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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Denkübungen; Denkungsart; Denkverse; Denkwürdigkeiten; Denmark Hill; Denne-Baron; Denner; Dennery

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Denkübungen - Dennery.

satz seines Handelns hinstellt. In frühern Zeiten waren dergleichen Wahlsprüche sehr im Gebrauch. Über die heraldischen Denksprüche (Wappensprüche) vgl. Devisen.

Denkübungen, planmäßig geordnete Unterredungen, die bezwecken, Kinder zur Bildung richtiger Begriffe und Urteile anzuleiten, waren seit v. Rochows (1734-1805) Vorgang in der für "Aufklärung" des Verstandes schwärmenden pädagogischen Welt der rationalistischen Zeit sehr beliebt. Richtig verstanden und wohlgeleitet, sind sie auch berechtigt und bezeichnen gegenüber der geistlosen, lediglich gedächtnismäßigen Art der Belehrung, wie sie früher vorherrschte, einen wesentlichen Fortschritt. Auf der andern Seite liegt die Gefahr der Übertreibung und der Verleitung der Schüler zur Altklugheit sehr nahe. Was an der Idee der D. richtig war, findet seine Erfüllung in den Anschauungs- und Sprechübungen, die nach den Falkschen Allgemeinen Bestimmungen vom 15. Okt. 1872 "den Schreib- und Leseunterricht vorbereiten und auf seinen weitern Stufen begleiten". Abgesonderten Unterricht für die D. oder die Übungen im mündlichen Ausdruck fordert der Lehrplan der heutigen Volksschule nicht mehr. Vgl. Anschauungsunterricht. Die umfangreiche Litteratur über D. findet man ziemlich vollzählig in Zerrenner, Methodenbuch (5. Aufl., Magdeb. 1839, S. 229), und Niemeyer, Grundsätze der Erziehung (neue Ausg. von Rein, Langensalza 1878, Bd. 2, S. 37 ff.).

Denkungsart, s. Denkart.

Denkverse (lat. Versus memoriales), Verse, die zum leichtern Einprägen von Regeln, geschichtlichen Daten u. dgl. dienen. Sie verdanken ihren Ursprung der Beobachtung, daß Rhythmus und Reim starke Hilfen (Brücken) für das Gedächtnis sind. In der spätlateinischen, mittelalterlichen und humanistischen Pädagogik sehr beliebt, verloren sie in der neuern Zeit in dem Maß an Geltung, als das Verfahren des Unterrichts sich auf tiefere psychologische Erkenntnis gründete. Bekannt sind die noch in der Grammatik gebräuchlichen Kasus- und Genusregeln, namentlich der lateinischen Sprache; ferner die logische Regel: Asserit A, negat E, sed universaliter ambo; asserit I, negat O, sed particulariter ambo; die rhetorische: Quis, quid, ubi, per quos, quoties, cur, quomodo, quando, und die Übersicht der sieben freien Künste: Gram. loquitur, Dia. verba docet, Rhe. verba colorat, Mus. canit, numerat Ar., Geo. ponderat, As. colit astra.

Denkwürdigkeiten, s. Memoiren.

Denmark Hill, südliche Vorstadt Londons, viel von deutschen Kaufleuten bewohnt.

Denne-Baron (spr. dän-baróng), Pierre Jacques René, franz. Schriftsteller, geb. 1780 zu Paris als Sohn einer reichen Familie, widmete sich neben philologischen Studien seiner Neigung zur Poesie, übersetzte in Versen den Properz und Fragmente aus Vergil, Lucan und Claudian, in Prosa Anakreon, Properz etc. und hinterließ auch eine Reihe eigner Gedichte, wie: "Héro et Léandre", nach Musäos (1806), "La nymphe Pyrène" (1823), die Idyllensammlung "Fleurs poétiques" (1825) u. a. Er starb 5. Juni 1854 zu Paris in ziemlich dürftigen Umständen. D. war ein eleganter und graziöser Dichter, doch fehlte es ihm an Charakterfestigkeit und Konsequenz, besonders aber an Fleiß und Ausdauer; darum sind seine eignen Schöpfungen nur weiche lyrische Ergüsse eines Träumers, seine Übersetzungen oft flüchtig und ungenau. Er war ein Hauptmitarbeiter am "Dictionnaire de la conversation".

