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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Diamant; Diamantbohrer; Diamantbord; Diamante

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Diamant - Diamante.

Die Kenntnis des Diamanten reicht hoch in das Altertum hinauf. Schon in der Bibel wird er unter dem Namen Schamir bei Jeremias als Graviergriffel, bei Hesekiel und Zacharias als Bild der israelitischen Hartnäckigkeit angeführt. Adamas (der Unbezwingliche) hieß der D. bei Griechen und Römern. Plinius führt ihn als das Wertvollste nicht allein unter den Edelsteinen, sondern unter allen menschlichen Gütern auf. Der D. zeige vor allem die Erscheinung der Antipathie und Sympathie. Der unbezwingliche D., welcher zwei der heftigsten Dinge in der Natur, Eisen und Feuer, nicht achte, werde durch Bocksblut gesprengt. In frischem warmen Blut maceriert, lasse er sich auf dem Amboß zu Teilchen zersprengen, welche mit den Augen kaum wahrnehmbar seien, die aber der Steinschneider in Eisen fasse, und mit denen er in jede Materie, so hart sie auch sei, graviere. Mit dem Magnet liege er in solchem Streit, daß er ihm selbst das Eisen entreiße. Er entkräfte das Gift, vertreibe den Wahnsinn etc. Größere Verbreitung nach dem Westen haben die Diamanten erst seit den Einfällen der Ghasnawiden nach Indien gefunden, und bis 1728 kamen sämtliche Diamanten von dort. Viele der durch Schönheit oder Größe ausgezeichneten Diamanten haben ihre Geschichte. Der ursprünglich größte und der berühmteste unter allen Diamanten ist der Kohinur, d. h. Lichtberg. Die Sage der Inder läßt ihn schon vor 5000 Jahren von dem Helden Karna, den das Epos "Mahâbhârata" besingt, im Kriege getragen werden. Geschichtlich tritt er übrigens erst auf, seit ihn der Herrscher von Malwa, Alaed din Khilji, zu Anfang des 14. Jahrh. auf seinen Raubzügen nach Nordkarnatik erbeutete und nach Dehli mitnahm. Er soll 672, nach andern 793 Karat gewogen haben. Als der Großmogul ihn 1665 Tavernier zeigte, wog er, durch das Ungeschick eines venezianischen Steinschleifers zerteilt, nur noch 280 Karat (Tafel, Fig. 8). Den Kohinur entführte Nadir Schah 1739 bei der furchtbaren Plünderung Dehlis nach Afghanistan, von wo er in den Besitz des Maharadscha Rundschit Singh und nach dem Untergang des Reichs der Sikh in den der Ostindischen Kompanie kam, die ihn 1850 dem englischen Kronschatz übergab. Durch Schleifen in Brillantform hat sich gegenwärtig sein Gewicht bis 106 1/16 Karat verringert (Tafel, Fig. 10). Der größte gegenwärtig genauer bekannte D. ist der D. an der Spitze des russischen Kaiserzepters, der Orlow (Textfig. 1 u. 2), von 194¾ Karat, von unvorteilhaftem Schliff, aber von ausgezeichnetstem Wasser. Sein größter Durchmesser beträgt 3,378 cm, seine Höhe 2,18 cm. Er stammt aus dem Thronsessel Nadir Schahs und wurde nach dessen Ermordung durch einen armenischen Kaufmann angekauft, von dem er 1772 für 450,000 Silberrubel und einen russischen Adelsbrief in den Besitz der Kaiserin Katharina II. überging. Der größte aller bekannten Diamanten aber ist im Besitz des Sultans von Matan auf Borneo; er ist vom reinsten Wasser, wiegt 367 Karat und hat eine eiförmige Gestalt mit einer einspringenden Höhlung am spitzern Ende. Man fand ihn um 1740 bei Landak; er gilt seitdem als der Talisman des Radschas und seiner Dynastie. Zu den schönsten Diamanten gehören noch der "Florentiner" oder "Großherzog von Toscana" (Tafel, Fig. 3 u. 5) von 133 1/8 Karat, etwas gelblicher Farbe und als reich facettierter Briolett geschliffen. Er gilt für den größten Diamanten Karls des Kühnen, wurde von diesem 1476 in der Schlacht bei Granson verloren, gelangte aus Privathänden in den mailändischen Schatz, dann an Papst Julius II. und findet sich jetzt im Schatz des Kaisers von Österreich. Auch der Sancy (Tafel, Fig. 6) von nur 53,5 Karat, aber erstem Wasser stammt von Karl dem Kühnen, welcher ihn 1477 in der Schlacht bei Nancy verlor. Durch viele Hände gelangte der Stein an den hugenottischen Edelmann Sancy. Als dieser nach Solothurn als Gesandter ging, erhielt er von Heinrich III. den Befehl, ihm als Pfand jenen Diamanten zu schicken. Der Diener, welcher ihn überbringen sollte, wurde aber unterwegs angefallen und ermordet, nachdem er den Diamanten verschluckt hatte. Sancy ließ den Leichnam öffnen und fand den Edelstein im Magen. Jakob II. besaß denselben, als er 1688 nach Frankreich kam. Später war er im Besitz Ludwigs XIV. und Ludwigs XV., der ihn bei seiner Krönung trug. 1835 wurde er um 500,000 Rubel für den russischen Kaiser angekauft. Für den vollkommensten und schönsten Brillanten gilt allgemein der Regent oder Pitt (Tafel, Fig. 2 u. 11) von 136,75 Karat, reinstem Wasser und vollendetstem Brillantschliff. Er stammt aus Ostindien, wurde von einem Matrosen an den Gouverneur des Forts St. George, Namens Pitt, verkauft und gelangte von diesem an den Herzog von Orléans. Zur Zeit der französischen Revolution war er in Berlin beim Kaufmann Treskow verpfändet. Später zierte er den Degenknopf Napoleons I., und noch jetzt befindet er sich im französischen Kronschatz. Der größte in Brasilien gefundene D., ein Brillant von reinstem Wasser, wog 254 Karat, wurde 1853 gefunden, wiegt nach dem Schnitt nur noch 125 Karat und ist als "Stern des Südens" bekannt. Er befindet sich in Privatbesitz (Tafel, Fig. 4 u. 12). Einen schönen blauen Diamanten von 44¼ Karat besitzt der Bankier Hope in Amsterdam (Tafel, Fig. 9), einen grünen Diamanten zeigt Tafelfig. 7. Außer den genannten haben indische Reisende noch andre große Diamanten beschrieben und abgebildet, zu welchen z. B. der Großmogul (Tafel, Fig. 1) von 279 Karat gehört. Vgl. Kleefeld, Der D. (Berl. 1876); Rose, Über die Kristallisation des Diamanten (das. 1877); Jacobs und Chatrian, Monographie du d. (Par. 1880); Jannetaz und Fontenay, D. et pierres précieuses (das. 1880); Streeter, The great diamonds of the world (Lond. 1882).

^[Abb.: Diamant Orlow. Fig. 1. Seitenansicht. Fig. 2. Ansicht von oben.]

Diamant, in der Buchdruckerkunst die kleinste der üblichen Schriftarten (s. d.); ihr Kegel hält vier typographische Punkte (Halbpetit). - Über D. im Befestigungswesen s. Graben.

Diamantbohrer, s. Erdbohrer.

Diamantbord, s. Diamant.

Diamante, Städtchen in der Argentinischen Republik, Provinz Entre Rios, am Parana, unterhalb Parana, mit Zollhaus und 1200 Einw.

Diamante, Juan Bautista, span. Theaterdichter, geb. 1626 zu Madrid, war Ritter des Ordens