Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Deutschland

825

Deutschland (Stein- und Braunkohlen).

durch seine Silberproduktion Freiberg i. S. hervor, woselbst der Bergbau schon 1168 begann; die durch ihn ins Leben gerufene und 1765 gestiftete Bergakademie ist gleichsam der Mittelpunkt aller berg- und hüttenmännischen Wissenschaften. An die edlen Metalle schließen sich die besonders in Nürnberg und Fürth betriebenen Gold- und Silberschlägereien an, welche die Welt mit echtem und unechtem Blattgold und Silber versehen, die Fabrikation des echten und unechten (leonischen) Gold- und Silberdrahts und der Tressen (Lyoner Waren), die Silberarbeiten Augsburgs, Berlins, die Gold- und Silberwarenfabriken von Pforzheim, Ellwangen und Hanau, die Bijouteriewarenfabriken von Offenbach. Der Kupferertrag ist gering, am bedeutendsten im Mansfeldischen und im Regierungsbezirk Arnsberg. Die Produktion der Bergwerke beläuft sich jährlich auf etwa 613,000 Ton. Kupfererze, die der Hütten auf fast 18,000 T. Garkupfer, wovon mehr als zwei Drittel auf Mansfeld entfallen; in das deutsche Zollgebiet wurden 1884: 13,818,800 kg Garkupfer ein- und 6,905,500 kg ausgeführt. Bleierze werden vorzüglich in den Regierungsbezirken Aachen (am Bleiberg), Oppeln, Köln, Wiesbaden, auf dem Oberharz (Regierungsbezirk Hildesheim), im Königreich Sachsen bei Freiberg und in Braunschweig, im Durchschnitt jährlich 170,000 T. gewonnen. Die Hüttenproduktion ergab 1884: 94,809 T. Blei und 4920 T. Glätte (87,736 T. Blei allein in Preußen und zur Hälfte wieder im Regierungsbezirk Aachen). Die Einfuhr an Blei und Glätte in das deutsche Zollgebiet betrug 1884: 3464, die Ausfuhr 56,191 T. Wismut kommt aus Sachsen, Antimon aus Thüringen und dem Regierungsbezirk Arnsberg, Kobalt, den nur noch wenige Blaufarbenwerke verarbeiten, aus Sachsen und dem Regierungsbezirk Kassel, Nickel aus Sachsen und den Regierungsbezirken Merseburg und Koblenz, Zinn und Wolfram aus dem sächsischen Erzgebirge (Altenberg). Nürnberg vor allem erzeugt viele Spielwaren aus Zinn und Komposition, Zinnwaren außerdem Lüdenscheid in Westfalen. Der Gewinn von Manganerzen oder Braunstein ist von Bedeutung an der Lahn im Regierungsbezirk Wiesbaden, nächstdem in Thüringen. Quecksilber wird nur in geringer Menge in Westfalen gewonnen, dagegen ist die Ausbeute an Zink von der größten Wichtigkeit (1884: 125,276 T. Rohzink) und zwar an entgegengesetzten Punkten des preußischen Staats, in Oberschlesien um Beuthen und Kattowitz und in den Regierungsbezirken Aachen, Düsseldorf und Arnsberg. Preußen liefert über die Hälfte alles für die Messingbereitung nötigen Zinks, welches in den Handel kommt, und es bildet dies einen wichtigen Exportartikel für England. Im Zinkguß steht Berlin obenan. Ebenso werden hier die Galvanoplastik und Neusilberverarbeitung im großen betrieben; letztere sowie die Messingverarbeitung beschäftigen aber auch im Arnsbergischen und in Nürnberg viele Hände.

Stein- und Braunkohlen etc.