Denner, 1) Johann Christoph, Erfinder der Klarinette, geb. 13. Aug. 1655 zu Leipzig, war Sohn eines Horndrechslers, der bald nach Nürnberg übersiedelte, und erwarb sich eine große Geschicklichkeit in der Anfertigung von Holzblasinstrumenten. Versuche, die Konstruktion der Schalmei zu verbessern, führten ihn gegen 1700 zur Erfindung der Klarinette, die sich bald zur Rolle eines Hauptinstruments aller Orchester aufschwang. D. starb 20. April 1707 in Nürnberg. Die von ihm begründete Instrumentenfabrik wurde nach seinem Tod von seinen Söhnen weitergeführt und gelangte zu großer Blüte.

2) Balthasar, Maler, geb. 15. Nov. 1685 zu Hamburg, kopierte schon im achten Jahr Kupferstiche und machte sich, in Altona und Danzig unter der Leitung mittelmäßiger Lehrer bald auf seinen eignen Weg hingewiesen, mit dem Technischen der Ölmalerei so schnell vertraut, daß er in einem Alter von 14 Jahren Porträte lieferte. Doch mußte er auf Verlangen seiner Eltern von 1701 bis 1707 die Kaufmannschaft erlernen. Im letztern Jahr kam er nach Berlin, wo sich ihm die Akademie und mit ihr die Künstlerlaufbahn öffnete, die er fortan nicht wieder verließ. Bald stand er als Porträtmaler in solchem Ruf, daß er an mehrere Höfe eingeladen wurde. Für den Kopf einer alten Frau, den er 1721 in London malte, erhielt er von Kaiser Karl VI., dem er dieses Bild übersandte, 4700 Kaisergulden. Für denselben Kaiser malte er 1725 als Gegenstück den Kopf eines Greises, beide jetzt im Wiener Belvedere. D. wanderte von einem Hof zum andern; in Mecklenburg, München, Köln, Hamburg, Kopenhagen, Wolfenbüttel, Schleswig etc. fertigte er zahlreiche Bildnisse vornehmer Herren, so die des Herzogs Christian August, Administrators von Holstein-Gottorp, des Kurfürsten August II. von Sachsen, des Kaisers Peter III. von Rußland, des Kronprinzen Friedrich Adolf von Schweden u. a. Als er sich endlich in Braunschweig eine bleibende Stätte gründen wollte, starb er 14. April 1747 in Rostock. Denners Ruhm gründet sich hauptsächlich auf seine Bildnisse alter Leute, die er mit unsäglicher Genauigkeit und mit den feinsten Pinselstrichen durchführte, so daß jedes Härchen und Schweißpörchen, jede Vertiefung und Falte im Gesicht erscheinen. Die Mehrzahl seiner Werke macht jedoch durch den Mangel an jedem geistigen Ausdruck, die glatte, geleckte Farbe und die peinliche Detaillierung einen leblosen, wachsfigurenartigen Eindruck. Erfreulicher sind seine mit breiterm Pinsel gemalten Porträte, die freilich auch an Schwächlichkeit der Zeichnung und geleckter Farbe leiden. Bei der Ausführung der Gewänder bediente er sich häufig fremder Hände.

Dennery (auch d'Ennery, eigentlich Philippe), Adolphe, franz. Dramatiker, geb. 17. Juni 1811 zu Paris, israelitischer Abkunft, war erst Schreiber bei einem Notar, versuchte sich dann als Journalist und errang 1831 mit einigen Stücken auf einem Boulevardtheater die ersten Bühnenerfolge. Seitdem hat er eine unglaubliche Fruchtbarkeit entwickelt und sich bis in die Gegenwart nächst Anicet-Bourgeois als der beliebteste Vorstadtbühnendichter Frankreichs behauptet. Die Zahl seiner Stücke, die er teils in Gemeinschaft mit andern, teils allein produzierte, beträgt etwa 200. Wir nennen von letztern die Dramen: "L'honneur de ma fille" (1835), "Le tremblement de terre de la Martinique" (1840), "La grâce de Dieu, ou la nouvelle Fanchon" (in Deutschland u. d. T.: "Fanchon, das Leiermädchen" bekannt), "La perle de Savoie" (1842), "Le marché de Londres" (1845), "Marie Jeanne" (1845, deutsch: "Ma-^[folgende Seite]