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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: De Wette; De Winne; Dew; Dewall; Dewedaschies

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Dew - De Winne.

Correggio und vor allen Posa. Vgl. Kneschke, Emil D. (Dresd. 1868). - Seine Gattin Doris, geborne Böhler, geb. 1805 zu Kassel, betrat 1816 in Prag in Kinderrollen die Bühne und begab sich 1817 nach Leipzig, wo sie sich bald zu einem der besten Mitglieder der Leipziger Gesellschaft ausbildete. Nach ihrer Vermählung mit Emil D. folgte sie diesem nach Magdeburg und Hamburg und fand dann in Dresden neben ihm ihren Wirkungskreis, wurde aber 1842 von ihm geschieden und verließ die Bühne. Sie starb 29. Mai 1882 in Blasewitz bei Dresden. Naive Rollen und sentimentale Charaktere gelangen ihr am besten.

5) Otto, geb. 3. Okt. 1838 zu Berlin, Sohn von D. 3), betrat 1856 in Karlsruhe die Bühne, brachte mehrere Übungsjahre in Stuttgart, Berlin und Leipzig zu und trat 1863 wieder beim Karlsruher Hoftheater ein, das er 1873 verließ, einem Ruf an das weimarische Hoftheater als Charakterspieler und Regisseur folgend. Hier war es, wo er 1876 die Aufsehen erregende Inszenesetzung beider Teile des Goetheschen "Faust" unternahm, deren Aufführung seitdem alljährlich wiederholt ward. Diese Bühneneinrichtung des "Faust" als "Mysterium in zwei Tagewerken" liegt gedruckt vor unter dem Titel: "Goethes Faust" (Karlsr. 1877). 1876 zum Oberregisseur des Hoftheaters in Mannheim ernannt, wurde D. 1877 zum Intendanten des neuen Frankfurter Stadttheaters berufen, sah sich aber im Februar 1879 veranlaßt, die Stelle wieder niederzulegen, und lebte darauf, nachdem er auch in Berlin, Köln und Düsseldorf seinen "Faust" zur Aufführung gebracht hatte, in Jena. Hier kam 1883 sein Jubiläumsfestspiel "Luther" (2. Aufl., Leipz. 1884) zur Aufführung, für dessen jährliche Wiederholung sich eine Gesellschaft bildete; von der Universität Jena wurde er zum Ehrendoktor ernannt. 1884 übernahm D. die Direktion des Hoftheaters zu Oldenburg. Er veröffentlichte: "Zwei Shakespeare-Vorträge" (Karlsr. 1869); das Schauspiel "Zwei Könige" (das. 1867); das Trauerspiel "Tiberius Gracchus" (das. 1871); das phantastische Volksschauspiel "Kaiser Rotbart" (das. 1871); das Festspiel "Was wir bieten" (Weim. 1873). Auch gab er die "Briefe Ifflands und Schröders an den Schauspieler Werdy" (Frankf. 1881) und "Das Freudenspiel am Hofe Ernst des Frommen" heraus.

Dew (pers. Diw), bei den Parsen Name der Geister des bösen Prinzips, von Ahriman geschaffen, um den Amschaspands (s. d.) entgegenzuwirken und die heilsamen Schöpfungen des Ormazd zu zerstören. Im Zendavesta heißen sie Daēvas. Die hervorragendsten unter den D. sind: Akomano ("böse Gesinnung"), der Gegner des Amschaspand Vohumano ("die gute Gesinnung"); Andra, der Sorge und Herzeleid unter den Menschen verbreitet und die Seelen der Verdammten in den Abgrund stürzt; Sauru, der die Könige zur Tyrannei, die übrigen Menschen zu Raub und andrer Ungesetzlichkeit verleitet; Äshma oder Äshmodaeva, der Asmodi der Bibel, ein Dämon der Gier und des Zorns; Astovidhotus ("Knochenzerleger"), der den Tod der auf gewaltsame Weise umkommenden Menschen verursacht; Apaosha ("Vertrockner"), der Dämon der Dürre und Mißernte; Buiti (wohl identisch mit unserm Butze in "Butzemann" und dem indischen Bhuta), s. v. w. Kobold, u. a.

Dewall, Johannes, s. Kühne.

Dewedaschies (Devadaschi), s. v. w. Bajaderen.

