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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Deutschland

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Deutschland (Geschichte bis zur Völkerwanderung).

Deutschen Reichs, 1:850,000, Leipz. 1883, 10 Blätter). Eine von der kartographischen Abteilung der königlich preußischen Landesaufnahme herausgegebene Karte des Deutschen Reichs in 1:100,000 erscheint seit 1880. Wandkarten: "Post- und Eisenbahnkarte des Deutschen Reichs", 1:600,000 (offiziell, Berl. 1873-76, 12 Blätter); von Petermann (Gotha), H. Wagner (das.), Kiepert (Berl.), Handtke (Glogau) u. a.; Dechen, Geologische Karte von D. (Berl. 1869, 2 Blätter); Andree und Peschel, Physikalisch-statistischer Atlas von D. (Leipz. 1877); "Atlas der Bodenkultur des Deutschen Reichs" (hrsg. vom kaiserlichen Statistischen Amt, Berl. 1881, 15 Karten); Kiepert, Völker- und Sprachenkarte von D. (das. 1874).

Geschichte Deutschlands.

Übersicht der deutschen Könige und Kaiser.

Sächsisches Haus:

919-936 Heinrich I.

936-973 Otto I.

973-983 Otto II.

983-1002 Otto III.

1002-1024 Heinrich II.

Fränkisches Haus:

1024-1039 Konrad II.

1039-1056 Heinrich III.

1056-1106 Heinrich IV.

1106-1125 Heinrich V.

-

1125-1137 Lothar II. v. Sachsen

Hohenstaufen:

1138-1152 Konrad III.

1152-1190 Friedrich I.

1190-1197 Heinrich VI.

1198-1208 Philipp v. Schwaben; zugleich:

1198-1215 Otto VI. v. Braunschweig

1215-1250 Friedrich II.

1250-1254 Konrad IV.

-

1273-1291 Rudolf v. Habsburg

1292-1298 Adolf von Nassau

1298-1308 Albrecht I. v. Österreich

1308-1313 Heinrich VII. von Luxemburg

1314-1346 Ludwig IV. d. Bayer; zugleich:

1314-1330 Friedrich der Schöne von Österreich

Luxemburger:

1346-1378 Karl IV.

1378-1400 Wenzel

-

1400-1410 Ruprecht von der Pfalz

1410-1437 Siegmund von Luxemburg

Habsburger:

1438-1439 Albrecht II.

1440-1493 Friedrich III.

1493-1519 Maximilian I.

1519-1556 Karl V.

1556-1564 Ferdinand I.

1564-1576 Maximilian II.

1576-1612 Rudolf II.

1612-1619 Matthias

1619-1637 Ferdinand II.

1637-1657 Ferdinand III.

1658-1705 Leopold I.

1705-1711 Joseph I.

1711-1740 Karl VI.

-

1742-1745 Karl VII. v. Bayern

Habsburg-Lothringer:

1745-1765 Franz I.

1765-1790 Joseph II.

1790-1792 Leopold II.

1792-1806 Franz II.

-

Haus Hohenzollern:

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Seit 1871 Wilhelm I., König von Preußen.

