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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: De Sanctis; Des; Desabüsieren; Desaguadēro; Desaignes; Desaix

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Des - De Sanctis.

trag, die Ordnung in Ägypten herzustellen; doch richtete er nichts aus.

Des (ital. Re bemolle, franz. Ré bémol, engl. D flat), in der Musik das durch ♭ erniedrigte D. Der Des dur-Akkord = des f as; der Des moll-Akkord = des fes as. Über die Des dur-Tonart, fünf ♭ vorgezeichnet, und die Des moll-Tonart, sechs ♭ und ein ♭♭ vorgezeichnet, s. Tonart.

Desabüsieren (franz.), einem eine Täuschung, einen Irrtum benehmen, ihn enttäuschen; Desabusage, Enttäuschung, Zurechtweisung.

Desaguadēro, s. v. w. Abfluß, insbesondere auf den Abfluß des Titicacasees (s. d.) in Bolivia angewandt.

Desaignes (spr. dössänj), Flecken im franz. Departement Ardèche, Arrondissement Tournon, am Doux, mit einer prot. Kirche (auf den Ruinen eines römischen Tempels erbaut), Resten eines alten Schlosses, Thoren der alten Befestigungsmauer, einer alkalischen (kalten) Heilquelle und (1876) 564 Einw.

Desaix (spr. dössäh), Louis Charles Antoine, franz. General, geb. 17. Aug. 1768 zu St.-Hilaire d'Ayat in der Auvergne als Sprößling einer altadligen Familie, trat, 15 Jahre alt, als Unterleutnant in ein Infanterieregiment und ward 1791 zum Adjutanten des Generals Victor v. Broglie ernannt. Den ursprünglichen Ideen der französischen Revolution von Herzen zugethan, mißbilligte er die Greuel des 10. Aug. 1792 und die Schreckensherrschaft, blieb jedoch in Frankreich. 1792 mit seinem Regiment in das Elsaß zur Rheinarmee beordert, that er sich durch Tapferkeit und Umsicht hervor. 1793 wegen mutvoller Verteidigung der Weißenburger Linien gegen die Österreicher zum Brigadegeneral befördert, erstürmte er 26. Dez. 1793 das feste Lauterburg. 1794 befehligte er als Divisionsgeneral den rechten Flügel der Rheinarmee unter Michaud, focht mit Auszeichnung bei Kaiserslautern und wohnte der Belagerung von Mainz bei, nach deren Aufhebung er mit der Vorhut den Rückzug nach Landau und Pirmasens deckte. 1796 verteidigte er nach Moreaus Rückzug den Brückenkopf zu Kehl und übergab ihn erst nach hartnäckigem Kampf mit dem Erzherzog Karl 9. Jan. 1797 den Österreichern unter der Bedingung freien Abzugs mit allen militärischen Ehren. Als Moreau den Befehl erhielt, mit seinen Truppen den Rhein abermals zu überschreiten, bewerkstelligte D. unter höchst schwierigen Verhältnissen in der Nacht vom 19. zum 20. Jan. 1797 im Angesicht des Feindes diesen Übergang, wurde aber dabei durch einen Schuß in den Schenkel verwundet. Nach dem Vertrag von Leoben ging er nach Italien zu Bonaparte, der ihm für die Expedition nach Ägypten die Führung der Vorhut anvertraute. Bei der Einnahme von Malta eroberte D. 10. Juli 1798 das Fort St.-Julien und bedeckte sich dann in der Schlacht bei Chebrisseh an den Pyramiden sowie in den Gefechten mit Murad Bei und den Mamelucken mit neuem Ruhm. Er allein vollbrachte die Eroberung des südlichen Ägypten gegen einen an Streitkräften ihm weit überlegenen Feind und gewann durch Milde und Gerechtigkeit die Liebe der Einwohner. Nach der Landung der Engländer und Türken bei Abukir ward er von Kléber, dem Nachfolger Bonapartes im Oberbefehl, beauftragt, die Konvention von El Arisch (24. Jan. 1800) zu vollziehen. Als er darauf, um den Vertrag der französischen Regierung zu überbringen, 3. März von Alexandria abreiste, wurde er auf der Reise von einer englischen Fregatte aufgebracht und zu Livorno vom Admiral Keith einen Monat lang gefangen gehalten. Nach seiner Befreiung eilte er nach Italien, wo Bonaparte ihm das Kommando der Reserve übergab. Am 14. Juni 1800, als er am Nachmittag an der Spitze einer Division in die wankende Schlachtlinie Bonapartes bei Marengo einrückte und sich kühn den verfolgenden Österreichern entgegenwarf, durchbohrte ihm eine der ersten Kugeln die Brust, so daß er kurze Zeit darauf starb. Der Leichnam wurde einbalsamiert und im Hospiz auf dem St. Bernhard beigesetzt. Bonaparte, der die Absicht gehabt hatte, D. durch eine Heirat mit seiner Stieftochter Hortense an sich zu fesseln, ließ ihm auf seiner Begräbnisstätte ein Denkmal setzen; ein andres ward ihm durch Subskription zu Paris auf dem Dauphinplatz, ein drittes nach einem Staatsbeschluß auf der Place des Victoires (1815 wieder entfernt) und ein viertes Kehl gegenüber, auf der Halbinsel, von der Rheinarmee errichtet.

