Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

925

Diablerets - Diagnose.

Diablerets (spr. djablörä, "Teufelsberge"), steile, zerrissene Kalksteinwände und Felshörner im westlichen Flügel der Berner Alpen (3251 m), auf dem Scheitel mit Firnmulden belastet, welche das schlanke Oldenhorn (3134 m) überragen. Zu verschiedenen Zeiten, namentlich 1714 und 1749, haben sich gewaltige Felsmassen an den höhern Teilen abgelöst und, thalwärts stürzend, schöne Alpen samt zahlreichen Hütten überschüttet (s. Derborence). Die Alpenbewohner glaubten den Berg von Teufeln bewohnt und ließen wiederholt den "Eingang der Hölle" beschwören.

Diablotin (franz., spr. -täng, "Teufelchen"), Art Schokoladenplätzchen.

Diabōle (griech.), Beschuldigung, Verleumdung.

Diabŏlos (griech., eigentlich "Verleumder"), Teufel; daher diabolisch, s. v. w. teuflisch; Diabolismus, Teufelswerk, Teufelsherrschaft; Diabolologie, Lehre vom Teufel.

Diabrōsis (griech.), Durchfressung; daher in der Heilkunde eine Blutung per diabrosin, s. v. w. Blutung aus einem durch ein Geschwür angefressenen Gefäß.

Diachenium (griech.), s. Achene.

Diachylonpflaster (griech., im Volksmund Diakel oder Diakonuspflaster), s. Bleipflaster.

Diachym (griech.), in der Pflanzenanatomie das Parenchym der Blätter.

Diacŏnus, s. Diakon.

Diadelphus (griech.), zweibrüderig, besonders diadelpha stamina, in zwei Bündel verwachsene Staubfäden. Daher Diadelphia, 17. Klasse des Linnéschen Systems, Pflanzen mit zweibrüderigen Blüten enthaltend.

Diadēm (griech.), Band zum Zusammenhalten des Haupthaars, Stirnband, Kopfbinde; im orientalischen Altertum bei Ägyptern, Assyrern und Babyloniern Zeichen der Würde königlicher und andrer angesehener Personen. Bei den Hebräern Neser genannt, schmückte es die Könige und Hohenpriester in der Form einer goldenen, emporragenden Stirnplatte, die an der eigentlichen Kopfbedeckung angeheftet war, wohl auch durch Perlenschnüre oder goldene Kettchen gehalten wurde, die um die Schläfe gingen und hinten zusammengeknüpft waren. Das D. der Könige von Persien, Armenien und Parthien sowie der Königinnen war ein blau-weißes, breites Band, mit dem sie die Mütze umwickelten. Von den Persern ging es auf Alexander d. Gr. und seine Nachfolger über. Die Griechen schmückten damit schon früher mehrere Götter, namentlich den Zeus, die Hera und Aphrodite, und später wurde es ein allgemeiner Schmuck von Frauen (s. Fig. 1 und 2) und jungen Männern, namentlich olympischen Siegern (vgl. Diadumenos), ohne die Bedeutung königlicher Würde. Solche Diademe wurden aus Leder, Zeug und Metall gefertigt. Bei den Römern soll schon Ancus Marcius das D. den Tuskern entlehnt haben; doch war es in den Zeiten der Republik verhaßt, und noch Cäsar scheute den Widerwillen des Volkes vor demselben. Welcher Kaiser das eigentliche D. als Würdezeichen eingeführt hat, ist ungewiß. Nach Jordanis trug es Aurelian zuerst. Allgemein wurde sein Gebrauch, auch unter den nichtrömischen Fürsten Europas, erst seit Konstantin d. Gr., bis es später die Kronen verdrängten oder nur eine geringe Andeutung übrigließen. Die Damendiademe des Mittelalters und der Gegenwart, Kopfreife, die sich in der Mitte zu einer kleinen Spitze erheben, stammen aus dem Orient. - Über prähistorische Diademe s. Metallzeit.

^[Abb.: Fig. 1. Fig. 2. Diademe griechischer Frauen.]

Diadóchen (griech., "Nachfolger"), die Feldherren Alexanders d. Gr., welche seit seinem Tod 323 v. Chr. um die von ihm beherrschten Länder langjährige Kriege führten. Die bedeutendsten darunter waren: Antigonos und sein Sohn Demetrios Poliorketes, Antipatros und sein Sohn Kassandros, Ptolemäos, Seleukos, Lysimachos, Eumenes. Die Zeit dieser Kämpfe, welche durch die Schlacht bei Ipsos 301 einen gewissen Abschluß erhielten, heißt die Diadochenzeit. Es entwickelte sich damals ein neues, auf griechischer Bildung beruhendes System von Staaten, welche man als hellenistische zu bezeichnen pflegt. Die wichtigsten waren Ägypten unter den Ptolemäern, Syrien unter den Seleukiden und Makedonien unter den Nachkommen des Antigonos Gonatas, zu denen 282 v. Chr. noch das Reich von Pergamon unter den Attaliden kam. Alle diese Reiche wurden später dem römischen Reich einverleibt. Vgl. Droysen, Geschichte der D. (2. Aufl., Gotha 1878).

Diadochīt, s. v. w. Phosphoreisensinter.

Diadumĕnos, gefeierte Statue des griech. Bildhauers Polyklet, ein junger Wettkämpfer, der sich selbst die Siegerbinde umwindet. Man nimmt mit Wahrscheinlichkeit an, daß dieser von Plinius als "weicher Jüngling" bezeichnete, also zarte, feine, elegante Jüngling das Gegenstück bildete zu dem nicht weniger berühmten Doryphoros (s. d.) desselben Künstlers. Nachbildungen des D. besitzen wir in einer Farnesischen Statue und einer zweiten aus Vaison (beide jetzt im Britischen Museum).

Diaglyphisch (griech.), vertieft gestochen, gemeißelt; daher Diaglypten (Diaglyphen), in die Fläche einwärts gearbeitete Figuren, im Gegensatz zu den Anaglypten.

Diagnōse (Diagnōsis, griech.), Erkennung, Beurteilung; insbesondere das Urteil, welches sich der Arzt über das Wesen einer Krankheit bildet. Die Kunst, eine D. zu stellen, heißt Diagnostik; sie ermittelt den Namen der Krankheit und das Stadium, in welchem sie sich zur Zeit befindet; das Urteil über ihren mutmaßlichen Verlauf heißt Prognose (Vorhersage). Handelt es sich darum, unter zwei oder mehreren Möglichkeiten durch genaueste Sichtung aller Einzelerscheinungen die richtige Krankheit festzustellen, so spricht man von Differentialdiagnose. Die richtige D. ist die Grundbedingung für ein einzuschlagendes rationelles Heilverfahren; ohne D. kann nur ein Charlatan behandeln. Um zu einer D. zu gelangen, beginnt der Arzt mit dem Krankenexamen, durch welches er über die Vorgeschichte und den ersten Anfang des Leidens unterrichtet wird. Dann berücksichtigt er die subjektiven Klagen des Patienten, welche gewöhnlich, aber durchaus nicht immer auf die erkrankten Organe hinweisen; endlich stellt er eine objektive Untersuchung mit physikalischen, chemischen oder optischen Hilfsmitteln an, welche als physikalische Diagnostik den Hauptakt bildet. Aus dem