Der Name "Deutsch" (s. d.) kommt für die Sprache der das ostfränkische Reich bildenden germanischen Stämme erst im 9. Jahrh. unsrer Zeitrechnung auf, für das aus demselben gebildete Volk und Reich erst im 10. Jahrh. Streng genommen darf man nur von König Heinrich I. (919-936) an, dem Begründer der sächsischen Dynastie, von einer "deutschen Geschichte" reden. Bis dahin bildeten die Stämme, aus welchen das deutsche Volk erwuchs, bloß einen Teil der großen germanischen Völkerfamilie, welche in ältester Zeit ganz Mittel- und Nordeuropa bewohnte, und welcher auch die zahlreichen Stämme angehörten, die zur Zeit der Völkerwanderung mächtige germanische Reiche in Italien, Gallien, Britannien, Spanien und Afrika gründeten. Nur ein kleiner Teil der Germanen blieb in den alten Wohnsitzen, von denen das ganze Gebiet östlich der Elbe überhaupt geräumt und durch die Slawen in Besitz genommen wurde. Während die meisten in das römische Reich eingedrungenen Germanen (mit Ausnahme der Angelsachsen) zu Grunde gingen und gänzlich verschollen oder, mit den Romanen in Sprache und Kultur verschmolzen, ihre germanische Nationalität verloren, teilten sich die in dem ursprünglich germanischen Gebiet zurückgebliebenen Germanen in zwei Gruppen, die Nordgermanen (Skandinavier) und die Süd- oder Westgermanen, welche letztern in der Zeit vom 5.-8. Jahrh. unter der Herrschaft des Frankenreichs vereinigt wurden und dadurch eine engere politische Zusammengehörigkeit gewannen. Diese wurde verstärkt, als durch die Teilungsverträge von Verdun (843) und Mersen (870) die Stämme des Frankenreichs, welche ihre germanische Nationalität bewahrt hatten, von den romanisierten endgültig getrennt wurden, und führte endlich zur Bildung einer neuen Nationalität, des deutschen Volkes, das sprachlich allerdings zunächst noch in eine hochdeutsche und eine niederdeutsche Hälfte geteilt war, allmählich aber auch in dieser Beziehung durch das Übergewicht des Hochdeutschen und dessen Erhebung zur allgemein gültigen Schriftsprache zu einem einheitlichen Ganzen verschmolz.

Vorgeschichte (bis 919).

Die erste Kunde von dem Gebiet der Nordsee und einem an deren Südostküste wohnenden Völkerstamm, welcher sich von den bis dahin der Welt des Altertums bekannten Völkern als einer eigenartigen Nationalität angehörig unterschied, hat uns der griechische Geograph Pytheas von Massilia überliefert, der im 4. Jahrh. v. Chr. in jene Gegenden vordrang. Die benachbarten Kelten und demnächst die Römer legten diesem Völkerstamm den Namen Germanen (s. d.) bei. Die West- und Südgrenze desselben reichte aber in ältester Zeit durchaus nicht so weit nach Westen und Süden wie jetzt. Der Rhein bildete im Westen, die Gegend am Main im Süden die Grenze der festen Wohnsitze, welche allerdings bald von verschiedenen Stämmen überschritten wurde, die teils keltische Völkerschaften verdrängten, teils sich unter ihnen niederließen und mit ihnen verschmolzen. Einige Stämme, wie die Cimbern und Teutonen (s. d.), drangen sogar bis an die Grenzen des römischen Weltreichs vor und wurden erst nach langen blutigen Kämpfen 102 und 101 v. Chr. vernichtet. Eine andre Germanenschar, die unter dem Suevenfürsten Ariovist sich im innern Gallien festgesetzt und einen beträchtlichen Teil des Landes sich unterworfen hatte, ward 58 v. Chr. von Cäsar am Oberrhein besiegt, worauf dieser alle auf das linke Rheinufer vorgedrungenen Germanen teils ausrottete, teils unterjochte. Das linke Rheinufer wurde darauf in die beiden römischen Provinzen Germania superior und Germania inferior eingeteilt. Das jenseit des Rheins gelegene eigentliche Gebiet der Germanen hieß Germania magna. Den westlichsten Teil desselben zwischen Rhein und Elbe, Donau und Nordsee bewohnten die drei Hauptvölker der Istävonen, Ingävonen und Hermionen, denen den Wohnsitzen nach die spätern Gesamtnamen der Franken am Rhein, der Sachsen an der Nordsee, der Thüringer im Mittelland entsprechen. Auch die dazu gehörigen Stämme haben an der Völkerwanderung teilgenommen, insofern die Franken sich über Belgien und das nördliche Gallien ausbreiteten und die Sachsen nach Britannien übersetzten. Indes die Hauptmassen dieser Stämme haben ihre ältesten Wohnsitze und vereinzelt auch ihre Volksnamen, welche zu landschaftlichen geworden sind, festgehalten, so die Hermunduren, d. h. Thüringer, die Katten (Hessen), Friesen, Sachsen, Angrivarier (Angeln) u. a. Diese westlichen Stämme der Germanen führten ein durchaus seßhaftes Leben, trieben Ackerbau und Viehzucht und hatten eine wohlgeordnete,