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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Dictum de omni et nullo - Diderot.

Dictum de omni et nullo (lat.), logischer Grundsatz: was der Gattung zukommt oder widerspricht, kommt zu oder widerspricht auch allen Arten und Individuen derselben. Beispiel: Bäume sind Pflanzen, Pflanzen haben Wurzeln, folglich haben die Bäume auch Wurzeln. Derselbe liegt der kategorischen Schlußart zu Grunde (vgl. Schluß).

Dictum de reciproco (lat.), logischer Grundsatz: wenn etwas dies oder jenes Ding ist oder nicht ist, so gibt es auch dies oder jenes Ding, welches die Eigenschaft von jenem Etwas hat und umgekehrt. Beispiel: wenn die Bäume zu den Pflanzen gehören, so gibt es auch einige Pflanzen, welche Bäume sind; oder: wenn kein Baum ohne einen Stamm ist, so ist auch eine Pflanze, die keinen Stamm hat, kein Baum. Derselbe liegt allen Umkehrungsschlüssen zu Grunde (vgl. Konversion).

Dictum factum, lat. Sprichwort: gesagt, gethan; wie gesagt, so geschehen.

Dicymen (griech.), s. v. w. Doppeltrugdolden (s. Blütenstand).

Dicypellium Nees, Gattung aus der Familie der Lauraceen, mit der einzigen Art D. caryophyllatum Nees (Persea caryophyllata Mart.), einem schönen Baum in Brasilien mit länglichen, lang zugespitzten, kahlen, unterseits bräunlichen Blättern, fünf- bis sechsblütigen, purpurroten Blütenrispen und elliptischer, oben genabelter Beere. Die nelkenartig riechende, feurig zimtartig schmeckende Rinde dieses Baums kommt als Nelkenzimt (Nelkenholz, Nelkenrinde, Cassia caryophyllata) nach Europa. Sie enthält ätherisches Öl, Harz, Gerbstoff und dient zu Likören, Parfümerien, besonders zur Verfälschung des Gewürznelkenpulvers.

Didáktik (griech.), Unterrichtslehre oder Unterrichtswissenschaft, der eine Hauptteil der Erziehungslehre oder Pädagogik (s. d.), der vom Unterricht als solchem handelt, während der zweite Teil dieser Wissenschaft die unmittelbare Erziehung oder Erziehung im engern Sinn zum Gegenstand hat. Die D. ihrerseits gliedert sich nach der üblichen Einteilung in die allgemeine D., welche auf psychologischer Grundlage die allgemeinen Grundsätze des Unterrichts entwickelt, und die besondere D. oder spezielle Methodik, welche die Anwendung dieser Grundsätze auf die einzelnen Unterrichtsfächer nachweist. In beiden Hauptteilen ist wieder von dem Gegenstand (Materie) des Unterrichts (Auswahl der Lehrfächer, Begrenzung des Stoffes) und von der Art (Form, Methode) der Bearbeitung (Abstufung und Gruppierung der Fächer, Anordnung des Stoffes etc.) zu handeln. Didaktisch, belehrend, lehrhaft, auf einen Lehrzweck gerichtet; Didaktiker, ein der D. Kundiger oder ein Lehrer der D. Vgl. Willmann, D. als Bildungslehre (Braunschw. 1882).

Didaktische Poesie, s. Lehrgedicht.

Didaskalĭa (griech.), Belehrung, Unterweisung, Unterricht, besonders die Unterweisung und Anleitung, welche die dramatischen Dichter Athens den zur Aufführung ihrer Stücke bestimmten Personen rücksichtlich des Vortrags etc. erteilten. Auch die Aufführung und das Stück selbst nannte man D.; namentlich aber hießen so die Verzeichnisse der aufgeführten Dramen mit Angabe ihrer Verfasser, der Zeit und des Erfolgs, mit dem sie aufgeführt wurden. Diese in Athen auf Steintafeln (von denen noch einzelne Fragmente erhalten sind) öffentlich aufgestellten Verzeichnisse wurden später abschriftlich in besondern Schriften gesammelt und wahrscheinlich vom Sammler mit eignen Bemerkungen und Erläuterungen über die verzeichneten Stücke begleitet. Schriften dieser Art gab es von Aristoteles, Dikäarchos, Kallimachos, Eratosthenes u. a.; sie wurden noch von spätern Grammatikern und Scholiasten bei ihren Kommentaren und Inhaltsangaben der alten Stücke benutzt, doch hat sich keine davon erhalten. Auch bei den Römern gab es ähnliche didaskalische Schriften, z. B. von Attius, Varro etc., die aber ebenfalls verloren sind.

