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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Diëspĭter; Dießbacher Blau; Diessen; Dießenhofen; Diest; Diestel; Diesterweg

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Diespiter - Diesterweg.

♯ findet sich vielmehr in seiner heutigen Gestalt und Bedeutung schon im 13. Jahrh. Das 15. Jahrh. schied aber das ♯ vom ♮, wenn auch noch nicht in konsequenter Weise (vgl. Versetzungszeichen). D. heißt auch in der modernen Tonbestimmung der Unterschied der enharmonisch identischen Töne, z. B. der übermäßigen Sekunde und kleinen Terz (dis:es = 125:128).

Diëspĭter (lat.), dichterisch s. v. w. Jupiter als der "Vater des lichten Tags".

Dießbacher Blau, s. v. w. Berliner Blau.

Diessen, Marktflecken im bayr. Regierungsbezirk Oberbayern, 560 m ü. M., am Ammersee, mit ehemaligem Chorherrenstift (im 9. Jahrh. gegründet, 1803 aufgehoben) und (1880) 1174 Einw., die Fischerei, Bierbrauerei und Hopfenbau betreiben. D. hatte im Mittelalter seine eignen Grafen aus dem Haus Andechs.

Dießenhofen, Bezirkshauptstadt im schweizer. Kanton Thurgau, 407 m ü. M., am Rhein (Dampferstation), mit bedeutenden Viehmärkten und (1880) 1964 Einw. D. wird 757 zuerst erwähnt, ward 1260 Stadt, kam nach dem Aussterben der kyburgischen Grafen an Österreich, bildete seit 1460 eine kleine Republik unter dem Schutz der acht alten Orte und Schaffhausens und wurde 1798 mit dem Kanton Thurgau vereinigt. In der Nähe von D. fanden 1799 mehrere Gefechte zwischen den Franzosen unter Moreau und den verbündeten Österreichern und Russen statt, infolge deren sich die Franzosen zum Rückzug über den Rhein genötigt sahen. Aus D. stammt der Chronist des 14. Jahrh., Heinrich von D. (s. d.)

Diest, Stadt und Festung in der belg. Provinz Brabant, Arrondissement Löwen, auf beiden Seiten der Demer, Knotenpunkt an der Eisenbahn Aachen-Antwerpen, hat eine höhere Knabenschule und (1884) 7599 Einw., welche Tuchfabriken, bedeutende Bierbrauereien und Brennereien unterhalten. Die Stadt war nach dem Aussterben der Herren von D. nacheinander im Besitz mehrerer nassauischer Linien. Philipp Wilhelm (gest. 1618), des Prinzen von Oranien ältester Sohn, ist in der Kirche St.-Sulpice daselbst begraben.

Diestel, Ludwig, namhafter protest. Theolog, geb. 28. Sept. 1825 zu Königsberg i. Pr., wurde 1851 Privatdozent zu Bonn und 1858 außerordentlicher Professor der Theologie daselbst. Als ordentlicher Professor wirkte er seit 1862 in Greifswald, 1867 in Jena, 1872 in Tübingen, wo er 15. Mai 1879 starb. Ein frei gesinnter Theolog, hat er 1872 die "Jenenser Erklärung" in Sachen Sydows veranlaßt, sich aber auch in der gelehrten Welt besonders durch seine "Geschichte des Alten Testaments in der christlichen Kirche" (Jena 1868) einen Namen gemacht.

Diesterweg, 1) Wilhelm Adolf, Mathematiker, geb. 27. Nov. 1782 zu Siegen in Westfalen, studierte Theologie, widmete sich aber später ganz den mathematischen Wissenschaften, habilitierte sich 1809 in Heidelberg, ward noch in demselben Jahr Professor der Mathematik und Physik am Lyceum zu Mannheim, 1819 ordentlicher Professor der Mathematik in Bonn, später auch Direktor der wissenschaftlichen Prüfungskommission und starb 13. Juni 1835 daselbst. Von seinen Schriften sind besonders die Übersetzungen des Apollonios von Perga: "De sectione rationis" (Berl. 1824), "De sectione determinata" (Mainz 1822), "De inclinationibus" (Berl. 1823), "De sectione spatii" (Elberf. 1827), endlich die nach der Methode der Griechen bearbeiteten geometrischen Aufgaben (2 Sammlungen, Berl. 1825, Elberf. 1828) zu nennen.

