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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Departieren - Deportation.

Jedes D. zerfällt in Frankreich in Arrondissements, diese in Kantons und diese in Gemeinden (s. Frankreich). Man ahmte diese Einteilung im Königreich Italien und andern nach französischen Grundsätzen organisierten Staaten nach.

Departieren (lat.), verteilen; Departition, Verteilung.

Depaszieren (lat.), abweiden, abfressen.

Depauperieren (lat.), verarmen, arm machen; Depauperation, Verarmung.

Depekoration (neulat.), Abnahme des Viehstandes.

Depekulation (lat.), Kassendiebstahl; depekulieren, eine öffentliche Kasse bestehlen.

Depellieren (lat.), vertreiben, verstoßen.

Dependénz (lat.), Abhängigkeit, Zubehör; Dependenzen (Dependenzien), s. v. w. Pertinenzien; dependieren, von einem abhängen, einem unterworfen sein; dependént, abhängig.

Depennieren (ital.), in der Kaufmannssprache s. v. w. etwas ins Buch Eingetragene durch Ausstreichen als nicht mehr geltend bezeichnen.

Depense (franz., spr. -pāngs), Ausgabe, Aufwand; depensieren, Aufwand machen.

Deperditen (lat.), Einbuße.

Depeschen (Depechen, franz., v. ital. dispaccio), amtliche Schreiben, welche zwischen dem Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten und den ihm unterstellten diplomatischen Agenten gewechselt werden; sie sind eigentlich von der einen Seite die fortlaufenden Ergänzungen der Instruktionen und von der andern Berichte. Fremden diplomatischen Agenten stellt man nicht D., sondern Noten zu. Den Namen haben die D. von der Notwendigkeit ihrer schleunigen Besorgung. Im weitern Sinn versteht man unter D. überhaupt Zufertigungen von Wichtigkeit, die durch Kuriere oder sonst auf schleunigem Weg befördert werden. Geheime Mitteilungen werden vielfach in Geheimschrift depeschiert (chiffrierte D.). Mit Rücksicht auf die schnelle Beförderung hat man den Namen der D. schlechtweg auf die Telegramme übertragen (telegraphische D.); daher depeschieren, eilig befördern, absenden (besonders Telegramme).

Depeuplieren (franz., spr. -pöp-), entvölkern, veröden.

Dephlegmieren (lat.-griech.), bei den alten Chemikern die Abscheidung des Wassers aus einer sauren oder spirituösen Flüssigkeit, also s. v. w. konzentrieren; Dephlegmatoren, s. Destillation.

Dephlogistisch (griech.), unentzündlich, unbrennbar.

Dephlogistisieren (griech.), nach der Stahlschen Theorie einen Körper seines Phlogistons (s. d.) berauben, d. h. ihn oxydieren, verbrennen.

Depilieren (lat.), enthaaren, einen rupfen, ihm das Seinige nehmen; Depilation, Enthaarung; Depilatorium, Enthaarungsmittel, s. Haare.

Depingieren (lat.), abmalen, schildern.

Deplacement (franz., spr. -plaß'māng), die von einem Schiffe verdrängte Wassermenge, s. Schiff.

Deplacieren (franz., spr. -ßie-), etwas von seinem Platz fortrücken; jemand seines Amtes entsetzen; deplaciert, am unrechten Ort, übel angebracht.

Deplacierungsmethode (Verdrängungsmethode), s. Auslaugen.

Deplaisance (franz., spr. -pläsāngs), Abneigung, Widerwille; deplaisant, unangenehm, mißliebig.

Deplaisir (franz., spr. -pläsihr), Unlust, Mißvergnügen.

Deplanieren (lat.), ebnen.

De plano (lat.), obenhin, kurzweg, ohne Umstände.

Deplantieren (lat.), verpflanzen, versetzen; Deplantation, Verpflanzung.

Deplorābel (lat.), bejammernswert.

