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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Deutschland

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Deutschland (Klima).

IV. Klima. Vegetation. Tierwelt.

D. liegt in der gemäßigten Zone. Nur die Alpen erheben sich in ihren höchsten Gipfeln in die Region des ewigen Schnees; die höchsten Gebirge Mitteldeutschlands bleiben dagegen weit darunter zurück und gestatten sogar auf ihren höchsten Höhen dem Menschen noch sommerlichen Aufenthalt, und nur an einzelnen Punkten, gegen Sonne und Wind geschützten Einsenkungen, wie in den Schneegruben des Riesengebirges, halten sich Schneeflecke wohl bis in den Sommer und zuweilen einige Jahre hindurch. Ist auch das höhere Bergland rauh, so sind dagegen die Einsenkungen im Innern Thüringens, selbst die Elbniederungen, vor allen aber die Einsenkung am Oberrhein, um so milder; hier am Rhein blüht schon die Mandel, blühen selbst die Obstbäume, während die Rücken der Rhön, des Westerwaldes und andrer Gebirge noch mit Schnee bedeckt sind; aber selbst auf diesen Höhen gedeihen noch die Kartoffel und passende Arten von Getreide. Ganz D. liegt im Gebiet, wo der zurücklaufende warme und feuchte Passatwind siegreich den Kampf mit der kalten Polarströmung besteht, in der Zone der wechselnden Niederschläge, wo der Sommer Regen, der Winter Regen oder Schnee bringt und wässerige Niederschläge in allen Jahreszeiten erfolgen. 40-50 cm jährliche Regenhöhe gibt es auf dem Norddeutschen Landrücken, im Posenschen, in dem ebenen Landstrich von Mühlhausen in Thüringen bis Bernburg etc.; 50-60 cm in der pommerschen und mecklenburgischen Küstenebene von Lauenburg (Pommern) bis Lübeck, im größten Teil von Schlesien, in Brandenburg, in der Ebene des Königreichs Sachsen, in Thüringen bis an das Waldgebirge, in Hannover im weiten Umfang der Lüneburger Heide, am Rhein im Übergang aus der Oberrheinischen Tiefebene zum Schiefergebirge etc.; 60-70 cm im nördlichen Ostpreußen, an der schleswig-holsteinischen Ostseeküste, in der Ebene des nordwestlichen D. bis an das Schiefergebirge, in den niedern Gegenden des Erzgebirges, in der Bayrischen Hochebene, im größten Teil von Württemberg und in der Oberrheinischen Tiefebene etc. Noch bedeutender ist die Regenhöhe an der Nordseeküste (70-90) und in den Gebirgen: auf dem Riesengebirge bis 110, dem Erzgebirge bis 90, dem Oberharz (Brocken) bis 170, dem Rheinisch-Westfälischen Schiefergebirge bis 105, den Alpen und dem Schwarzwald bis 140, den Vogesen bis 110 cm etc. In der Regel finden in den Monaten Juni, Juli und besonders im August die reichsten Niederschläge statt, während Januar, Februar, März, November und Dezember am geringsten mit ihnen bedacht sind.