Diday (spr. -dä), François, schweizer. Maler, geb. 1812 zu Genf, bildete sich in Paris und ließ sich dann in seiner Vaterstadt nieder. Hauptwerke von ihm sind: die Mühle zu Montreux, der Sturm (1831), die Sennhütte auf einer Alp im Meiringer Thal, Heimkehr einer Fischerbarke auf dem Genfer See im Sturm, alle durch großartige Auffassung, Wahrheit der Darstellung und treffliches Kolorit ausgezeichnet. Er war der Lehrer Calames und starb 28. Nov. 1877 in Genf.

Didelphys, Beutelratte.

Diderot (spr. did'ro), Denis, die Seele der französischen Encyklopädisten und einer der einflußreichsten Schriftsteller der revolutionären Aufklärungsperiode des 18. Jahrh., wurde 5. Okt. 1713 zu Langres in der Champagne als Sohn eines Messerschmieds geboren. Von den Jesuiten erzogen, soll er in seiner Jugend Neigung zum geistlichen Stand gefaßt haben; auf den Wunsch seines Vaters widmete er sich aber den Rechtsstudien. In Paris lernte er Philosophie, Mathematik und Physik, die schönen Wissenschaften und die tonangebenden Schöngeister der Zeit kennen, verlor, weil er seine Berufsstudien vernachlässigte, die Unterstützung seitens seines Vaters und wurde Schriftsteller. Unter den Schriftstellern seiner Nation hatte der Skeptiker Bayle den größten Einfluß auf ihn ausgeübt; in den Schriften der englischen Sensualisten und Freidenker begegnete ihm ein verwandtes Element. Er begann mit Übersetzungen: 1743 erschien die Übersetzung der Geschichte Griechenlands von Stanyan und 1745 sein "Essai sur le mérite et la vertu" (frei nach dem gleichnamigen Werk von Shaftesbury). Seine Neigung zur Opposition verriet sich hier in dem Umstand, daß er dem Verkünder der natürlichen Vernunftreligion gegenüber auf die Seite der Offenbarung trat und deren Möglichkeit verteidigte. Der in Frankreich herrschenden Gläubigkeit gegenüber kehrte er schon in den "Pensées philosophiques" (Haag 1746) und noch mehr in der 1747 geschriebenen, aber vor dem Druck mit Beschlag belegten "Promenade d'un sceptique" die entgegengesetzte Seite heraus. Erstere Schrift, in welcher das Parlament einen Angriff auf das Christentum erblickte, wurde auf dessen Befehl vom Scharfrichter verbrannt und erregte ebendarum außerordentliches Aufsehen. Letztere ist erst lange nach Diderots Tod in dem vierten Band seiner "Mémoires, correspondance et ouvrages inédits" (Par. 1830) veröffentlicht worden. Der Zweifel, den er darin dem Theismus vom deistischen Standpunkt aus entgegensetzt, macht schon in den rasch darauf gefolgten Schriften: "Introduction aux grands principes, ou réception d'un philosophe", "Lettre sur les aveugles, à l'usage de ceux qui voient" (Lond. 1749) und "Lettre sur les sourds et muets" (1751) dem Zweifel am Deismus selber Platz, der indes in dem von 1751 ab publizierten Hauptwerk Diderots, der "Encyclopédie, ou Dictionnaire raisonné des sciences, des arts et des métiers, etc." (Par. 1751-65, 17 Bde. und 2 Bde. Kupferstiche; Nachdruck z. B. Genf 1781, 37 Bde.), äußerlich noch festgehalten wird. Die meisterhafte Einleitung, welche nach Bacons Vorbild eine syste-^[folgende Seite]