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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Denkendorf; Denker; Denkfäden; Denkgesetze; Denklehre; Denkmäler; Denkmünze

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Denkendorf - Denkmünze.

mehreren Merkmalen, der Materie, der Veränderung u. a., wirklich geschieht), so hat das empirische D., wenn es nicht unlogisch (antilogisch) sein will, sich einer Bearbeitung nach den Normalgesetzen des Denkens (d. h. nach den Denkgesetzen, s. d.) so lange zu unterziehen, bis es für logisches, d. h. denkbares, D. gelten darf. Die so gewonnenen Begriffe sind Kunstprodukte des logischen Denkens, die durch den Denkgesetzen entsprechende Bearbeitung der Naturprodukte des empirischen Denkens hervorgebracht werden. Die Wissenschaft von den Naturgesetzen des Denkens ist ein Teil der Psychologie, jene von dessen Normalgesetzen dagegen die Denklehre, Logik (s. d.). Die Anweisung zu der Bearbeitung des empirischen nach den Normalgesetzen des logischen Denkens bildet die logische Kunstlehre, die sich zur Logik so verhält wie die Kunstlehren der einzelnen Künste (Tonkunst etc.) zu deren Ästhetiken (d. h. zu den Lehren von deren Normalgesetzen); die Bearbeitung selbst ist die logische Kunst, die Denkbarmachung (Rationalisierung) des empirisch Gedachten, deren Frucht die Philosophie (s. d.), d. h. diejenige Wissenschaft ist, welche durch Bearbeitung von Begriffen entsteht.

Denkendorf, Pfarrdorf im württemberg. Neckarkreis, Oberamt Eßlingen, an der Kersch, hat eine Klosterkirche, Obst-, Kraut-, Flachs- und Hanfbau und (1880) 1517 Einw. In dem ehemaligen Kloster der Chorherren vom Heiligen Grab (gegründet 1120) befand sich bis 1810 eine Klosterschule.

Denker, Marie, Schauspielerin, geb. 1814 zu Nienstedten in Schleswig-Holstein als die Tochter eines Gärtners, spielte zuerst in Lübeck, dann in österreichischen Provinzstädten Kinderrollen. Als jugendliche Liebhaberin debütierte sie in Preßburg, ging dann nach Graz und Brunn und nahm 1838 ein Engagement am Wiener Hofburgtheater an, von wo sie in Prag, Leipzig, Breslau, Hamburg etc. gastierte. 1811 für Mannheim engagiert, schied sie von dort noch in demselben Jahr, als ihr eine glänzende Stellung am Hoftheater in München angeboten wurde. Hier gehörte sie seitdem zu den Lieblingen des Publikums und starb 30. März 1882. Sie spielte zuerst mit besonderm Glück Rollen wie Goldschmieds Töchterlein, Baronin im "Ball zu Ellerbrunn", später Orsina, das Weib aus dem Volk, endlich nach ihrem Übergang in das ältere Fach: Generalin in "Mutter und Sohn", Volumnia in "Coriolan" etc.

Denkfäden, s. Zizit.

Denkgesetze, die Regeln, nach welchen das Denken sich als logisches, im Gegensatz zu den Gesetzen des Denkens, nach welchen dasselbe sich als natürliches richtet. Jene sind Normal-, diese Naturgesetze des Denkens; jene beziehen sich auf den Inhalt (das Was), diese auf die Art und Weise des Gegebenseins (das Wie) der Gedanken. Jene enthalten die Bedingungen, unter welchen Gedanken für wahr oder falsch, gültig oder ungültig angesehen werden dürfen, diese dagegen die Bedingungen, unter welchen Gedanken, sie seien wahr oder falsch, Erkenntnisse oder Irrtümer, überhaupt entstehen können, thatsächlich entstehen und notwendig entstehen müssen. Angabe der erstern ist Sache der Logik (s. d.) oder Denklehre, Angabe der letztern Sache der Psychologie (s. d.) oder der Lehre vom Denken (im weitesten Sinn). Werden die D. in Worten ausgesprochen, so entstehen daraus die sogen. Grundsätze oder Prinzipien des (logischen) Denkens, wie der Satz, daß das Nicht-nichtzudenkende wahr, das Nichtzudenkende falsch sei (Satz der Denknotwendigkeit); daß jeder Denkinhalt sich selbst gleich und daher jedem andern ungleich sei (Satz der Identität und des Widerspruchs); daß die Wahrheit jedes Denkinhalts entweder ohne Grund (Grundwahrheit) oder in der Wahrheit eines andern begründet (Folgewahrheit) sei (Satz des zureichenden Grundes); daß zwischen je zwei einander ausschließenden Denkinhalten kein dritter (Satz des ausgeschlossenen dritten), oder, daß zu je zwei einander ausschließenden ein dritter, beide zur Einheit zusammenfassender Denkinhalt möglich sei (Satz der Einheit der Gegensätze; s. Gegensatz).

