel" (Münch. 1875); "Taulers Bekehrung kritisch untersucht" (Straßb. 1879); "Zu Susos ursprünglichem Briefbuch" (Graz 1875); "Das Buch von geistlicher Armut" (mit dem Nachweis, daß Tauler nicht der Verfasser desselben sei, Münch. 1877), und die auf 4 Bände berechnete "Geschichte der Universitäten im Mittelalter" (Berl. 1885, Bd. 1). Seit 1885 gibt er mit Ehrle das "Archiv für Litteratur- und Kirchengeschichte des Mittelalters" (Berl.) heraus.

Denigrieren (lat.), anschwärzen, verleumden; Denigration (franz. Denigrement), Verleumdung, Herabsetzung; Denigránt, Verleumder.

Deniliquin, Stadt in der britisch-austral. Kolonie Neusüdwales, Hauptort des großen sogen. Riverinadistrikts, am Edwardfluß, durch Eisenbahn mit Echuca und dadurch mit Melbourne verbunden, mit nur 3000 Einw., aber wichtig als Handelszentrum für die reichen Weidedistrikte, von denen es umgeben ist, und mit ansehnlichen öffentlichen Gebäuden, einem Hospital, 4 Banken und 3 Zeitungen.

Denina, Giacomo Carlo, ital. Geschichtschreiber, geb. 28. Febr. 1731 zu Revel in Piemont, studierte zu Turin die schönen Wissenschaften und Theologie und erhielt 1754 die Professur der Humaniora zu Pignerol, welche er aber durch eine der Geistlichkeit mißfällige Komödie, die er durch seine Schüler aufführen ließ, verlor. 1756 ward er außerordentlicher Professor der Rhetorik an der Universität zu Turin, später Professor der griechischen Sprache und der italienischen Litteratur daselbst, aber, da er eine der Geistlichkeit feindliche Schrift: "Dell' impiego delle persone", einem Verbot zuwider heimlich in Florenz herausgab, seiner Stelle entsetzt, auf sechs Monate in das Seminar zu Vercelli geschickt und nach Ablauf dieser Strafzeit nach seinem Geburtsort Revel verwiesen. Erst 1781 ward ihm erlaubt, nach Turin zurückzukehren; 1782 folgte er einem Rufe Friedrichs d. Gr. nach Berlin, wo er in die Akademie aufgenommen wurde und später den Titel eines Legationsrats und ein Kanonikat in Warschau erhielt. Nach der Schlacht von Marengo ernannte ihn der Verwaltungsrat von Piemont zum Bibliothekar der Universität zu Turin; bevor er aber noch das Amt angetreten, übertrug ihm Napoleon I. für die Dedikation seines "Clef des