2) Friedrich Adolf Wilhelm, einer der bedeutendsten neuern Vertreter der deutschen Volksschulpädagogik, Bruder des vorigen, geb. 29. Okt. 1790 zu Siegen, besuchte die Universitäten Herborn und Tübingen, um Mathematik, Philosophie und Geschichte zu studieren, ward 1811 Hauslehrer in Mannheim, im nächsten Jahr Lehrer an der Sekundärschule in Worms, 1812 an der Musterschule in Frankfurt, 1818 zweiter Rektor an der lateinischen Schule in Elberfeld, wo er mit dem von ihm hochverehrten Wilberg in engern Verkehr trat. 1820 als Direktor an das neue Lehrerseminar zu Mörs berufen, entfaltete D. dort eine äußerst fruchtbare, anregende Thätigkeit als praktischer Schulmann wie als Schriftsteller ("Rheinische Blätter", seit 1827) und erweckte ein reges pädagogisches Leben rings um das Seminar, indem er in seiner Seminarübungsschule allen Volksschullehrern ein Vorbild gab. Was Pestalozzi erstrebt hatte, sah man in Diesterwegs Wirken sich wirklich gestalten. Sein bedeutendes Ansehen in der pädagogischen Welt führte im Frühjahr 1832 zu seiner Berufung nach Berlin als Direktor des neuen Seminars für Stadtschulen. Auch hier war seine Wirksamkeit eine einflußreiche; sie erlitt aber bald Einbuße durch mancherlei verdrießliche Streithändel, in die D. nicht immer ohne Schuld verwickelt wurde. In denselben handelte es sich vorzugsweise um die Loslösung der Schule von der Kirche, um die angeblich erforderliche gründliche Änderung des höhern, namentlich des Universitätsunterrichts, um den von D. empfohlenen allgemeinen, konfessionslosen Religionsunterricht etc. In der Polemik zeigte sich D. schlagfertig und gewandt, aber heftig, selbstbewußt und nicht immer gründlich und sorgfältig. Seit 1840 begannen bedauerliche Verwickelungen mit den Staatsbehörden, deren immer peinlichern Verlauf neben Diesterwegs Schroffheit die engherzige Voreingenommenheit einzelner Beamten beförderte. In dieser Zeit noch setzte sich D. ein bleibendes Denkmal in der von ihm angeregten Begründung der Pestalozzistiftung zu Pankau und zahlreicher Pestalozzivereine zur Unterstützung der Lehrerwitwen und -Waisen bei der Säkularfeier von Pestalozzis Geburtstag (1846). Im April 1847 wurde er, der Form nach auf eignes Gesuch, mit vollem Gehalt beurlaubt, 1850, da er anderweite Verwendung (als Schulrat) ablehnte, mit Pension entlassen. Von nun an trat D. nur noch als Schriftsteller für seine Ideen auf und schuf sich neben den "Rheinischen Blättern" dazu im "Pädagogischen Jahrbuch" (1851-66) ein neues Organ. Im J. 1858 von der Stadt Berlin in das Abgeordnetenhaus gewählt, bekämpfte er hier wie in Flugschriften und Zeitungsaufsätzen die 1854 erlassenen Raumer-Stiehlschen Schulregulative. Er starb 7. Juli 1866. Sein Denkmal zu Mörs wurde 7. Okt. 1882 enthüllt. Ein Bild der mannigfaltigen rastlosen Thätigkeit Diesterwegs liegt in seinen zahlreichen Schriften vor; wir nennen billig vor allen andern das mit mehreren Pädagogen herausgegebene Sammelwerk "Wegweiser zur Bildung für deutsche Lehrer" (Essen 1834, 2 Bde.; 5. Bearbeitung 1873-76); ferner "Das pädagogische Deutschland" (Berl. 1836); "Pädagogische Reise nach den dänischen Staaten" (das. 1837); "Beiträge zur Lösung der Lebensfrage der Zivilisation" (Essen 1836-38, 4 Hefte); "Streitfragen auf dem Gebiet der Pädagogik" (das. 1837 f., 2 Hefte); "Leitfaden für den Unterricht in der Formenlehre" (4. Aufl., Leipz. 1845); "Raumlehre" (2. Aufl., Bonn 1843); "Schullesebuch" (Bielef., 2 Tle.; mehrfach aufgelegt); "Lehrbuch der mathematischen Geographie und populären Himmelskunde" (Ber. 1840; 10.