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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Deutschland

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Deutschland (Bodengestaltung; die Alpen, das mitteldeutsche Gebiet).

II. Bodengestaltung.

(Hierzu die "Fluß- und Gebirgskarte" und die "Geologische Karte von Deutschland".)

Die Oberfläche des Reichs zeigt eine Mannigfaltigkeit, wie wir sie kaum irgendwo auf der ganzen Erdoberfläche wieder in solchem Raum nebeneinander finden. Der Wechsel von Gebirgen und Flachländern jeder Art und Form, der im großen und ganzen stattfindet, vereint sich oft noch mit einem überaus raschen Wechsel der Bildungen auf kleine Erstreckung. Es ist daher nicht zu verwundern, daß fast sämtliche Gebirgsformationen in D. vertreten sind. Die Gesteine der archäischen Formation (Gneis, Granit, Glimmerschiefer etc.) kommen in Schlesien, Sachsen, Thüringen, am Spessart, Odenwald, in den Vogesen, in dem Hohen Venn etc. vor. Von paläozoischen Sedimentgesteinen tritt das silurische System in Thüringen und den angrenzenden Ländern, in seiner obern Abteilung auch am Harz auf. Die devonische Schichtenreihe ist in großer Mächtigkeit und Ausdehnung am Rhein, in Westfalen und Nassau, am Harz, in Thüringen, an den Sudeten und den Vogesen erschlossen. Die untere Abteilung der Steinkohlenformation, der Kohlenkalk und die Kulmbildung, tritt bei Aachen, in Westfalen und im westlichen Oberhessen, in Thüringen und am Harz, das obere produktive Steinkohlengebirge in der Saargegend, um Aachen, in Westfalen besonders an der Ruhr, im Osnabrückschen, am Harzrand, in Sachsen und Schlesien auf. Die Dyas (Rotliegendes und Zechstein) kommt in den Vogesen, im Schwarzwald, an der Saar, am nördlichen Odenwald, am Harz (besonders südlich und östlich), um Osnabrück, im südöstlichen Westfalen, in Hessen, Thüringen, Sachsen, Schlesien vor. Die mesozoischen Gebilde sind in großer Vollständigkeit vertreten; die Trias (Buntsandstein, Muschelkalk und Keuper) insbesondere bedeckt große Räume in den westlichen und zentralen Teilen Deutschlands, namentlich von Basel bis Hannover und Halle im rechtsrheinischen, am Westfuß der Vogesen sowie von Straßburg bis Trier im linksrheinischen D., außerdem in den Alpen und in Oberschlesien. Der Jura (Lias, Weißer und Brauner Jura) ist sehr verbreitet um Metz, durch Schwaben und Franken, im norddeutschen Hügelland, in den Alpen und auch in Oberschlesien; der Wealden (die Wälderformation) mit vortrefflichen Steinkohlen findet sich nur in Nordwestdeutschland und zwar in den kleinen Gebirgen Hannovers und der angrenzenden Länder, meist zwischen Leine und Weser (Bückeberge, Osterwald, Deister); die Kreide in Norddeutschland einschließlich Westfalens, links vom Niederrhein, bei Dresden, in Nieder- und Oberschlesien, in verschiedener Ausbildungsweise in den Alpen. Die tertiären Bildungen (das Oligocän, die Hauptlagerstätte der Braunkohle) sind sporadisch über ganz Norddeutschland, gehäuft bei Magdeburg und von dort nach S. und W., am Niederrhein, im Mainzer Becken, in Hessen, im Oberelsaß, in Baden, in Schwaben auf der Rauhen Alb, in Bayern bis zum Fuß (einschließlich der Vorberge) der Alpen verbreitet. Das quartäre u. rezente Schwemmland ist fast überall, am kompaktesten im Norddeutschen Tiefland, vorhanden. Von Eruptivgesteinen der archäischen und paläozoischen Zeit finden sich Granit, Diorit, Diabas, Gabbro, Serpentin etc. in den Vogesen, im Schwarzwald, Odenwald, Thüringer Wald, in den sich um Böhmen gruppierenden Bergen, im Harz; die meist der Zeit des Rotliegenden angehörenden Porphyre, sowohl Quarzporphyre als quarzfreie Porphyre und Porphyrite, haben ihre Verbreitungsbezirke in Schlesien, Thüringen, östlich und südlich vom Harz und in demselben, am Mittelrhein, um Magdeburg, Halle, Grimma, Meißen etc., die Melaphyre am Harz, in Niederschlesien, Sachsen, die ihnen anzureihenden Palatinite an der Nahe, in Nassau, der Pfalz. Sehr verbreitet sind die der Tertiärzeit angehörenden Gesteine: Basalte (samt Dolerit), Trachyte, Phonolithe, über ganz Mitteldeutschland, besonders gehäuft am Rhein (Siebengebirge), im Westerwald, Vogelsberg, in Hessen und Thüringen, im Erzgebirge, in der Lausitz, im Hegau. Die vielfache Gliederung Deutschlands zwingt zur Sonderung topographischer Abschnitte; insbesondere ist einerseits das Alpengebiet im S., anderseits das Norddeutsche Tiefland von dem dazwischenliegenden niedrigern Bergland zu trennen.