De Sanctis, 1) Luigi, der bedeutendste Theolog, welchen das katholische Italien an den Protestantismus verloren hat, geb. 1808. Als hoher Würdenträger des Papstes wurde er vom Studium der Bibel ergriffen, floh 1847 nach Malta, trat zur evangelischen Kirche über und wirkte mit großer Treue seit 1852 an der Turiner Gemeinde der Waldenser, dann in der "freien Kirche" (s. Freie Gemeinde), schließlich, als der von den Darbysten hereingeworfene Spiritualismus ihm hier unleidlich zu werden anfing, seit 1864 bis zu seinem Tod wieder bei den Waldensern, in deren Dienst er eine Professur an der seit 1861 bestehenden theologischen Fakultät in Florenz verwaltete. Er starb 1869.

2) Francesco, ital. Litterarhistoriker und Kritiker, geb. 1818 zu Morra im Neapolitanischen, gab bei seiner Vorliebe für Litteratur und Philosophie das begonnene Studium der Rechte bald wieder auf, bildete sich in der berühmten Privatlehranstalt Basilio Puotis zum vollendeten Stilisten und Rhetoriker und gründete, nachdem er einige Jahre (bis 1838) an der Militärschule della Nunziatella in Neapel gelehrt, selbst eine höhere Privatlehranstalt für Grammatik, Rhetorik, Ästhetik und Philosophie. Nächst hohem Ansehen als Lehrer erwarb sich D. auch den Ruf eines bedeutenden Kritikers durch Vorträge über Homer, Vergil, Dante, Shakespeare und Ariost, mit welchen er über die konservativen Anschauungen tonangebender Zeitgenossen hinausging. 1848 von der revolutionären Regierung zum Generalsekretär im Departement des öffentlichen Unterrichts ernannt, flüchtete er beim Eintritt der Reaktion nach Cosenza, wurde 1850 verhaftet und drei Jahre lang im Castello dell' Ovo zu Neapel eingekerkert gehalten. Hier befaßte er sich mit dem Studium des Deutschen, übersetzte Gedichte von Schiller und Goethe, die "Geschichte der Poesie" von Rosenkranz und Hegels "Logik". Entlassen mit der Weisung, sich nach Amerika zu begeben, flüchtete er nach Malta und ging später nach Turin, wo er Vorträge über die "Divina Commedia" hielt, die durch geistreiche und originelle Auffassung ausgezeichnet waren. 1856 wurde er als Professor der Ästhetik und der italienischen Litteratur an das Polytechnikum in Zürich berufen, und 1860 ward ihm das Portefeuille des öffentlichen Unterrichts im neapolitanischen, 1861 im Ministerium des Königreichs Italien unter Cavour übertragen. Von Matteucci (März 1862) gestürzt, kehrte er nach Neapel zurück und nahm seine Lehrthätigkeit wieder auf; auch gründete er das Journal "L' Italia". Am öffentlichen Leben nahm er noch wiederholt als Parteigenosse der Linken im Parlament teil, versah vom März bis Dezember 1878 unter Cairoli von neuem