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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Denis; Denislü; Denitrierung; Deniz; Denk; Denkart

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Denis - Denkart.

langues" die Stelle eines kaiserlichen Bibliothekars in Paris, wo er 5. Dez. 1813 starb. Seine zahlreichen historischen Arbeiten über das alte Griechenland, über Preußen und Friedrich d. Gr., über Deutschland etc., zum Teil französisch geschrieben, sind jetzt meist von keiner Bedeutung mehr; nur einige, wie "Delle revoluzioni d'Italia libri ventiquattro" (Tur. 1769-1770, 3 Bde.; deutsch von Volkmann, Leipz. 1771-1773, 3 Bde.; in spätern Ausgaben fortgesetzt, z. B. Vened. 1800, 5 Bde.) und die "Storia dell' Italia occidentale" (das. 1809-10, 6 Bde.), sind auch in der Gegenwart noch von Interesse. Sein Epos "La Russiade" (Berl. 1799-1800) enthält eine Verherrlichung Peters d. Gr.

Denis, 1) Johann Michael Cosmus, Dichter und Bibliograph, geb. 27. Sept. 1729 zu Schärding am Inn, ward von Jesuiten erzogen und trat 1747 zu Wien in den Orden der Jesuiten ein, die ihn verschiedentlich als Lehrer und Prediger verwendeten. Als seine Gesundheit die Anstrengungen des Reisepredigens nicht mehr vertrug, wurde er (1759) Professor der schönen Wissenschaften und der Litteraturgeschichte an dem von den Jesuiten geleiteten Theresianum zu Wien, und seine Wirksamkeit war hier so erfolgreich, daß er auch nach Vertreibung des Ordens (1773) seine Stelle behielt. Zugleich wurde er Bibliothekar an dem Institut und, als Joseph II. auch dieses aufhob, in richtiger Würdigung seiner Fähigkeiten zum Kustos der kaiserlichen Bibliothek ernannt, in welcher Stellung er auch unter Leopold II. mit dem Titel Hofrat verblieb. Er starb 29. Sept. 1800. D. hat sich um die Bildung in seinem Vaterland, das er zuerst mit der Litteratur des nördlichen Deutschland bekannt machte, große Verdienste erworben. Seine poetischen Vorbilder waren Ossian, den er in Hexametern übersetzte ("Die Gedichte Ossians, eines alten keltischen Dichters, aus dem Englischen übersetzt", Wien 1768), und Klopstock, dessen Bardengesänge er in seinen eignen, unter dem Namen des Barden Sined (Anagramm von D.) gedichteten, von hohem Patriotismus erfüllten Liedern und Oden nachahmte. Sie erschienen unter dem Titel: "Die Lieder Sineds des Barden, mit Vorbericht und Anmerkungen von Michael D." (Wien 1773), später mit Ossian zusammen als "Ossians und Sineds Lieder" (das. 1784, 5 Bde.; neue Aufl. 1791, 6 Bde.). Seine verdienstvollen bibliographischen Arbeiten sind: "Grundriß der Bibliographie und Bücherkunde" (Wien 1774); "Grundriß der Litteraturgeschichte" (das. 1776); "Einleitung in die Bücherkunde" (das. 1777, neue Aufl. 1795-96); "Wiens Buchdruckergeschichte bis 1560" (das. 1782, nebst Nachtrag 1793). Sein "Litterarischer Nachlaß" ward herausgegeben von J. F. ^[Joseph Friedrich] v. Retzer (Wien 1802, 2 Bde.). Vgl. v. Hofmann-Wellenhof, Michael D. (Innsbr. 1881).

2) Paul, Architekt und Ingenieur, geb. 26. Juni 1795 zu Mainz, vollendete als Schüler der polytechnischen Schule in Paris 1814 und 1815 seine Fachstudien und trat 1817 in den bayrischen Staatsdienst. In den Jahren 1832 und 1833 machte er eine Reise nach Belgien, Frankreich, England und Nordamerika, wurde 1834 der bayrischen Ministerialkommission für den Bau des Main-Donaukanals als Techniker beigegeben und führte 1835 die erste Eisenbahn in Deutschland, die Nürnberg-Fürther, aus. Unter seiner Leitung ward auch die München-Augsburger sowie die Taunusbahn ausgeführt. Im J. 1842 ging er als Kreisbaurat nach Speier, wo er den Bau der pfälzischen Bahnlinien leitete, auch an der Ausführung der Worms-Mainzer Bahn teilnahm. Im J. 1856 wurde er zum Direktor der Bayrischen Ostbahn ernannt und baute bis 1866 deren Netz aus. Er starb 2. Sept. 1872 in Dürkheim.