Denklehre, s. v. w. Logik.

Denkmäler (Denkmale), s. Monument.

Denkmünze (Medaille), ein nicht für den Verkehr bestimmtes Metallstück in Form einer Münze, das zur Erinnerung an eine bestimmte Begebenheit, eine Person etc. verfertigt ist. Dem griechischen Altertum war der Begriff der Denkmünzen oder Medaillen völlig fremd. Wenn sich auch hin und wieder auf griechischen Münzen Andeutungen eines bestimmten historischen Faktums finden, wenn auch bisweilen bei besonders wichtigen Ereignissen Münzen von ungewöhnlicher Form und besonderm Gepräge geschlagen wurden: so sind dies doch immer nur kursierende Geldstücke, nicht, wie in späterer Zeit, Erinnerungs- oder Schaustücke. So werden z. B. auf sizilischen Münzen häufig die Siege in den Spielen dargestellt, besonders schön auf den um 400 v. Chr. geprägten syrakusischen Zehndrachmenstücken aus der Zeit Dionysius' I., mit einem von Viktoria bekränzten Viergespann. Auch finden sich in dieser Zeit bisweilen die Namen der Stempelschneider auf den Münzen genannt. Die Geldstücke der römischen Republik zeigen sehr häufig Ahnenbilder oder historische Ereignisse aus der Geschichte der Vorfahren der Münzbeamten. In der römischen Kaiserzeit treten große, oft mit einem breiten verzierten Rand umgebene Bronzestücke von schönem Gepräge auf, welche wohl nicht kursierendes Geld waren, sondern vielleicht geschenkweise verteilt wurden. Seltener sind ungewöhnlich große Silber- und Goldstücke, welche unter Domitian beginnen. In späterer Zeit, etwa seit 300 n. Chr., finden wir Goldmedaillons der Kaiser, welche, obgleich meist mit Bezeichnung des Münzfußes versehen, nach dem man die Goldstücke ausprägte, vielleicht eine Art Orden oder Ehrenzeichen waren. In der byzantinischen Zeit verschwinden diese Stücke; auch das übrige frühere Mittelalter kennt keine Denkmünzen in unserm Sinn. Erst im J. 1390 treten in Italien wirkliche Erinnerungsmedaillen auf; es sind die in Kupfer und Silber geprägten schönen Stücke des Franz Carrara auf die Eroberung von Padua. Im Anfang des 15. Jahrh. sind die bereits 1393 beginnenden rechenpfennigartigen Erzeugnisse venezianischer Münzmeister bemerkenswert. Schon vor der Mitte des 15. Jahrh. finden wir plötzlich die Medaillenkunst in ihrer höchsten Blüten der Maler Vittore Pisano aus dem Veronesischen arbeitete bereits um 1440 eine Anzahl großer Porträtmedaillons in Bronze, nach einem (Wachs-?) Modell gegossen und, wenn der Guß nicht ganz scharf war, ziseliert oder wohl richtiger erst modelliert, dann in Blei abgegossen und ziseliert und von diesen (in einigen Exemplaren erhaltenen) Bleimodellen in Bronze abgegossen und wiederum zuweilen ziseliert. Diese großartigen, alle spätern Werke weit übertreffenden Stücke des Pisano zeigen ein Porträt auf der Vorderseite, auf der Rückseite meist eine sinnige Allegorie. Bewunderungswürdig ist die großartige Naturwahrheit edler Tiere (Löwe, Pferd, Adler), welche Pisano für die Rückseiten seiner Medaillen sorgfältig nach der Natur zeichnete, wie uns seine erhaltenen