1) Die Alpen.

Die Alpen (s. d.), ein Hochgebirge, welches alle übrigen Höhenzüge Deutschlands weitaus überragt, treten auch hinsichtlich ihrer Zusammensetzung und der Natur ihrer Gebirgsformationen in Gegensatz gegen die nördlichern Gebiete; jedoch gehört nur ein geringer Teil, einer der Hauptabschnitte der nördlichen Kette, zum Deutschen Reich, nämlich die Algäuer Alpen (mit der 2650 m hohen Mädelergabel) zwischen Bodensee und Lech, die Bayrischen Alpen (mit der 2960 m hohen Zugspitze, dem höchsten Punkte des Deutschen Reichs) zwischen Lech und Inn und ein Teil der Salzburger Alpen (mit dem 2714 m hohen Watzmann und dem Königssee) im O. vom Inn. Dieser deutsche Teil der Alpen gehört zum Gebiet der nördlichen Kalkalpen. Die älteste Gruppe in dieser Formation ist die Trias: Buntsandstein (welchem vielleicht die Salzablagerungen von Berchtesgaden und Reichenhall beizuzählen sind), Muschelkalk in nur geringer Entwickelung, in desto größerer Keuper, das Hauptgestein der Kalkalpen. Letzterer zerfällt wieder in untern Keuperkalk und Hauptdolomit, von denen jener oftmals blendend weiße Bänke bildet und in langem Zug sich etwa auf der Tiroler Grenze hinzieht (auch die Zugspitze gehört ihm an), während dieser, leicht der Zerstörung ausgesetzt und daher stark zerklüftet, die Grundlage der plateauartigen Berge des Beckens von Berchtesgaden (mit aufgelagertem Dachsteinkalk als oberstes Glied der Keuperformation) bildet und die Hauptkette der Algäuer Alpen (Mädelergabel) zusammensetzt. Unter den Abteilungen des Jura tritt ganz besonders die Lias hervor, der auch die leicht verwitternden und einen fruchtbaren Boden gebenden Algäuschiefer, die Grundlage der Alpenwirtschaft in den Algäuer Alpen, angehören. Die andern Abteilungen des Jura sowie auch die der Kreide sind in dem hierher gehörigen Teil wenig entwickelt; jedoch bilden letztere eine schmale, oft unterbrochene Zone nahe dem Nordrand, der aus Eocän, dem ältern Tertiärgebirge, besteht. Im allgemeinen ist das Gestein der Alpen von den parallelen Formationen in den mitteldeutschen Gebirgen sehr verschieden, so daß als wahrscheinlich anzunehmen ist, daß zur Zeit der Bildung ein trennendes Gebirgsglied die heutige Donauebene durchzog. Diese, als Schwäbisch-Bayrische Hochebene zwischen den Alpen, dem Jura und den kristallinischen Gesteinen des Böhmisch-Bayrischen. Waldgebirges eingebettet, wird auf der Nordseite von Sigmaringen bis über Passau hinaus im allgemeinen von der Donau begrenzt und hat zu ihrer Unterlage die jüngsten Tertiärschichten (Miocän), die jedoch mit Diluvionen in den Hügelregionen bedeckt sind, während die tiefern Lagen mit Alluvionen, vielfach mit Moosen (Brüchern) ausgefüllt sind.