Denislü, Stadt im türk. Wilajet Aïdin in Kleinasien, an einem Nebenfluß des Menderes Tschai (Mäander), 380 m ü. M., in fruchtbarer Gegend, mit 2-3000 Einw. und Fabrikation von Maroquin.

Denitrierung, s. Schwefelsäure.

Deniz (türk.), Meer.

Denk, Johannes, Wiedertäufer im 15. Jahrh. Über seine Jugend weiß man nichts Sicheres. 1523 Rektor der Sebaldusschule zu Nürnberg, wurde er 1524 als Anhänger Münzers aus der Stadt verwiesen, hielt sich 1525 in Augsburg (von wo er aus demselben Grund flüchten mußte) und 1526 in Straßburg bei seinem Gesinnungsgenossen Hetzer auf. Auch von hier vertrieben, fand er endlich nach mannigfachen Irrfahrten in Süddeutschland und der Schweiz durch Öcolampadius Aufnahme in Basel, woselbst er im November 1527 an der Pest starb. In Streitschriften griff er die Reformatoren heftig an; mit Hetzer (s. d.) zusammen übersetzte er die "Propheten" ins Deutsche (Worms 1527). Vgl. Keller, Ein Apostel der Wiedertäufer (Leipz. 1882).

Denkart als Art, wie überhaupt, und Denkungsart als Art, wie über gewisse Gegenstände (meistens solche, bei welchen der Wert des Denkenden selbst von der Beschaffenheit seines Denkens über dieselben abhängt) gedacht wird, werden im gewöhnlichen Leben als gleichbedeutend gebraucht. Streng genommen, unterscheiden sich beide Ausdrücke aber durch den Umstand, daß bei der D. auf die das Denken im allgemeinen beherrschenden logischen Gesetze, bei der Denkungsart dagegen auf die Prinzipien derjenigen besondern Gegenstände Rücksicht genommen wird, an welchen sie sich äußert. Da von jenen die Form, von diesen dagegen der Inhalt der Erkenntnis, d. h. des Denkens, das den Anspruch auf Wahrheit macht, abhängt, so kann man sagen, daß sich verschiedene Denkarten durch die Form, verschiedene Denkungsarten hingegen durch ihren Inhalt unterscheiden. Jene stellen daher gleichsam verschiedene Gattungen des Denkens (wie die auf verschiedenen Lebensgesetzen beruhenden Pflanzen und Tiere verschiedene Reiche des Organischen), diese dagegen verschiedene Arten derselben Gattung (wie alle Tiergattungen Arten des animalischen Organismus) dar. Beispiele verschiedener Denkarten liefern z. B. das Platonische und das Aristotelische Denken, deren ersteres zwischen je zwei Gegensätzen ein vermittelndes Drittes zuläßt, während das letztere ein solches verwirft, für deren ersteres daher der sogen. Satz des ausgeschlossenen Dritten kein logisches Denkgesetz ist, während er dem andern als solches gilt. Beispiele verschiedener Denkungsarten dagegen liefern z. B. die abweichenden Ansichten eines Soldaten (oder Edelmanns) und eines Philosophen wie Schopenhauer über das Duell, das jener vom Gesichtspunkt des Standesvorurteils, dieser dagegen vom moralischen aus betrachtet. Bei Denkern, deren D. verschieden, ist das Denken der Art nach verschieden, während bei solchen, die bloß in der Denkungsart abweichen, das Denken der Art nach gleich und nur der Gesichtspunkt, von dem beide rücksichtlich des Beurteilten ausgehen, verschieden ist. Der nicht endende Streit zwischen philosophischen Schulen, die einander in der D. entgegenstehen (wie die Platonische und Aristotelische oder Hegels und Kants), ist daher ebenso erklärlich wie die Aussicht auf Verständigung zwischen solchen, die nur in der Denkungsart verschieden sind, offenbar. Von jenen