Von höchster Wichtigkeit für die gewerbliche Entwickelung in der Neuzeit sind aber die Steinkohlen geworden. D. besitzt 7 große Ablagerungen von Steinkohlen, von denen 5 auf den preußischen Staat und 2 auf Sachsen kommen. Das größte aller Lager, nicht allein in D., sondern auf dem europäischen Kontinent überhaupt, ist das in Oberschlesien, das auch nach Rußland und Österreich hinüberreicht, in D. aber seine mächtigste Entwickelung in den Kreisen Kattowitz, Beuthen und Zabrze hat. Soweit das Kohlengebirge hier an die Oberfläche tritt, umfaßt es einen Flächenraum von 550-600 qkm (10-11 QM.); mit den in noch erreichbarer Tiefe unter jüngern Gebilden lagernden Kohlenschichten steigt aber der Flächeninhalt auf 1400 qkm (25 QM.). Der Abbau dieses Kohlengebiets hat erst 1784 begonnen, und noch zu Anfang unsers Jahrhunderts betrug die Gesamtförderung an Steinkohlen in Oberschlesien jährlich nur 20,000 Ton., 1822: 200,000, 1884 aber 12,3 Mill. T. Das zweite Steinkohlenlager breitet sich in dem niederschlesischen Steinkohlengebirge, vorzugsweise im Kreis Waldenburg, aus. 1787 betrug die Kohlenausbeute auf diesem Lager 40,000, 1800: 100,000 und 1883 über 3 Mill. T. Das dritte große Steinkohlenlager im preußischen Staat liegt an der Ruhr in Westfalen und der Rheinprovinz, vornehmlich in den Kreisen Dortmund, Bochum, Essen, Duisburg und Hagen; seine Länge von Bramey bei Unna im O. bis Vluyn, woselbst das Steinkohlengebirge auf der linken Rheinseite unter Diluvialschichten erbohrt worden ist, beträgt 82 km, die Größe des an der Oberfläche liegenden Teils 8, die des überhaupt erschlossenen Gebiets 880 qkm (16 QM.). Im westfälischen Anteil belief sich die Ausbeute 1740 auf 30,000, 1800 auf 200,000 und 1883 auf 18,8 Mill. T., im rheinländischen 1827 auf 175,000, 1883 auf 9 Mill. T. Das niederrheinisch-westfälische Steinkohlenbecken (einschließlich der beiden Staatswerke zu Ibbenbüren und Borgloh) wies 1884 einen Absatz von 28,4 Mill. T. auf. Das vierte Steinkohlenlager, bei Aachen am nördlichen Fuß des Hohen Venn, hat mehr eine örtliche Bedeutung und liegt in zwei Becken an der Inde und an der Wurm; die Kohlenausbeute daselbst belief sich 1883 auf über 1,2 Mill. T. Das fünfte Steinkohlenlager, an der Saar zwischen Neunkirchen und Saarbrücken, ist für das südwestliche D. und namentlich für die Eisenindustrie von Elsaß-Lothringen von äußerster Wichtigkeit. Der größte Teil der Kohlenablagerung befindet sich im Regierungsbezirk Trier, kleinere Teile reichen aber auch nach Rheinbayern und in den Bezirk Lothringen hinüber. 1815 betrug die Kohlenausbeute in dem preußischen Anteil 100,000, 1883 aber 6 Mill. T.; dazu kamen 1883 in Lothringen 600,000 und in Rheinbayern 174,000 T. Kleinere Steinkohlenlager finden sich außerdem noch im preußischen Staat in der Provinz Sachsen bei Wettin an der Saale, bei Ibbenbüren in Westfalen und in der Wälderformation der Wesergebirge, besonders in Hannover. Von den beiden Kohlenbecken im Königreich Sachsen liegt das eine bei Pottschappel, unweit Dresden, das andre, wichtigere bei Zwickau und Chemnitz. Sachsen förderte 1845: 450,000, 1883 über 4 Mill. T. Steinkohlen. Kleinere Kohlenbecken gibt es weiter noch in Thüringen und Bayern am Thüringer Wald, in Baden am Schwarzwald, und endlich rechnet man die Kohlen der Tertiärformation am nördlichen Fuß der Alpen in Bayern gleichfalls den Steinkohlen zu. 1884 förderte D. überhaupt 57,233,875 T. Steinkohlen, davon Preußen 51,867,646, Sachsen 4,131,899, Elsaß-Lothringen 594,597, Bayern 530,859, die übrigen Staaten 108,874 T. Eingeführt wurden in das deutsche Zollgebiet 1884: 2,296,770 T., ausgeführt aus demselben 8,816,934 T. Steinkohlen. Eingeführt werden Steinkohlen besonders aus England in die Küstenländer, namentlich in die im O. von der Elbe, ausgeführt über die Landgrenzen nach Rußland, Österreich, den Niederlanden, Frankreich und Belgien.

Die Ablagerungsstätten der Braunkohle sind viel ausgedehnter als die der Steinkohle und zerfallen in eine westliche und eine östliche Gruppe. In der westlichen Gruppe unterscheiden wir das nieder-^[folgende Seite]