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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Dijudizieren - Dike.

mathematischen und Naturwissenschaften, für Litteratur), ein Priesterseminar, ein Lyceum, eine Gelehrtengesellschaft, eine Schule der schönen Künste, eine Musikschule, ein Museum (im oben erwähnten Stadthaus), welches unter anderm die schönen Grabmäler der Herzöge Philipp des Kühnen und Johann ohne Furcht, gute Gemälde und Skulpturen enthält, eine Bibliothek von 80,000 Bänden und 900 Manuskripten, einen botanischen Garten, ein naturhistorisches Kabinett, das kostbare und wichtige Archiv von Burgund etc. Innerhalb der Stadt liegt der Lustgarten Arquebuse und außerhalb derselben der prächtige, von Lenôtre angelegte Park. 1840 erhielt D. eine Wasserleitung (13 km langer Aquädukt) und zahlreiche Fontänen. D. ist der Geburtsort Philipps des Guten, Johanns ohne Furcht, Karls des Kühnen, Bossuets, Crébillons, Rameaus, Rudes u. a., deren Geburts- oder Wohnhäuser neuerdings durch Marmortafeln bezeichnet wurden. Auch wurde dem in der Nähe von D. gebornen heil. Bernhard 1847 eine Statue von Jouffroy errichtet. Die Umgegend von D., Beaune, Nuits, Auxonne und St.-Jean de Losne, hieß sonst le Dijonnais.

Bei den Römern Dibio, auch Diviodunum genannt, war D. damals ein befestigter Ort der Lingonen in Gallia belgica und wurde 500 durch die Schlacht zwischen den Franken unter Chlodwig und den Burgundern unter Gundobad, in welcher die letztern besiegt wurden, historisch merkwürdig. Später kam es unter den Bischof von Langres, von welchem es die Grafen von D. zu Lehen hatten, und nach dem Tode des letzten derselben (1007) an die Herzöge von Burgund, die es zu ihrer Residenz erhoben. Hier wurden drei Kirchenversammlungen (concilia Divonensia), 1077, 1116 und 1199, gehalten. Herzog Hugo III. erhob D. 1187 zur Stadt. Nach Karls des Kühnen Tod (1477) kam sie mit Burgund an Frankreich, und König Ludwig XI. errichtete hier das Parlament für Burgund. 1870 ward D. nach einem heftigen Gefecht (30. Okt.) bei St.-Apollinaire 31. Okt. von der badischen Division unter General v. Beyer besetzt, und General v. Werder schlug hier sein Hauptquartier auf. Am 27. Dez. ward es vor der drohenden Annäherung Bourbakis von den Deutschen geräumt, und 28. Dez. zogen die Scharen Garibaldis ein. Garibaldi hatte den Auftrag, den Rücken der Bourbakischen Armee frei zu halten und den Feind durch fortwährende Angriffe zu beunruhigen. Er erfüllte diese Aufgabe jedoch nicht, sondern ließ sich durch den kühnen Angriff der Brigade Kettler 21. Jan. 1871 auf die französische Stellung bei Fontaine in D. festhalten und mußte, als Ende Januar General Hann v. Weyhern anrückte, in der Nacht des 31. Jan. D. verlassen, worauf die Deutschen 1. Febr. wieder einrückten. Am 10. Febr. verlegte Manteuffel sein Hauptquartier nach D. Vgl. Baschi, D. et ses environs (Dijon 1867).

Dijudizieren (lat.), beurteilend entscheiden; Dijudikation, Aburteilung, Entscheidung.

Dikäarchie (gr.), Herrschaft des Rechts, Rechtsstaat.

Dikäárchos, griech. Philosoph und Schriftsteller, aus Messana (Messina) in Sizilien gebürtig, Schüler des Aristoteles, Freund des Theophrastos, lebte um 320 v. Chr. in Griechenland, meist im Peloponnes. Er stellte Höhenmessungen an, entwarf Erdtafeln und Landkarten und verfaßte eine historisch-geographische Beschreibung Griechenlands nach seinen natürlichen, politischen und sittlichen Verhältnissen, mit eingelegten Dichterstellen, wovon zwei Fragmente übrig sind. Eine ihm beigelegte iambische Beschreibung Griechenlands, von der noch 150 Verse vorhanden sind, ist unecht und rührt, wie der akrostische Anfang zeigt, von einem Dionysios, Sohn des Kalliphon, her. Die Fragmente von D.' Schriften gab Fuhr (Darmst. 1841) heraus.

