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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Devorieren; Devōt; Devotio; Dévouement; Devrient

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Devorieren - Devrient.

legte er die Oberkammerherrnstelle nieder und starb 2. Okt. 1764 in Spaa. Sein ältester Sohn, William, fünfter Herzog von D., geb. 1748, wurde 1766 Großschatzmeister von Irland und stand, wie seine ganze Familie, auf seiten der Opposition gegen die irische Politik des Hofs. Er starb 29. Juli 1811. Seine erste Gemahlin, Georgiana Cavendish, Herzogin von D., die Tochter des Grafen John Spencer, geb. 9. Juni 1757, glänzte ebensosehr durch Schönheit und Liebenswürdigkeit wie durch Geist und poetisches Talent und beteiligte sich lebhaft an den politischen Angelegenheiten. Sie starb 30. März 1806. Seine zweite Gemahlin, Elisabeth Hervey, Tochter des vierten Grafen von Bristol und Witwe von John Thomas Foster, gewann seit ihrer Vermählung mit dem Herzog von D. großen Einfluß auf die politischen Angelegenheiten und wandte sich nach dem Tod ihres Gemahls 1815 nach Rom, wo ihr Haus der Sammelplatz vieler ausgezeichneter Künstler und Gelehrten ward. Auf ihre Veranlassung wurden auf dem Forum romanum die Säulen des Phokas aufgedeckt und erschienen Annibale Caros Übersetzung der "Äneide" des Vergil mit ausgezeichneten Kupferstichen in 150 Exemplaren (1818, 2 Bde.) sowie die Illustrationen der fünften Satire des Horaz (Parma 1818) und ein Gedicht ihrer Freundin Georgiana (Rom 1816) im Druck. Sie starb 30. März 1824, mit Illustrationen zum Dante beschäftigt. William Spencer Cavendish, sechster Herzog von D., Sohn des vorigen aus erster Ehe, geb. 21. Mai 1790, ward Mitglied des Geheimen Rats, erwarb sich 1826 als Krönungsbotschafter in Moskau die persönliche Freundschaft des Kaisers Nikolaus und bekleidete vom Mai 1827 bis Februar 1828 am Hof Georgs IV. und zum zweitenmal vom November 1830 bis Dezember 1834 unter Wilhelm IV. das Amt eines Lord-Oberkammerherrn. Er war ein freigebiger Beschützer der Kunst und Litteratur, verfaßte auch selbst eine Beschreibung seiner alten Familiensitze unter dem Titel: "Handbook of Chatsworth and Hardwick" (1846). Nachdem er 18. Jan. 1858 unverheiratet gestorben, folgte ihm als siebenter Herzog von D. sein Vetter William Cavendish, Graf von Burlington, der Enkel des Lords George Cavendish, eines jüngern Sohns des vierten Herzogs von D., der 1831 die Grafenwürde erhalten hatte. Derselbe, geb. 27. April 1808, studierte zu Cambridge, vertrat die dortige Universität 1829-30 im Unterhaus und war nachher Parlamentsmitglied für Nordderbyshire, bis er 1834 bei dem Tod seines Großvaters seinen Sitz im Oberhaus einnahm. Von 1836 bis 1856 war er Kanzler der Universität London, zu deren Gründung er beigetragen. 1858 wurde er zum Lord-Lieutenant von Derbyshire ernannt; 1862 folgte er dem Prinzen Albert im Kanzleramt der Universität Cambridge. Sein ältester Sohn ist Spencer Compton Cavendish, Marquis von Hartington (s. d.), einer der Hauptführer der liberalen Partei im Unterhaus.

Devorieren (lat.), verschlingen.

Devōt (lat., "einer Gottheit gelobt"), ergeben, ehrfurchtsvoll, andächtig; Devote, eine Andächtige, meist aber s. v. w. Betschwester.

