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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Diantre - Diarbekr.

purpurroten Blumen mit gezacktem, dunklerm Ring und weißen Punkten, auf trocknen Grasplätzen, Rainen; D. Carthusianorum L. (Kartäuser- oder Blutnelke), mit karminroten, in Köpfchen gehäuften Blüten mit scharf kerbzahniger, gebarteter Platte, auf trocknen Hügeln, Wegrändern, Felsen; D. superbus L. (Prachtnelke), mit zu zwei und mehr stehenden, blaßlila oder blaßrosenroten, am Grunde der Platte mit grünlichem Fleck gezeichneten Blüten und fiederspaltig-vielteiligen Blumenblättern, wächst an Waldrändern und auf trocknen Wiesen und ist als Zierpflanze zu empfehlen.

Diantre (franz., spr. djāngtr, euphemistisch für diable), Teufel, besonders bei Ausrufungen.

Dianŭcum (griech.-lat.), Nußdicksaft.

Diapāson, griech. Name der Oktave, welcher beweist, daß die Griechen bereits die Identität der Oktavtöne erkannten, wenn auch ihre Notenschrift sie verschieden benannte; denn d. heißt das "alle Töne umfassende" Intervall, wobei "alle" s. v. w. sieben ist, nämlich die sieben Stufen der diatonischen Skala. D. cum diapente (Oktave und Quinte), die reine Duodezime; D. cum diatessaron (Oktave und Quarte), die reine Undezime. Bei den Franzosen ist D. (normal) die Normaloktave hinsichtlich der absoluten Tonhöhe, daher auch Bezeichnung für die Mensur der Instrumente, die Maßverhältnisse der Entfernung der Tonlöcher, Klappen, Saitenlängen etc., ferner für die Stimmung (Kammerton) und wird schließlich sogar für die Stimmgabel gebraucht.

Diapedēsis (griech.), s. Blut, S. 55, und Blutung.

Diapente (griech.), bei den Griechen und den Musikern des Mittelalters die reine Quinte; D. cum semitonio, die kleine Sexte; D. cum tono, die große Sexte; D. cum ditono, die große Septime; D. deficiens, die verminderte Quinte.

Diaphān (griech.), durchscheinend, durchsichtig. Daher Diaphanbilder, durch Tränken mit Firnis (Diaphanlack) durchscheinend gemachte farbige Bilder, welche auf eine oder zwischen zwei Glasplatten geklebt werden; auch s. v. w. Lithophanien. Diaphanradierungen erhält man durch Zeichnen mit der Radiernadel auf einer mit Ätzgrund überzogenen und durch Anräuchern geschwärzten Glasplatte, welche als Negativ benutzt wird, um auf photographischem Weg Kopien der Radierung zu erhalten.

Diaphanität, s. Durchsichtigkeit.

Diaphanomēter (griech.), von Saussure angegebener Apparat, um ein Maß für die Schwächung des Lichts durch die Atmosphäre zu erhalten. Auf einer weißen Scheibe von 2 m Durchmesser ist ein schwarzer Kreis von 0,6 m Durchmesser gezeichnet, auf einer zweiten weißen Scheibe von 0,2 m ein Kreis von 0,06 m Durchmesser. Stellt man beide Scheiben nebeneinander, so daß sie gleich stark beleuchtet erscheinen, und entfernt sich von ihnen, so verschwindet zuerst der kleine, dann der große Kreis. Absorbierte die Luft kein Licht, so müßten die Entfernungen, in welchen die Kreise verschwinden, in demselben Verhältnis stehen wie ihr Durchmesser. Dies findet aber nicht statt, sondern der große Kreis verschwindet früher, weil bei größerer Entfernung infolge der Lichtabsorption der Kontrast der schwarzen Scheibe und des weißen Grundes geringer wird. Nach Wild kann das Saussuresche D. wegen der für verschiedene Entfernungen verschiedenen Öffnung der Pupille des Auges keine zuverlässigen Resultate geben. Genauere Messungen haben de la Rive und Wild mittels eigentümlich konstruierter Apparate angestellt. Vgl. Atmosphäre, besonders S. 11.

