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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Diedenhofen; Diefenbach; Dieffenbach

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Diedenhofen - Dieffenbach.

ter des wohlhabenden Pastors Hildebrand, lernte 1788 W. v. Humboldt (damals Göttinger Student) in Pyrmont kennen und ging 1798 eine Ehe mit einem Dr. jur. Diede in Kassel ein, die jedoch schon nach drei Jahren wieder getrennt wurde. Nachdem sie infolge der Kriegsunruhen ihr in braunschweigischen Papieren angelegtes Vermögen verloren, wandte sie sich um Rat in ihren Angelegenheiten an Humboldt, der damals als preußischer Minister dem Wiener Kongreß beiwohnte. Letzterer unterstützte sie großmütig und blieb mit ihr in Briefwechsel bis zu seinem Tod. Später gewährte ihr der König von Preußen eine Pension. Sie starb 16. Juli 1846 in Kassel. Humboldts klassische Briefe an sie (ihre eignen sind nicht mehr vorhanden) wurden nach ihrem Tod von Frau v. Lützow (Therese v. Bacheracht) unter dem Titel: "Briefe an eine Freundin" (Leipz. 1847, 11. Aufl. 1883) veröffentlicht und gehören zu den Zierden der deutschen Litteratur. Neuerdings erschienen "Briefe von Charlotte D. an Karl Schulz", den Bruder von Humboldts Sekretär (Leipz. 1883). Vgl. Piderit und Hartwig, Charlotte D. (Halle 1884).

Diedenhofen (franz. Thionville), Kreisstadt und Festung (155 m ü. M.) im deutschen Bezirk Lothringen, an dem linken Ufer der Mosel, 28 km unterhalb Metz gelegen, hat eine kath. Kirche, ein evang. Bethaus, ein Realgymnasium, eine Getreidehalle, bedeutenden Wein-, Obst- und Gemüsebau und (1880) mit Militär (3 Bataillone Infanterie Nr. 70, 1. pommersches Ulanenregiment Nr. 4, Artillerie) 7155 Einw., darunter 1264 Evangelische und 183 Juden. D., ein wichtiger Eisenbahnknotenpunkt (Eisenbahnen nach Metz, Luxemburg, Sedan, Trier), ist eine Festung nach altem System, mit einem Brückenkopf auf der rechten Moselseite und ohne große Bedeutung, da sie von den 1500-3000 m entfernten Höhen beherrscht wird. - D. bestand schon zur Zeit der Merowinger als Theudonevilla, Totonisvilla, Theodunvilla und war bereits unter Pippin (753) eine königliche Pfalz, in der mehrere Reichstage abgehalten worden sind, z. B. 835, wo die Absetzung Ludwigs des Frommen für ungültig erklärt wurde. Später gehörte D. zur Grafschaft Arlon und kam mit dieser an Limburg, im 13. Jahrh. aber an Lothringen. Nach dem Sieg Piccolominis über die Franzosen unter Feuquières bei D. (7. Juni 1639) wurde die Stadt 10. Aug. 1643 von Condé erobert, fiel 1683 an Frankreich und wurde durch Vauban neu befestigt. 1792, 1814 und 1815 ward D. von den Verbündeten vergeblich belagert. In dem deutsch-französischen Krieg von 1870/71 ward der General v. Kameke mit der 14. preußischen Infanteriedivision zur Eroberung von D. 9. Nov. von Metz aus entsandt und zernierte die Festung, die nach einem heftigen Bombardement 22.-24. Nov., wodurch ein großer Teil der Stadt zerstört wurde, kapitulieren mußte. Am 25. Nov. ward D. von den Deutschen besetzt; 120 Offiziere und etwa 4000 Mann wurden kriegsgefangen, 200 Geschütze und vieles Kriegsmaterial erbeutet. Vgl. Teissier, Histoire de Thionville (Metz 1828); Spohr, Die Belagerung von Thionville 1870/71 (Berl. 1875).

