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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Deutscher Bund

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Deutscher Bund.

rend er 40,000 Mann unter Ney nach Quatrebras schickte, um Wellington abzuwehren. Nach einem erbitterten, blutigen Kampf wurde Blüchers Zentrum durchbrochen und sein Heer geworfen, Wellington mit Erfolg abgehalten, den Preußen zu Hilfe zu kommen. Dieser zog sich nun auf die Höhen von Waterloo zurück und nachdem ihm Blücher versprochen, ihm zu Hilfe zu kommen, nahm er hier 18. Juni eine Schlacht an. Am Mittag begann der Angriff der französischen Armee, mit größter Standhaftigkeit hielten ihn Wellingtons Truppen aus. Immer heftiger wurde der Andrang der Franzosen; Napoleon verwendete seine letzten Reserven, um den Feind zu zerschmettern, ehe die Preußen, deren Annäherung ihm gemeldet worden, herankämen. Es war vergeblich, das Bülowsche Korps drückte seinen rechten Flügel ein und bedrohte seinen Rückzug. Die Franzosen wurden vollständig zersprengt und auf der Flucht durch Gneisenaus nachdrückliche Verfolgung gänzlich vernichtet. Am 29. Juni standen die Verbündeten zum zweitenmal vor Paris, und 7. Juli zogen sie als Sieger ein.

Im zweiten Pariser Frieden (20. Nov. 1815) wurde Frankreich nicht so glimpflich behandelt: es mußte die Kunstschätze herausgeben, 700 Mill. Kriegskosten bezahlen, ebenso erhebliche Summen für Kriegsschäden; indes der Wunsch der deutschen Patrioten, daß Elsaß und ein Teil von Lothringen ihm genommen werde, wurde durch England und Rußland vereitelt; bloß Landau und Saarlouis trat Frankreich ab. Die deutschen Grenzen wurden also nicht gesichert. Inzwischen hatte der neue Krieg auch die Organisation Deutschlands beschleunigt. Am 8. Juni 1815 war von 33 Fürsten und 4 Städten die Bundesakte unterzeichnet worden, welche statt eines einheitlichen Reichs einen "beständigen, unauflöslichen völkerrechtlichen Verein" begründete zur Bewahrung der Unabhängigkeit und Unverletzbarkeit der im Bund befindlichen Staaten. Den Vorsitz erhielt in diesem "Deutschen Bund" Österreich. Das deutsche Volk erhielt keine äußere Organisation seiner Einheit, das preußische nicht die versprochenen Reichsstände. Die Stiftung der Heiligen Allianz deutete an, daß Europa vorläufig in dynastischem Interesse regiert werden würde. Das Ergebnis der blutigen Kämpfe war also nicht die Wiederherstellung eines Deutschen Reichs, der Einheit der deutschen Nation, sondern nur ihre Befreiung vom französischen Joch.

Vgl. außer den Biographien des Freiherrn vom Stein und Gneisenaus von Pertz, Yorks von Droysen, Scharnhorsts von Klippel, den Denkwürdigkeiten von Müffling, Marwitz, Raumer, Ligne, Gagern, Metternich u. a.: Häusser, Deutsche Geschichte vom Tod Friedrichs d. Gr. bis zur Gründung des Deutschen Bundes, Bd. 3 und 4 (4. Aufl., Berl. 1869); v. Treitschke, Deutsche Geschichte im 19. Jahrhundert, Bd. 1 (3. Aufl., Leipz. 1882); F. Förster, Geschichte der Befreiungskriege (7. Aufl., Berl. 1863-65, 3 Bde.); Beitzke, Geschichte der deutschen Freiheitskriege (4. Aufl., Brem. 1882, 2 Bde.); Derselbe, Geschichte des Jahrs 1815 (Berl. 1865, 2 Bde.); E. M. Arndt, Geist der Zeit (6. Aufl., Altona 1877); Derselbe, Wanderungen und Wandelungen mit dem Reichsfreiherrn vom Stein (3. Aufl., Berl. 1870); Lehmann, Der Tugendbund (das. 1867); Th. v. Bernhardi, Denkwürdigkeiten des russischen Generals K. F. Grafen von Toll (2. Aufl., Leipz. 1865-66, 4 Bde.); Bogdanowitsch, Geschichte des Kriegs von 1813 (deutsch, Petersb. 1863-69, 2 Bde.); Derselbe, Geschichte des Kriegs von 1814 (deutsch von Baumgarten, Leipz. 1866, 2 Bde.); Königer, Der Krieg von 1815 und die Verträge von Wien und Paris (das. 1865); Klüber, Übersicht der diplomatischen Verhandlungen des Wiener Kongresses (Frankf. a. M. 1816, 3 Bde.); Oncken, Österreich und Preußen im Befreiungskrieg (Berl. 1876-78, 2 Bde.).

