Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Deutschland

802

Deutschland (die mitteldeutschen Gebirgssysteme).

2) Das mitteldeutsche Gebiet.

Sehr verwickelt sind die Verhältnisse im mitteldeutschen Gebiet, in welchem sich nach Lage und Bau vier Systeme unterscheiden lassen.

1) Das Niederrheinisch-Westfälische Schiefergebirge, soweit es hierher gehört, ganz innerhalb des preußischen Staats, bildet ein Plateau, das der Hauptsache nach aus den Gliedern der Devonformation zusammengesetzt ist. Es ist ausgezeichnet durch seine Thalgliederung, die es in mehrere Teile zerlegen läßt. Westlich vom Rhein, der das Schiefergebirge von Bingen bis Bonn (von Bingen bis Koblenz fast ohne Thalsohle) durchbricht und sonach das ganze Plateau in zwei Flügel teilt, sind: der Hunsrücken (s. d.) zwischen Nahe, Saar und Mosel, mit dem 815 m hohen Walderbeskopf im Hochwald; die an vulkanischen Gesteinen reiche Eifel (s. d.) im N. von der Mosel, mit der Hohen Acht (760 m); das Hohe Venn (s. d.), eigentlich nur das nordwestlichste Glied der Eifel, kahl und öde und in seinem höchsten Teil große Torfmoore umschließend. Im O. vom Rhein sind: der Taunus (s. d.) mit dem Großen Feldberg (880 m), zwischen Main und Lahn; der Westerwald (s. d.) zwischen Lahn und Sieg, mit dem Siebengebirge (s. d.); das Sauerländische Gebirge (s. d.) mit dem Kahlen Astenberg (830 m), im Regierungsbezirk Arnsberg nordwärts bis zur Ruhr und Möhne. Auf der Westseite des Rheins tritt das produktive Steinkohlengebirge in der nördlichen Abdachung zum Tiefland bei Aachen und auf der Südseite an der Saar, nebst einem von Porphyr und Melaphyr vielfach durchbrochenen Gebiet von Rotliegendem an der Nahe, auf der Grenze gegen das Muschelkalkgebiet des Oberrheinischen Gebirgssystems und die Braunkohlenlager des Mainzer Beckens hervor. Auf der Ostseite des Rheins liegt das durch seinen Kohlenreichtum ausgezeichnete Ruhrkohlengebiet gleichfalls auf der Grenze gegen das Tiefland und ist nordwärts bereits unter den jüngern Schichten desselben begraben. Ältere Schichten des Kohlengebirges (Kulm, flözleerer Sandstein) bilden an der Möhne im Arnsberger Wald und auf der Ostseite in dem in das Buntsandsteingebiet halbinselartig vorspringenden Hainaschen Gebirge die äußersten Glieder des Schiefergebirges, von der Diemel bis fast zur Schwalm von der Zechsteinformation eingefaßt.

2) Das Oberrheinische Gebirgssystem umfaßt die Gebirge im südwestlichen D. und erstreckt sich längs der Ostseite des Schiefergebirges bis über die Weser hinaus, hier vielfach in das folgende System eingreifend. Seine Hauptglieder sind die Vogesen- und der Schwarzwald (s. d.), die beide, obwohl durch die Oberrheinische Tiefebene (s. d.) getrennt, die innigste Verwandtschaft zeigen: starke Abfälle zur Tiefebene, sanftere nach der entgegengesetzten Seite, gleichen Bau (Granit mehr in den Vogesen, Gneis mehr im Schwarzwald), fast gleiche Höhe (dort der Sulzer Belchen 1432 m, hier der Feldberg 1495 m). Während aber der Schwarzwald mit dem Aufhören des Buntsandsteins bereits in der Breite von Karlsruhe, mit dem Thal der Pfinz, vollständig sein Ende erreicht, setzen sich die Vogesen im N. des Breuschthals als niedriges Buntsandsteingebirge (Haardt [s. d.] in der bayrischen Pfalz) bis zum Landstuhler Bruch fort, wo sich im N. das umfangreiche Gebiet des Rotliegenden und das Steinkohlengebirge von Saarbrücken anschließen. Auf der Ostseite des Rheins erscheint in der Fortsetzung des Systems der Odenwald (s. d.), am großartigsten am Neckardurchbruch bei Heidelberg und längs der Bergstraße, woselbst Granit und Syenit vorherrschen, mehr einförmig im O., wo der Buntsandstein verbreitet ist, der sich auch über den Main im Spessart (s. d.) und zwischen den vulkanischen Gebilden der Rhön (s. d.) und des Vogelsbergs (s. d.) in das nördliche Hessen hinein fortsetzt und auf der östlichen Seite der Weser mit dem Sollinger Wald (s. d.) endet. Das nordhessische Buntsandsteingebirge, das auf der Grenze gegen das Hercynische System (an der Werra etc.) durch die Zechsteinformation markiert wird, ist ausgezeichnet durch das zahlreiche Vorkommen von Basalten (Meißner 749 m), die sich aber wiederum vorzugsweise auf ein von mittlern Schichten der Tertiärformation (Oligocän) angefülltes Becken, das sich von Kassel südwärts bis zur Schwalm erstreckt und reich an Braunkohlenlagern ist, konzentrieren. Dieses Becken, in dem sich westlich von Kassel der basaltische Habichtswald (s. d.) erhebt, setzt sich nach S. fort, scheidet bei Gießen den Vogelsberg vom Schiefergebirge und endet, aber ohne Basalte, mit dem schon genannten Mainzer Becken. Erwähnung verdient noch die in der Oberrheinischen Tiefebene isoliert liegende vulkanische Gruppe des Kaiserstuhls (s. d.), westlich von Freiburg.

