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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Deutscher Befreiungskrieg

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Deutscher Befreiungskrieg (Großbeeren, Dennewitz, Leipzig).

dadurch zu erreichen gesucht, daß sie eine drohende bewaffnete Stellung in der Flanke der kriegführenden Mächte einnahmen. Napoleon hatte indes alle Zugeständnisse schroff abgelehnt. Jetzt machte Metternich neue Versuche, und die Verbündeten im Vertrauen auf Napoleons Übermut gingen im Vertrag von Reichenbach (27. Juni) auf Österreichs Vorschlag ein, sich mit der Abtretung des Großherzogtums Warschau, Illyriens und Hannovers begnügen zu wollen, wogegen Österreich im Fall der Ablehnung sich ihnen anzuschließen versprach. Napoleon lehnte wirklich auch diese geringfügigen Zugeständnisse ab; der in Prag versammelte Friedenskongreß löste sich 11. Aug. auf, und am 12. erfolgte die österreichische Kriegserklärung.

Österreichs Beitritt lähmte allerdings vollständig die in Kalisch verkündete deutsche Politik Rußlands und Preußens. Metternich war sich der günstigen Machtstellung Österreichs zu wohl bewußt und riß die Leitung der Politik bald ganz an sich. Sein Bemühen war, die bedrohten Rheinbundstaaten in ihrer vollen Souveränität und Macht zu erhalten und Preußen nur zu dem größten unter diesen Mittelstaaten werden zu lassen; auch Napoleon sollte bloß gedemütigt, Frankreichs Rheingrenze nicht angefochten werden. Er durchkreuzte daher die kriegerische Aktion immer wieder durch Friedensverhandlungen und verhinderte wiederholt die volle Ausbeutung eines errungenen Siegs. Trotz alledem gewährte Österreichs Anschluß eine bedeutende Machtverstärkung, und als auch Schweden und England der Koalition beitraten, konnte man, von englischen Subsidien unterstützt, 480,000 Mann ins Feld stellen, denen Napoleon nur 440,000 entgegenzusetzen hatte. Der am 12. Juli in Trachenberg verabredete Kriegsplan der Verbündeten teilte die Heeresmasse in drei Armeen: die böhmische oder Hauptarmee, 230,000 Mann (120,000 Österreicher, 60,000 Russen, 50,000 Preußen), unter Schwarzenberg; die schlesische, 100,000 Mann (60,000 Russen, 40,000 Preußen), unter Blücher; die Nordarmee, 128,000 Mann (80,000 Preußen, 30,000 Russen, 18,000 Schweden), unter dem Kronprinzen von Schweden, Bernadotte. Die oberste Leitung erhielt Schwarzenberg, in dessen Hauptquartier sich auch die drei verbündeten Monarchen Alexander, Friedrich Wilhelm und Franz begaben.