Dikabrot und Dikafett, s. Mangifera.

Dikäokratie (griech.), s. v. w. Dikäarchie.

Dikäologie (griech.), Rechtslehre.

Dikäopolitik (griech.), auf das Recht gegründete Staatsklugheit.

Dikasterial, Name eines Papierformats von 450 mm Breite und 371 mm Höhe.

Dikasterĭum (griech. Dikasterion), bei den alten Griechen Name für Gerichtshof, besonders Spruchgericht. Außer dem Areopag, dem ältesten und angesehensten, gab es in Athen anfangs noch vier "Blutgerichtshöfe" mit Kollegien von 51 Mitgliedern, die unter dem Vorsitz des Archon Basileus über Totschlag, Anstiftung zum Mord u. dgl. aburteilten. Nach Einführung des Geschwornengerichts (Heliäa) durch Solon wurden zehn Dikasterien in der Stadt Athen errichtet, in welchen Geschworne (die Zahl derselben schwankte nach der Bedeutung des vorliegenden Falles zwischen 200 und 2000) unter dem Vorsitz der sechs untern Archonten (Thesmotheten) zu Gericht saßen. Jeder Geschworne wurde durch das Los einem bestimmten D. zugewiesen und erhielt seit Perikles als Entschädigung den sogen. "Richtersold" (Dikastikon Misthos), bestehend aus ursprünglich 2, später 3 Obolen (= 40 Pfennig) für den Sitzungstag, ausbezahlt. Die Athener lagen dem Geschwornendienst mit leidenschaftlichem Eifer ob, weshalb sie Aristophanes in den "Wespen" und andern Komödien verspottet. Vgl. Meier und Schömann, Der attische Prozeß (neue Aufl., Berl. 1881); Fränkel, Die attischen Geschwornengerichte (das. 1877). Seit dem Mittelalter verstand man unter D. ein Richterkollegium, welches keine bestimmte Gerichtsbarkeit über einen gewissen Bezirk hatte, sondern bloß im Auftrag und auf Ersuchen andrer Gerichte oder von Privatpersonen rechtliche Entscheidung erteilte. In Deutschland bestanden als Dikasterien früher zahlreiche Schöffenstühle und Juristenfakultäten. Dikasterialtafel, in Ungarn eine Gerichtsstelle, an welche vom Komitat appelliert wird.

Dikatopter (griech.), eine von v. Hagenow angegebene Art Camera lucida zum Nachzeichnen von Naturkörpern in natürlichen, verkleinerten oder vergrößerten Dimensionen.

Dike ("Gerechtigkeit"), eine der Horen (s. d.), die Tochter des Zeus und der Themis, zeigt nach Hesiod ihrem Vater alle Unthaten der Menschen, namentlich Rechtsverletzungen von seiten der Richter, an und verfolgt selbst die Missethäter, obschon in Nebel gehüllt und mit Thränen in den Augen. Bei den Tragikern ist D. oft nur die Personifikation des Rechts und erscheint auch wohl bewaffnet mit einem Netz oder mit einer Keule oder mit einem Schwert, stets als unbeugsames, streng strafendes Wesen, häufig zusammengestellt mit der Rachegöttin. Äschylos schildert, wie sie das von der Aisa ("Schicksal") geschärfte Schwert in des Frevlers Brust stößt, und wie sie, wenn auch spät, doch sicher mit der Poine ("Vergeltung") in des Missethäters Wohnung dringt. Sinnig nennt Pindar als Tochter der D. die Hesychia ("Ruhe, Sicherheit"). In der Folgezeit ward sie mit Asträa (s. d.) identifiziert und auch als Belohnerin des Guten verehrt. An dem berühmten Kasten des Kypselos war D. abgebildet als ein schönes weibliches Wesen, das ein andres häßliches, die Adikia ("Ungerechtigkeit"),