Devotio (lat.), bei den alten Römern ursprünglich jede Weihung an die unterirdischen Götter, insbesondere der feierliche und heilige Gebrauch, kraft dessen sich jemand zum Wohl des Vaterlandes durch einen freiwilligen Tod den unterirdischen Göttern weihte, wie z. B. Curtius, die Decier u. a. Zuweilen war die D. mit Exsecratio (wobei durch die Priester über Personen oder Städte feierliche Verwünschungen ausgesprochen wurden) oder mit Evocatio (Aufforderung an den Schutzgott einer belagerten Stadt, dieselbe zu verlassen) verbunden. Jetzt bezeichnet D. (Devotion) in der Kirchensprache die hingebende Verehrung Gottes und der Heiligen, dann Andacht (daher D. domestica, Hausandacht, Hausgottesdienst), auch Gelübde; endlich Unterwürfigkeit Höhergestellten gegenüber.

Dévouement (franz., spr. dewumāng), s. v. w. Devotion, Ergebenheit; Aufopferung.

Devrient (spr. dewrĭäng), eigentlich De Vrient, Name einer berühmten deutschen Schauspielerfamilie, die folgende Glieder zählt:

1) Ludwig, der genialste seines Namens, geb. 15. Dez. 1784 als Sohn eines Seidenhändlers zu Berlin, ward gegen seine Neigung für den Kaufmannsstand bestimmt, entzog sich aber der väterlichen Gewalt durch heimliche Flucht, schloß sich der Wandertruppe des Direktors Lange an und betrat 18. Mai 1804 in Gera zum erstenmal die Bühne unter dem Namen Herzberg als Bote in der "Braut von Messina". Nachdem er mit jener Truppe in mehreren Städten umhergezogen, fand er in Dessau ein festes Engagement, und hier war es, wo sich sein künstlerischer Genius entwickelte. Leider verfiel D. schon damals in eine ungeregelte Lebensweise und dadurch in zerrüttete Verhältnisse, die seine Studien hemmten und ihm nicht gestatteten, alle in ihm schlummernden Gaben durch sorgfältige Pflege zu entfalten. Seine 1807 eingegangene Ehe mit Margarete Neefe, der Tochter des bekannten Kapellmeisters in Dessau, unterbrach seine regellose Lebensweise nur auf kurze Zeit, da sie nach kaum einjähriger Dauer durch den Tod der Gattin wieder gelöst wurde. In der Folge war D. noch zweimal verheiratet. 1809 sah er sich endlich genötigt, die Dessauer Truppe heimlich zu verlassen. Er ging zuerst nach Breslau, ward dann (1815) durch die Vermittelung Ifflands nach Berlin berufen, wo er bald der gefeierte Liebling des Publikums wurde und bis an sein Ende blieb. Der übermäßige Genuß geistiger Getränke, dem er sich in Gesellschaft unterhaltender und geistvoller Genossen (darunter namentlich des Humoristen E. T. A. Hoffmann) Nächte hindurch hingab, zehrte vor der Zeit seine Kräfte auf; er starb 30. Dez. 1832. Die eigentümlichen Vorzüge Devrients als darstellenden Künstlers waren geniale Charakteristik und angeborner, echt poetischer Humor, worin er unter allen deutschen Komikern obenan stand. Er schaffte aus sich, mit gänzlicher Umänderung der Maske und des Redetons, täglich neue und gänzlich voneinander verschiedene Menschen und stattete dieselben mit Leben und Originalität aus. Dabei bediente er sich nie greller Mittel; sein komisches Produzieren war vielmehr leicht, ohne scheinbare Absicht und traf deshalb mit den Bildern der Natur in der vollendetsten, reinsten Objektivität wieder zusammen. Gleich groß stand aber D. als tragischer Künstler da. Franz Moor, Lear, Talbot, Richard III., Shylock, Mercutio, Schewa, Kooke, der Mohr in "Fiesco", Lorenz Kindlein waren seine Hauptrollen, von denen er mehrere gleichsam neu geschaffen hat, und eine Menge kleiner Charakterrollen erhielten durch ihn erst Leben und Bedeutung. Seine ganze Auffassungsweise, seine Mimik und Deklamation waren aber mehr charakteristisch ergreifend als in idealem Sinn schön zu nennen. Man hat ihn mit Recht eine dämonische Künstlernatur genannt, denn seine ganze äußere Erscheinung, seine Gebärden und Gesten, sein Organ übten die frappanteste Wirkung auf den Zuschauer aus. Vgl. Z. Funck, Aus dem Leben zweier