Deployieren (franz., spr. -plŏaji-, "ausbreiten, entfalten") bedeutet im Militärwesen s. v. w. aufmarschieren, insbesondere aus der geschlossenen Kolonne in die Linie übergehen. Beim D. hält die Tetenabteilung, wodurch es sich vom Aufmarsch (s. d.) unterscheidet. Bei Übungen deployiert die Infanterie durch einen Flankenmarsch, im Gefecht marschiert sie auf das Kommando "Deployiert, marsch, marsch!" im Laufschritt auf kürzestem Weg in Linie auf, um eine längere Feuerlinie zu erlangen. Bei Kavallerie und Artillerie ist D. ein Abschwenken mit Zügen und ein Wiedereinschwenken der Züge hinter ihrem Platz in der Fronte; bei beiden Waffen ist das D. jetzt außer Gebrauch.

Depolarisieren (lat.), der Polarisation berauben; Depolarisation, Entziehung der Polarisation.

Depōnens (lat.), nach herkömmlichem Ausdruck der griechisch-lat. Grammatik ein Zeitwort in Leideform, aber die Bedeutung des Leidens "ablegend". Man nahm z. B. an, daß sequitur ("folgt") auf eine Bedeutung wie ducitur ("wird geführt") zurückgehe.

Deponieren (lat.), etwas ab-, niederlegen, aussagen; in Verwahrung geben. Deponént, der etwas niederlegt (s. Depositum); auch der Sachverständige oder Zeuge, der vor einer Behörde etwas aussagt.

Depopularisieren (lat.), der Volksgunst berauben.

Depopulation (lat.), Entvölkerung.

Deport (franz.), Kursabschlag, beim Prolongationsgeschäft Gegensatz zu Report oder Kursaufschlag (s. Banken und Börse). D. ist die Kursdifferenz, die der Stückeleiher beim Rückkauf weniger zahlt. Der D. ist abhängig von dem Zinssatz für kurze Darlehen, der zur Zeit herrscht, und demjenigen Zins, den man durch den Ankauf des in Prolongation genommenen Papiers erzielt. Papiere, deren laufender Zins hoch ist, bedingen daher bei der Prolongation einen D., während diejenigen mit hohem laufenden Zins gleichzeitig nur mit einem Report prolongiert werden.

Deportation (lat., "Wegführung"), diejenige Art der Verbannung, wobei der Bestrafte an einen bestimmten Ort verwiesen und mehr oder minder in seiner Freiheit beschränkt wird. Diese unter den ersten römischen Kaisern aufgekommene Art des Exils bestand darin, daß nicht ein allgemeiner Bann ausgesprochen (aquae et ignis interdictio), sondern eine Stadt oder bestimmte Insel (deportatio in insulam), die wenigstens 50,000 Schritt (10 geogr. Meilen) vom festen Land entfernt liegen mußte, auch nicht Kos, Rhodus, Lesbos oder Sardinien sein durfte, oder sonst ein entlegener, meist überseeischer Ort dem Verurteilten als Aufenthaltsort angewiesen wurde. Die Kaiser pflegten anfangs zur aquae et ignis interdictio oft auch noch D. zu verfügen, gleichsam als höhern Grad der Verbannung, während in andern Fällen dem Verbannten die Wahl seines Aufenthaltsorts überlassen blieb. Der zur D. Verurteilte erlitt capitis deminutio media (s. Capitis deminutio), und in der Regel war mit der D. auch Konfiskation verbunden; ja, nach dem Tode des Deportierten fielen die etwa von neuem erworbenen Güter dem Fiskus anheim. Von den neuern Staaten sind es Rußland, England und Frankreich, die besondere Systeme dieser Strafart ausgebildet haben. In Rußland steht die Strafe der D. nach Sibirien auf die verschiedensten Verbrechen, und zwar gibt es fünf Grade derselben: Aufenthalt in einer Stadt, Dienst in einem sibirischen Bataillon, Kolonisation, Arbeit in den Bergwerken, Einreihung in die Arrestantenkompanien. Durch den ersten Strafgrad verliert der Bestrafte