Diefenbach, Lorenz, Sprachforscher, geb. 29. Juli 1806 zu Ostheim in Hessen, studierte 1821-23 zu Gießen Theologie und Philosophie, fungierte eine Reihe von Jahren als Pfarrer und Bibliothekar in Solms-Laubach und ließ sich 1848 dauernd in Frankfurt a. M. nieder, wo er sich ganz der litterarischen Thätigkeit widmete und 1865 als zweiter Stadtbibliothekar angestellt wurde. Nachdem er 1876 in den Ruhestand getreten, ließ er sich in Darmstadt nieder, wo er 28. März 1883 starb. Außer litterarischen und politischen Aufsätzen und "Gedichten" (Gießen 1840-1841) veröffentlichte D. eine Reihe wissenschaftlicher Werke, von denen wir als die bedeutenden anführen: "Über Leben, Geschichte und Sprache" (das. 1835); "Celtica" (Stuttg. 1839-40, 3 Bde.); "Mittellateinisch-hochdeutsch-böhmisches Wörterbuch" (Frankf. a. M. 1846); "Pragmatische deutsche Sprachlehre" (2. Aufl., das. 1851); "Vergleichendes Wörterbuch der gotischen Sprache" (das. 1846-51, 2 Bde.); "Glossarium latino-germanicum mediae et infimae aetatis" (das. 1857), Ergänzung zu Ducanges bekanntem Werk, die im "Novum glossarium" (das. 1867) eine Fortsetzung erhielt; "Origines europaeae. Die alten Völker Europas mit ihren Sippen" (das. 1861); "Vorschule der Völkerkunde" (das. 1864) und "Hoch- und niederdeutsches Wörterbuch" (mit Wülcker, Frankf. u. Basel 1874-85, 2 Bde.); ferner die bei Ausbruch des russisch-türkischen Kriegs verfaßte Schrift "Die Volksstämme der europäischen Türkei" (Frankf. 1877) und "Völkerkunde Osteuropas" (Bd. 1: "Türkisches Reich", Darmst. 1880). Hierzu kommen noch Romane und Novellen: "Ein Pilger und seine Genossen" (Frankf. 1851); "Eschenburg und Eschenhof" (das. 1852); "Der Vertauschte" (das. 1858); "Arbeit macht frei" (Bremen 1873); "Novellen" (Frankf. 1856-1865, 2 Bde.); "Die Pfarrerskinder" (das. 1867); "Margarete" (Berl. 1868) u. a. D. war Mitglied der Berliner Akademie der Wissenschaften.

Dieffenbach, 1) Johann Friedrich, Chirurg, geb. 1. Febr. 1794 zu Königsberg i. Pr., studierte seit 1810 zu Rostock und Greifswald Theologie, diente 1813-1815 als freiwilliger Jäger und studierte seit 1816 Medizin, besonders Chirurgie, in Königsberg, seit 1820 in Bonn, promovierte 1822 zu Würzburg, durch seine Inauguralschrift "Über die Transplantation tierischer Stoffe" allgemeines Aufsehen erregend, begab sich sodann nach Berlin, wo sein operatives Talent überraschend schnell Anerkennung fand, und ward schon 1830 zum dirigierenden Wundarzt einer chirurgischen Abteilung des Chariteekrankenhauses, 1832 zum außerordentlichen, 1840 zum ordentlichen Professor und Direktor der chirurgischen Klinik ernannt. Er starb 11. Nov. 1847. Unter den verschiedenen Zweigen der Operativchirurgie hat namentlich die anbildende Chirurgie dem Scharfsinn Dieffenbachs ihre höchste Ausbildung zu verdanken. In der Rhinoplastik, Blepharoplastik, Ceratoplastik etc. sowie für viele andre Operationen hat er Verbesserungen und zum Teil ganz neue Methoden angegeben und namentlich die chirurgische Technik wesentlich vereinfacht. D. war nur ein Mann der Praxis; seine akademischen Vorträge waren ohne streng wissenschaftliche Haltung und, wie auch seine Schriften, durchaus kunstlos. Er schrieb: "Chirurgische Erfahrungen" (Berl. 1829-1834, 4 Abtlgn.); die Fortsetzung des Scheelschen Werkes "Die Transfusion des Bluts und die Einspritzung der Arzneien in die Adern" (das. 1827); "Über die Durchschneidung der Sehnen und Muskeln" (das. 1841); "Die Heilung des Stotterns" (das. 1841); "Über das Schielen" (das. 1842); "Die operative Chirurgie" (Leipz. 1844-49, 2 Bde.) und "Der Äther gegen den Schmerz" (Berl. 1847). Seine "Vorträge in der chirurgischen Klinik" wurden von K. Th. Meier (Berl. 1840) und französisch von Phillips (das. 1840) herausgegeben. Vgl. Breuning, Dieffenbachs chirurgische Leistungen in Wien (Wien 1841).

2) Ernst, Verwandter des vorigen, geb. 7. Jan. 1811 zu Gießen, studierte Medizin und Naturwissenschaft und beteiligte sich 1839 an einer Expedition nach