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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Derriey; Derry; Dersháwin; Dervent; Derwent; Derwent Conway; Derwent Water; Derwisch

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Derriey - Derwisch.

heim an die Franzosen Kriegsgefangen und durfte mehrere Jahre nicht am Kriege gegen dieselben teilnehmen, kommandierte 1800 eine bayrische Brigade im Kriege gegen Frankreich und ward in der Schlacht von Hohenlinden gefangen. 1804 Generalleutnant, machte er sich um die Reorganisation des bayrischen Heers verdient, befehligte 1805 eine Division unter Davout und wurde beim Angriff auf Tirol schwer verwundet. Er erhielt darauf den Oberbefehl in Tirol, machte 1806-1807 den Feldzug in Schlesien unter Jérôme Bonaparte mit, befehligte 1809 im Krieg mit Österreich wieder eine Division unter Lefebvre und zeichnete sich besonders in der Schlacht bei Abensberg (20. April), bei Eggmühl (22. April) und bei der Einnahme von Innsbruck aus. 1811 zum General der Infanterie, Generalinspektor und Kommandanten von Niederbayern und der Oberpfalz ernannt, führte er 1812 eine Division des bayrischen Hilfskorps unter Saint-Cyr nach Rußland. In der Schlacht von Polock tödlich verwundet, starb er 23. Aug. 1812. In München ist ihm 1856 ein von Halbig modelliertes Standbild in der Maximiliansstraße errichtet worden. Vgl. Heilmann, Lebendes Generals D. (Augsb. 1855).

Derriey (spr. derriä), Charles, franz. Stempelschneider und Schriftgießer, geb. 17. Aug. 1808 zu Moissey (Jura), erlernte die Buchdruckerkunst in Besançon und bildete sich selbst zum Graveur, Stempelschneider und Schriftgießer aus, ersann und erbaute auch selbst in eigner Werkstatt die für seinen Guß erforderlichen eigenartigen Maschinen. D. hat die Buchdruckerei mit einer außerordentlichen Anzahl künstlerisch vollendeter Einfassungen und Verzierungen sowie mit zahlreichen Sortimenten von Zierschriften bereichert; das von ihm herausgegebene "Album", in welchem er seine Schöpfungen in ihren Elementen und in prachtvollen Anwendungen zur Anschauung brachte, ist ein Meisterwerk der Typographie aller Zeiten. Er starb 11. Febr. 1877 in Paris.

Derry, Stadt, s. v. w. Londonderry.