3) Das Hercynische oder Sudetensystem nimmt einen größern Raum ein als die beiden vorigen Systeme. Seine Bergzüge erstrecken sich vorzugsweise von SO. nach NW. und bilden zwei Reihen: die südliche beginnt mit dem Böhmisch-Bayrischen Waldgebirge und endet mit dem Teutoburger Walde, die nördliche umfaßt die Gebirge Schlesiens, sodann den Harz und das Wesergebirge; innerhalb beider Reihen tritt vorzüglich das Erzgebirge hervor. In den höhern Gebirgen dieses Systems sind die kristallinischen Gesteine (Granit, Gneis, Glimmerschiefer) sehr verbreitet. a) In der südlichen Reihe: das Böhmisch-Bayrische Waldgebirge (s. Böhmerwald), fast durchaus aus kristallinischem Gestein bestehend, zerfällt mit seinem höhern, südöstlichen Teil in den eigentlichen Böhmer- oder Bayrischen Wald, ein ausgedehntes Waldgebirge auf der böhmisch-bayrischen Grenze (der Große Arber in Bayern 1453 m), in eine waldreiche Nebenkette in Böhmen mit dem Kubany und in das bereits sehr entwaldete Donaugebirge (Dreitannenriegel 1216 m) in Bayern, das auf der Nordseite der Donau sich von Passau bis Regensburg erstreckt. Der niedrigere, nordwestliche Teil, von jenem durch die Becken von Bodenwöhr, Cham, Furth und Klattau (in Böhmen) geschieden, führt auf bayrischer Seite den Namen Oberpfälzer Wald, auf böhmischer Czerkowgebirge und reicht bis an das Fichtelgebirge (s. d.). Die Nab-Wondreb-Ebene liegt auf der Grenze gegen das letztere, das bis 1055 m (Schneeberg) ansteigt, gleichfalls in seinen verschiedenen Zügen aus kristallinischen Gesteinen besteht und eine wichtige Wasserscheide zwischen Donau, Elbe und Rhein abgibt. Die nördlich liegende Platte, der Frankenwald (Döbraberg 799 m), zeigt im Bau noch eine Verwandtschaft mit dem Fichtelgebirge, die aber mit dem Beginn des Thüringer Waldes (s. d.) aufhört. Der breitere, südöstliche Teil desselben ist vorzugsweise aus Silur, Devon und älterm Kohlengebirge (Kulm) zusammengesetzt; der schmälere, nordwestliche (Großer Beerberg 984 m) aber zeigt neben Porphyr, Melaphyr und Rotliegendem wiederum kristallinisches Gestein (Granit) und wird auf beiden Seiten von der Zechsteinformation eingefaßt, die auch den äußersten Nordsaum des südöstlichen Teils bezeichnet und gegen NW., wie schon gesagt, auf der Grenze gegen das Buntsandsteingebirge des nörd-^[folgende Seite]