Deutscher Bund (hierzu die Karte "Deutschland während des Deutschen Bundes"), der auf der deutschen Bundesakte vom 8. Juni 1815 beruhende deutsche Staatenbund, welcher sich infolge des deutschen Kriegs von 1866 aufgelöst hat. Die Akte war auf Grund des österreichischen Entwurfs, den man mit dem preußischen Programm verschmolzen hatte, auf dem Wiener Kongreß (s. d.) zu stande gekommen und ließ viele Wünsche der Nation unbefriedigt, da man nach langen vergeblichen Verhandlungen schließlich unter dem Eindruck der Rückkehr Napoleons den Abschluß eines Bundes beeilt hatte. Zweck desselben war die Erhaltung der innern und äußern Sicherheit Deutschlands und der Unabhängigkeit und Unverletzlichkeit der einzelnen deutschen Staaten. Das Gebiet des Deutschen Bundes lag zwischen 5° 44' und 19° 51' östl. L. v. Gr. und zwischen 45° 5' und 54° 52' nördl. Br. und grenzte im N. an die Nordsee, Dänemark (Schleswig) und die Ostsee, im O. an die außerdeutschen Provinzen Preußens (Preußen und Posen), an Russisch-Polen, die außerdeutschen Kronländer Österreichs (Galizien, Ungarn, Kroatien), im S. an das Adriatische Meer, das österreichische (nicht deutsche) Istrien, Venetien, die Lombardei und die Schweiz, im W. an Frankreich, Belgien und die Niederlande. Mitglieder des Bundes waren bei der Gründung 35 (zuletzt 31) monarchische Staaten und 4 Freie Städte, von den Ländern des jetzigen Deutschen Reichs gehörten nicht dazu die Provinzen Ost- und Westpreußen, Posen, ferner Schleswig und Elsaß-Lothringen, dagegen die deutschen Kronlande Österreichs, Liechtenstein und Luxemburg-Limburg. Während des Bestehens des Bundes sind folgende Gebietsveränderungen eingetreten: Sachsen-Koburg erhielt einen Teil von Sachsen-Gotha mit der Stadt, aus einem andern Teil wurde Sachsen-Altenburg gebildet, während Sachsen-Hildburghausen in Sachsen-Meiningen aufging; die drei anhaltischen Ländchen wurden zu einem Herzogtum Anhalt vereinigt, endlich die beiden Hohenzollern in Preußen einverleibt. Vgl. die Übersicht auf S. 773.

Die Bevölkerungsziffer der einzelnen Bundesstaaten, welche der Bundesmatrikel zu Grunde gelegt war, bezog sich eigentlich nur auf das Jahr 1818, in welchem die Matrikel angelegt ward; obwohl sie später mehrfach revidiert wurde, so fügte man doch nicht neue Einwohnerzahlen ein, sondern änderte die alten nur da ab, wo Gebietsveränderungen eingetreten waren. Daß das Mißverhältnis zwischen Bevölkerung und Beitragspflicht zu den Bundesleistungen von Jahr zu Jahr größer wurde, leuchtet ein. Preußen hatte z. B. nur fünf Sechstel der auf Österreich ruhenden Quote zu zahlen und hatte dieses an Einwohnern in seinen Bundesgebieten schon nach wenigen Jahrzehnten überflügelt. Obwohl die nichtdeutschen Provinzen Österreichs und Preußens dem Bund nicht angehörten, so war in diesem die Zahl der nichtdeutschen Einwohner doch sehr erheblich. Im J. 1864 schätzte man die Zahl der Deutschen auf 37 Mill., wovon 20 Mill. Oberdeutsche, 17 Mill. Niederdeutsche waren; außerdem gab es 7,900,000 Slawen, 550,000 Romanen, 6000 Griechen und Armenier, 500,000 Juden. Von den Romanen waren 420,000 Italiener, 60,000 Wallonen und Franzosen, 10,000 Ladiner (in Tirol), 50,000 Furlaner (in Görz), 3000 Ostromanen. Was die Religion betrifft, so hielten sich beide