Diaphanorāma (griech.), eine Art Diorama, gibt eine perspektivische Darstellung gemalter Landschaften mit künstlerischer Beleuchtung.

Diaphanoskōp (griech.), Apparat zur Durchleuchtung der Blasenwand; s. Beleuchtungsapparate, medizinische.

Diaphoenicum (griech.-lat.), Datteldicksaft.

Diaphŏnie (griech.), das "Auseinanderklingen", Gegensatz von Symphonie, in der Musik der alten Griechen s. v. w. Dissonanz, dissonierendes Intervall; im Mittelalter s. v. w. Organum (s. d.), die primitivste Art der Mehrstimmigkeit, in parallelen Quarten und Quinten.

Diaphŏra (griech.), in der Rhetorik die Andeutung oder Darlegung des "Unterschiedes" oder der Unähnlichkeit zweier Dinge; dann die Wiederholung eines Wortes in verschiedener, besonders in verstärkter Bedeutung, z. B. "Jeden Menschen, wenn er nur ein Mensch ist, muß dieses rühren".

Diaphorēsis (griech.), das Schwitzen; Diaphoretĭka, s. v. w. schweißtreibende Mittel.

Diaphragma (griech.), das Zwerchfell (s. d.); in der Optik s. v. w. Blendung, eine schwarze Platte mit zentraler Öffnung zur Abhaltung der störenden Randstrahlen bei Linsen; in galvanischen Elementen die poröse Scheidewand, welche die beiden Flüssigkeiten voneinander trennt.

Diaphthŏra (griech.), Verderbnis, Absterben.

Diaphysis (griech.), das Mittelstück eines Knochens.

Diaplasma (griech.), s. v. w. Bähung.

Diaporēsis (Aporia, griech.), Zweifel, eine Redefigur, mit welcher der Redner des bescheidenern Ausdrucks wegen erklärt, daß er nicht wisse, wo er anfangen, aufhören oder was er überhaupt sagen solle.

Diapsalma (griech.), Zwischengesang, mit dem der Chor in der Liturgie in den Gesang des Geistlichen einfällt.

Diapsephīsis (griech.), im alten Athen die Abstimmung eines Demos über die Rechtmäßigkeit des Bürgerrechts derer, die als Eindringlinge bezeichnet worden waren. Es wurde dabei jedes eingeschriebene Gemeindeglied verlesen und, wenn das Bürgerrecht eines Vorgelesenen angezweifelt wurde, durch die Abstimmung entschieden. War sie dem Betreffenden ungünstig, so wurde er aus dem Bürgerverband ausgestoßen und in den Stand der Schutzverwandten verwiesen. Machte er von dem ihm zustehenden Rechte der Appellation an einen ordentlichen Gerichtshof Gebrauch, und bestätigte dieser das Resultat jener Abstimmung, so ward er als Sklave verkauft. Die älteste bekannte D. fällt ins Jahr 445 v. Chr., wobei von sämtlichen Demen nicht weniger als 4760 Leute ausgestoßen wurden.

Diarbekr (Diarbekir), Hauptstadt des gleichnamigen Wilajets in der asiatischen Türkei (Kurdistan), am rechten Ufer des Tigris unter 37° 55' nördl. Br. gelegen, Residenz des Paschas, Sitz eines chaldäischen und jakobitischen Patriarchen und eines griechischen Bischofs. Der Ort ist von einer starken, mit 72 Türmen besetzten Mauer umgeben und wird durch eine auf hohem Basaltfelsen gelegene Citadelle (Itsch Kale) verteidigt. Die mit flachen Dächern versehenen Häuser steigen terrassenartig hintereinander auf. D. besitzt 16 Moscheen, darunter mehrere alte und berühmte, außerdem Bäder, Karawanseraien, Bazare. Die ca. 40,000 Einw. sind meist Kurden und Armenier, dann Turkmenen, Türken und verbannte Bulgaren. D. trieb früher schwunghaften Handel und unterhielt bedeutende Baumwollweberei; auch jetzt, obschon sehr gesunken, hat es noch ansehnlichen Handel in Roh-^[folgende Seite]