Dersháwin, Gawriil Romanowitsch, der bedeutendste russ. Dichter des 18. Jahrh., geb. 3. Juli (a. St.) 1743 zu Kasan, Sohn eines armen Edelmanns, besuchte das Gymnasium seiner Vaterstadt, trat dann 1762 als Soldat in das Preobrashenskische Regiment in Petersburg ein und erhielt 1772 den ersten Offiziersrang. Im folgenden Jahr wurde er in der Suite des Generals Ribikow gegen Pugatschew nach Südrußland geschickt, wo er sich mehrfach auszeichnete, den Rang eines Kapitänleutnants und ein Gut erhielt, worauf er 1777 in den Zivildienst überging. Bis 1779 hatte D., unter dem Einfluß Lomonossows stehend, nichts Selbständiges geschaffen; erst in diesem Jahr erschien seine zum Krönungsfest der Kaiserin Katharina II. gedichtete, ohne sein Wissen von der Fürstin Daschkow veröffentlichte Ode "Felitza", welche der Kaiserin ausnehmend gefiel und dem Dichter ein ansehnliches Geschenk einbrachte. Nun stieg D. ziemlich rasch die Stufenleiter zu den höchsten Ehren hinan. 1775 wurde er zum Gouverneur von Olonez, 1778 zum Gouverneur von Tambow ernannt, aber von diesem Posten durch die Ränke seiner Feinde, die seine rücksichtslose Offenheit sowie auch seinen Eigensinn nicht vertrugen, bald wieder enthoben und sogar vor Gericht gestellt. D. gelang es indessen, die Kaiserin von seinem Recht zu überzeugen, und sie ernannte ihn 1791 zu ihrem Staatssekretär. 1792 wurde er Geheimrat und Senator, 1794 Präsident des Kammergerichts, 1799 unter dem Kaiser Paul Reichsschatzmeister. Unter der Regierung Alexanders I. endlich zum Justizminister ernannt, blieb er in dieser Stellung bis 1803, wo er um seinen Abschied einkam. Er starb 9. Juli (a. St.) 1816 auf seinem Landgut Swanka im Nowgorodschen. In seiner Vaterstadt Kasan wurde ihm 1843 ein Denkmal errichtet. Dershawins Poesien zeichnen sich durch Kraft des Ausdrucks, Pracht der Bilder, Originalität der Gedanken und feine, schöpferische Behandlung der Sprache aus. Es kann sich bis Puschkin kein einziger russischer Dichter mit D. messen. Er war ein glühender Verehrer der Kaiserin Katharina II., und diese Verehrung begeisterte ihn zu manchem schönen, von hohem dichterischen Pathos getragenen Gedicht (obwohl man anderseits auch manche von hohlen Phrasen strotzende Gedichte bei ihm findet, welche der "Hofdichter" geschrieben); er war aber auch ein Freund der Wahrheit, eine ehrliche, kernige, leicht aufbrausende Natur, eine in der Zeit und in der Umgebung, in welcher er lebte, seltene Erscheinung. Sein bestes Gedicht ist seine Ode "Bog" ("Gott"), die in alle europäischen Sprachen und selbst ins Japanische (ins Deutsche von Altmann, Notter, Bodenstedt u. a.) übersetzt wurde. Gesamtausgaben der Werke Dershawins sind seit 1798 mehrfach erschienen; die letzte ist die vom Akademiker Grot herausgegebene und mit zahlreichen interessanten Anmerkungen versehene in 7 Bänden (Petersb. 1864-72). Die von ihm hinterlassenen Memoiren wurden erst lange nach seinem Tod veröffentlicht ("Zapiski D.", Mosk. 1860). Die beste Biographie des Dichters lieferte Grot (Petersb. 1880).

Dervent, Bezirksstadt in Bosnien (Kreis Banjaluka), im Ukrinathal, Station der Bosnabahn (Brod-Zenica), mit (1879) 3225 meist mohammedanischen Einwohnern. D. ist Sitz eines Bezirksgerichts.

Derwent ("Klarwasser"), 1) Name einiger Flüsse in England: a) entspringt im Peak (s. d.) von Derbyshire, wird bei Derby schiffbar und mündet nach 80 km langem Lauf in den Trent; b) durchfließt die Seen Derwent Water (s. d.) und Bassenthwaite in Cumberland und mündet nach 60 km langem Lauf bei Workington in das Irische Meer; c) entspringt bei Harwooddale in Yorkshire, wird bei Malton schiffbar und mündet nach 96 km langem Lauf bei Barmby in die Ouse. -

2) Fluß in Tasmania, Abfluß des Sees St. Clair, fließt nach SO. und mündet unterhalb Hobart in die Sturmbai.

Derwent Conway, Pseudonym, s. Inglis.

Derwent Water, der "Edelstein" unter den Seen Cumberlands (England), obgleich nur 5 km lang. In ihn ergießen sich die von Southey besungenen Falls of Lodore. An ihm liegt Keswick (s. d.). Der Derwent (s. d.) ist sein Abfluß.

Derwisch (arab. Fakir, "Armer"), Name der mohammedan. Mönche. Obwohl Mohammed sagte: "Es ist kein Mönchtum im Islam", gewann doch die Neigung des Wüsten bewohnenden Arabers zum einsamen und beschaulichen Leben bald das Übergewicht über das Wort des Propheten, und ein andres: "Die Armut ist mein Ruhm", mußte zum Deckmantel dienen, unter welchem sich das Mönchtum schon 30 Jahre nach des Propheten Tod in den Islam einschlich. Seitdem haben sich in Arabien, Persien, Zentralasien und der Türkei die Orden der Fakire (Armen) und Derwische sosehr vermehrt, daß man von 72 Orden der Derwische spricht, wovon indessen im osmanischen Reich nur die Hälfte vertreten ist. Zwölf dieser Orden sind vor der Gründung des osmanischen Reichs, die andern aber erst seit dem Beginn des 14. Jahrh. gestiftet worden, der erste, der der Nakschbendi, unter Osman (1319), der letzte, der der Dschemali, unter Achmed III. (1750). 37 Jahre nach der Flucht des