Die Temperaturverhältnisse eines Landes finden ihren anschaulichsten Ausdruck in der Vegetation. Da finden wir denn durch ganz D., wo der Boden sich dazu eignet, Weizenbau; aber nur im Neckar- und Rheinthal reift der Mais auf den Feldern, während er im N. nur zur Grünfütterung benutzt wird. Der Weinstock reicht bis an die untere Werra bei Witzenhausen, im O. bis zu den Sandhöhen der Lausitz und Niederschlesiens (Grünberg), selbst in der Mark noch bis zur Havel. Im Mittelalter war die Weinrebe fast über das ganze Gebiet des Deutschen Reichs verbreitet. Strenge Winter, der Dreißigjährige Krieg und noch mehr die Einsicht, daß der Gewinn aus der Kultivierung der Rebe in nicht günstig gelegenen Gegenden doch nur ein sehr fraglicher sei, haben alsdann ein bedeutendes Rückschreiten veranlaßt. An der Haardt und an der Bergstraße reifen die echte Kastanie und die Mandel, die Walnuß noch in Norddeutschland. Treffliches Obst liefern alle den Spätfrösten nicht ausgesetzten Lagen Schwabens, Frankens, Thüringens; die Küstenländer der Ostsee führen es in Menge aus. Geographische Breite, Höhe über dem Meer, Umgebung bestimmen die mittlere Temperatur eines Ortes; mit der Entfernung von der See wächst der Unterschied zwischen den kältern und wärmern Monaten. Längs der Ostseeküste oder in der Nähe derselben steigt die jährliche Durchschnittswärme von 6,2° C. im nordöstlichen Ostpreußen bis auf 8,4° zu Kiel, während der dahinterliegende Norddeutsche Landrücken in Westpreußen noch nicht 6° (Schönberg, 250 m hoch, 5,7°) und in den höhern Lagen weiter westlich, selbst bis Hinrichshagen in Mecklenburg, noch nicht 8°, an seinen Gehängen aber und in den niedrigern Teilen über 8° zeigt (Stettin und Schwerin 8,2°). Vom Norddeutschen Landrücken bis zu den Bergländern im O. von der Elbe bewegt sich der jährliche Durchschnitt zwischen 7,5 und 8,6 (Berlin 9°), fällt im schlesischen Bergland auf 6-7, zu Wang im Riesengebirge in einer Höhe von 574 m auf 4,46°. Ähnlich ist es im Königreich Sachsen: in der Ebene 7-8,5° (Dresden ausnahmsweise 9,2), in den niedrigern Berglandschaften 6-7, in den höhern Teilen des Erzgebirges 4-5° (Reizenhain 777, Oberwiesenthal 917 m ü. M.). In der Tiefebene im W. von der Elbe ergibt der jährliche Durchschnitt wenig unter 8,5° längs der Elbe, ein Geringes mehr an der Nordseeküste (auch in Schleswig), weiter westlich von der Weser bis zum Rhein 9-10, zu Köln selbst 10,1°. Im Bergland vom Harz bis zum Main zeigen die mäßig hohen Landschaften 7-8,5, der Brocken (1142 m hoch) nur 2,4°. Auf der Höhe des Schiefergebirges, das bis dahin wenig beobachtet worden ist, dürfte auf den rauhen Flächen der jährliche Durchschnitt 6° nicht übersteigen; die Rand- und Thalstationen haben aber 7,5-10 (Koblenz 10,5°). Im nordöstlichen Bayern findet man in den Regionen von 400-550 m Höhe 6-7, in den tiefer gelegenen 7,5-10°. Auf der Bayrischen Hochebene haben die hoch gelegenen Punkte (Bogenhausen, Kempten) 7°, Hohenpeißenberg (971 m hoch) nur 6, die Stationen in den Bayrischen Alpen (Mittenwald, 910 m ü. M.) ebenfalls 6-7, dagegen die tiefer und günstiger gelegenen Teile (Lindau, München, Freising, Passau) 7,5-9, Reichenhall sogar über 10°. Im südwestlichen D. zeigen unter 7,5° nur die hoch gelegenen Orte (Freudenstadt, 729 m hoch, 7), die in der Höhe von 350-400 m 7,5-8,5, von 200-350 m 9-10 und endlich die Orte in der Oberrheinischen Tiefebene bis Straßburg sowie auch das Neckarthal bis Stuttgart hinauf 9,5 bis 11° (Stuttgart 9,6, Heilbronn 10,2, Heidelberg 10,8, Darmstadt 10,3, Mannheim 10,5, Karlsruhe 10,4, Straßburg 9,8°). Nach dem Stande der Sonne ist D., wie Europa überhaupt, mit einem viel größern Wärmequantum bedacht, als ihm eigentlich zukommt; Berlin z. B. hätte nur das Klima von Petersburg zu beanspruchen. Diese im allgemeinen günstige Lage, veranlaßt hauptsächlich durch den Einfluß des Golfstroms, ist aber auch die Ursache der gewaltigen Schwankungen nicht allein in den Monats- (am wenigsten im September), sondern auch in den Jahresmitteln: Schwankungen, deren Unterschiede im jährlichen Mittel 3-4°, in dem Mittel der Monate Mai und Juni 6-7 und im Mittel der Wintermonate 12-13° zeigen. So betragen nach vieljähriger Beobachtung die Unterschiede im Januar in Berlin 17°, Breslau 16, Danzig 12, im April in Berlin 9, Breslau 12, Danzig 6, im September in Berlin 5, Breslau 7, Danzig 5 und im Dezember in Berlin 16,