De Wette, Wilhelm Martin Leberecht, hervorragender protest. Theolog, geb. 14. Jan. 1780 zu Ulla bei Weimar, bezog 1799 die Universität Jena, ward daselbst 1805 akademischer Dozent, 1807 außerordentlicher Professor der Philosophie in Heidelberg, 1809 ebendaselbst ordentlicher Professor der Theologie und als solcher 1810 an die neugestiftete Universität Berlin berufen. Hier sah sich der freiheitliebende Mann nach Sands blutiger That veranlaßt, der ihm befreundeten gebeugten Mutter desselben in einem Trostschreiben vom 31. März 1819 seine Teilnahme zu bezeugen. "So wie die That geschehen ist", sagt er darin, "mit diesem Glauben, mit dieser Zuversicht, ist sie ein schönes Zeichen der Zeit. Die That ist, allgemein betrachtet, unsittlich und der sittlichen Gesetzgebung zuwiderlaufend. Das Böse soll nicht durch das Böse überwunden werden, sondern allein durch das Gute. Durch Unrecht, List und Gewalt kann kein Recht gestiftet werden, und der gute Zweck heiligt nicht das ungerechte Mittel." Am 28. Aug. 1819 auf außerordentlichen königlichen Befehl vor dem akademischen Senat unter Vorlegung einer Abschrift seines Briefs befragt, ob er sich zu diesem Brief bekenne, bat er um die Vorlegung seiner eignen Handschrift und zugleich um eine förmliche Untersuchung vor einem Gericht sachkundiger Männer. Vom Ministerium jedoch ohne weiteres seines Lehramtes enthoben, lehnte er einen ihm angebotenen Quartalgehalt ab und zog sich in seine Heimat zurück, wo er das ihm widerfahrene Unrecht in seiner Schrift "Aktensammlung über die Entlassung des Professors D. vom theologischen Lehramt in Berlin" (Leipz. 1820) dem öffentlichen Urteil vorlegte. Während seines Aufenthalts in Weimar vollendete er die Herausgabe seiner "Christlichen Sittenlehre" (Berl. 1819-21, 3 Bde.) sowie der "Briefe, Sendschreiben und Bedenken Luthers" (das. 1825-28, 5 Bde.) und legte in dem romanartigen Werk "Theodor, oder des Zweiflers Weihe" (das. 1822, 2 Bde.; 2. Aufl. 1828) seinen religiösen Entwickelungsgang dar. Da er, von der Gemeinde der Katharinenkirche zu Braunschweig zum Prediger erwählt, die landesherrliche Bestätigung nicht erlangte, folgte er 1822 einem Ruf als Professor der Theologie an die Universität zu Basel. Im J. 1829 ernannte ihn der Große Rat zum Mitglied des Erziehungsrats und beschenkte ihn mit dem Bürgerrecht der Stadt Basel. Er starb 16. Juni 1849 in Basel. Seinen litterarischen Ruf gründete er durch seine "Beiträge zur Einleitung in das Alte Testament" (Halle 1806-1807, 2 Bde.), das "Lehrbuch der hebräisch-jüdischen Archäologie" (Leipz. 1814, 4. Aufl. 1864), vor allem aber durch das kompendiöse und vielgebrauchte "Lehrbuch der historisch-kritischen Einleitung in die Bibel Alten und Neuen Testaments" (Berl. 1817 u. 1826), dessen alttestamentlicher Teil bis 1869 acht, der neutestamentliche bis 1860 sechs Auflagen erlebt hat. Mit nicht minder allgemeinem Beifall ward seine mit Augusti unternommene Übersetzung der Heiligen Schrift (Heidelb. 1809-12, 6 Bde.; 4. Aufl. 1858, 3 Bde.) aufgenommen. Gleichfalls weiteste Verbreitung unter den Studierenden der Theologie haben seine Kommentare gefunden, besonders der "Kommentar über die Psalmen" (Heidelb. 1829, 5. Aufl. 1856), sein "Kurzgefaßtes exegetisches Handbuch zum Neuen Testament" (Leipz. 1836 ff., in seinen einzelnen Teilen fortwährend neu aufgelegt), während man Ähnliches von den Versuchen einer systematischen Darlegung seines dogmatischen und ethischen Standpunktes, wobei er von der Philosophie seines Freundes Fries ausging, nicht sagen kann. Vgl. Wiegand, D., eine Säkularschrift (Erfurt 1879); Stähelin, D. nach seiner theologischen Wirksamkeit etc. (Basel 1880).

De Winne, Lievin, belg. Maler, geb. 1821 zu Gent, war Schüler von Félix Devigne und erwarb