Die drei Armeen sollten so gegen Napoleon, der in Dresden stand, operieren, daß beim gleichzeitigen Vorgehen gegen Sachsen von Böhmen, Schlesien und der Mark aus diejenige, gegen welche Napoleon mit seiner Hauptmacht sich wenden würde, zurückweichen, diesen nach sich ziehen und so den andern Zeit und Raum verschaffen sollte, in Sachsen einzubrechen und womöglich im Rücken Napoleons sich zu vereinigen. Diesem Plan gemäß ging Blücher 15. Aug. bis an den Bober vor. Napoleon zog ihm entgegen, während er Marschall Oudinot mit 70,000 Mann nach Norden schickte, um die Landwehr zu zerstreuen und Berlin, diesen Herd des Aufstandes, wenn es sich nicht ergebe, zu zerstören. Aber die Landwehr unter Bülow, 50,000 Mann stark, griff Oudinot südlich von Berlin bei Großbeeren an und schlug ihn gegen Bernadottes Willen, der Berlin hatte preisgeben wollen, mit geringem eignen Verlust zurück (23. Aug.); ein Korps von 12,000 Mann unter Girard, welches Oudinots Unternehmen von Magdeburg aus unterstützen sollte, wurde 27. Aug. bei Hagelsberg vernichtet. Die böhmische Armee brach nun über das Erzgebirge in Sachsen ein; 25. Aug. war sie vor Dresden, zögerte aber mit dessen Besetzung, so daß Napoleon, der auf die Kunde vom Marsch der Hauptarmee aus der Lausitz herbeieilte, vorher die Stadt erreichte. Ein am Nachmittag des 26. unternommener Angriff der Alliierten mißlang, und 27. Aug. schlug Napoleon durch einen energischen Angriff den linken, österreichischen Flügel des Feindes und zwang ihn zum Rückzug nach Böhmen. Hier sollte Vandamme, durch Eilmärsche zuvorkommend, den Verbündeten den Weg verlegen und ihren Rückzug in eine vernichtende Niederlage verwandeln. Indes die übrigen Korps verfolgten nicht energisch genug, und Vandamme wurde selbst 30. Aug. bei Kulm nach tapferm Kampf gefangen genommen. Ein noch härterer Schlag für die Franzosen war, daß Macdonald, der mit 100,000 Mann Blücher in Schlesien weiter hatte verfolgen sollen, von diesem 26. Aug. an der Katzbach bei Liegnitz angegriffen und mit einem Verlust von 30,000 Mann und 100 Kanonen in die Flucht geschlagen wurde. Napoleon zog nun selbst wieder nach der Lausitz, während Marschall Ney mit dem verstärkten Oudinotschen Korps einen neuen Angriff auf Berlin versuchen sollte. Die preußischen Truppen der Nordarmee standen südlich von Jüterbog; Bernadotte hatte den Sieg bei Großbeeren nicht ausgebeutet, kaum das Vordringen nach Süden gestattet, und wiederum wider Willen des Kronprinzen griffen Bülow und Tauenzien 6. Sept. bei Dennewitz mit 50,000 Mann das 70,000 Mann starke Heer Neys an. Die Niederlage desselben war eine vollständige, 15,000 Gefangene und 80 Kanonen ließ er in den Händen der Sieger, und es war kaum möglich, das Heer wieder zu reorganisieren; zahlreiche Rekruten desertierten, und auch die Rheinbundstruppen zeigten sich mißmutig.

Die Lage Napoleons wurde von Tag zu Tag schwieriger. Blücher wich in der Lausitz einer Schlacht aus, der Kaiser konnte ihm nicht weit folgen, sondern mußte der böhmischen Armee wegen sich nach Dresden zurückziehen, und als Blücher mit der schlesischen Armee rechts ab nach der Mittelelbe marschierte, York 3. Okt. bei Wartenburg den Elbübergang erzwang und auch die Nordarmee nun die Elbe überschreiten mußte, stellte sich Napoleon bei Leipzig (s. d.) auf. Der größte Teil seines Heers stand im Südosten der Stadt bei Wachau und Liebertwolkwitz, im Norden stand bloß Marmont mit 20,000 Mann. Im ganzen hatte er 180,000 Mann gegen 200,000 Verbündete, die Nordarmee war noch nicht herangezogen. Die böhmische Armee griff 16. Okt. von Süden her an; aber infolge ungeschickter Anordnungen Schwarzenbergs waren ihre Kräfte verzettelt, und von dem vielen, was man unternahm, gelang nichts: weder glückte es den Österreichern, Lindenau im Rücken der Franzosen zu nehmen, noch den Preußen und Russen, Wachau, den Schlüssel von Napoleons Stellung, zu erstürmen. Nach ungeheuern Verlusten mußten die Verbündeten zurückweichen. Hier konnte Napoleon sich den Sieg zuschreiben. Eine völlige Niederlage der böhmischen Armee wurde nur verhindert durch das Yorksche Korps, welches, allerdings mit dem Verlust eines Drittels seiner Mannschaft, Möckern erstürmte, Marmonts Korps zertrümmerte und diesen sowie Ney hinderte, dem Kaiser nach Wachau zu Hilfe zu kommen. Napoleon konnte sich nicht entschließen, den Rückzug anzutreten, solange derselbe noch ungestört geschehen konnte; er wollte die 170,000 Mann Besatzungen in den Weichsel-, Oder- und Elbfestungen nicht preisgeben, auch sich nicht für besiegt erklären. Er bot 17. Okt. den Verbündeten, freilich unter ganz ungenügenden Bedingungen, Frieden an. Die Alliierten ließen das Anerbieten unberücksichtigt und griffen, durch die Nordarmee und das