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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Dingo - Dinka.

quartier im Haus Dinglingers. Letzteres Haus zählte durch seine reiche und eigentümliche Einrichtung zu den Sehenswürdigkeiten Dresdens. Dinglingers Bildnis ist oft gemalt und gestochen worden. Die Hauptwerke Dinglingers befinden sich im Grünen Gewölbe zu Dresden (Hofhalt des Großmoguls in Dehli, Bad der Diana, Herkulesvase, die Freuden des Lebens, Obeliscus Augustalis, Theeservice) und in der Eremitage zu St. Petersburg. In denselben entwickelt er eine rege Phantasie und schöpferische Kraft wie namentlich auch eine Technik, welche ihn hoch über das Niveau der damals bereits tief gesunkenen Goldschmiedekunst emporhebt, wenngleich er mehr der Kuriositätenliebhaberei als der reinen Kunst diente. - Bei seinen Arbeiten halfen ihm seine beiden Brüder, Georg Christoph und Georg Friedrich; der eine war Goldarbeiter, der andre (gest. 1720) ein vorzüglicher Emailleur. Auch ein Sohn Johann Melchiors, Johann Friedrich D., geb. 1700 zu Dresden, war Goldschmied und vollendete verschiedene Arbeiten, welche sein Vater angefangen zurückgelassen hatte. Er starb 1767. Der letzte Sproß der Familie D., welcher sich der Kunst widmete, war Sophie Friederike, eine Tochter Johann Friedrichs; sie war eine Schülerin von Öser und eine geschätzte Miniaturmalerin.

Dingo, s. Hund.

Dingolfing (Dingolfingen), Stadt im bayr. Regierungsbezirk Niederbayern, 368 m ü. M., rechts an der Isar und an der Linie Landau a. d. Isar-Landshut der Bayrischen Staatsbahn, besteht aus der obern und untern Stadt, von denen erstere auf einem stark abfallenden Hügel liegt, und hat 3 Kirchen (darunter die 1884 restaurierte Pfarrkirche) und (1880) 3501 kath. Einwohner, welche Ackerbau und Viehzucht treiben. D. ist Sitz eines Bezirksamtes und eines Amtsgerichts. Die obere Stadt, an Stelle einer römischen Niederlassung erbaut, wurde im Dreißigjährigen Krieg von den Schweden und im österreichischen Erbfolgekrieg 1743 niedergebrannt. Oberhalb der Stadt eine hohe Brücke, welche zwei Berghöhen verbindet.

Dingstätte, s. Ding.

Dingvogt, s. Ding.

Dingwall, Hauptstadt der schott. Grafschaft Roß, am obern Ende des Cromarty Firth, hat einen vortrefflichen Hafen und (1881) 1921 Einw., die Lachsfang und Handel treiben. In der Nähe Strathpeffer, mit vielbesuchter Mineralquelle, und einige "verglaste" Forts.

Dingzettel heißt in manchen Orten der über ein abgeschlossenes Geschäft aufgesetzte kurze Vertrag oder Schlußzettel (s. d.).

Dinheiro (spr. dinjē-iru), früheres portugiesisches und brasil. Silberprobiergewicht, stimmt mit dem spanischen Dinero überein.

Dining-Room (engl., spr. deining-ruhm), Speisezimmer.

Dinitrokresol, s. Kresol.

Diniz (spr. -nis, D. da Cruz e Silva), 1) Antonio, portug. Dichter, geb. 4. Juli 1731 zu Lissabon, studierte in Coimbra die Rechte, lebte dann als Advokat zu Castello de Vide in der Provinz Alemtejo, ward später Regimentsrichter zu Elvas und ging 1776 als Obertribunalsrat nach Rio de Janeiro, wo er elf Jahre blieb. Nach kurzem Aufenthalt in Lissabon wurde er 1791 als Beirat des Kanzlers Xavier de Vasconcel-los-Coutinho von neuem nach Brasilien gesandt; dort starb er 5. Okt. 1799. D. gehörte zu den Gründern der berühmten litterarischen Gesellschaft "Arcadia Ulyssiponense" (1756), welche eine Wiedergeburt der verfallenen Poesie der Portugiesen anstrebte und namentlich den herrschenden Schwulst und Neologismus der Sprache zu beseitigen unternahm. Die Dichtungen D.', der den arkadischen Namen Elpino Nonacriense führte, bestehen in Sonetten (über 300), Eklogen, Elegien, Kanzonen, Epigrammen, Episteln und mehreren Bänden pindarischer Oden, welche ihrer Zeit den größten Beifall fanden. Außerdem schrieb er eine Komödie: "O falso heroismo", ein längeres Gedicht: "Die Metamorphosen Brasiliens", und das heroisch-komische Epos "O Hyssope" ("Der Weihwedel", Par. 1802 u. öfter), das sich nach Inhalt und Form zwar an Boileaus "Lutrin" anlehnt, aber doch in so freier und origineller Weise, daß man es als ein Meisterwerk bezeichnen muß (vgl. Reinhardtstöttner, Der "Hyssope" des D. in seinem Verhältnis zu Boileaus "Lutrin", Leipz. 1877). Eine Gesamtausgabe von D.' "Poesias" (mit Ausnahme des "Hyssope") erschien in 6 Bänden (Lissab. 1807-17).

2) Julio, mit dem eigentlichen Namen Joaquim Guilh. Gomes Coelho, portug. Romanschriftsteller, geb. 14. Nov. 1839 zu Porto, studierte daselbst Medizin, wirkte seit 1867 als Professor an der chirurgischen Schule seiner Vaterstadt; starb bereits 12. Sept. 1871 daselbst. Von seinen Erzählungen sind auszuzeichnen: die Dorfgeschichte "As pupillas do Senhor Reitor" (Porto 1866, oft aufgelegt), sein Erstlings- und zugleich sein Meisterwerk; "Uma familia ingleza" (das. 1867) und "A morgadinha de Canaviaes" (das. 1868), erstere eine Schilderung des Bürgertums, letztere des Landadels in Portugal; die Novellensammlung "Serões da provincia" (das. 1870) und das posthum erschienene Werk "Os fidalgos da casa mourisca" (das. 1872). Vgl. Pimentel, Julio D. (Porto 1872).

Dinka (Denka, Dyanke), Negervolk am östlichen Ufer des Bahr el Abiad vom 12.° nördl. Br. bis zum 6.° und am westlichen Ufer bis zum 10.° nördl. Br., das in eine große Anzahl von Stämmen zerfällt, unter denen die der Tuitsch, Bor, Elyab und Kyatsch die bemerkenswertesten sind. Sie schließen sich physisch und sprachlich den Fundschvölkern an, sind von hoher Statur (1,80 m ist ein gewöhnliches Maß), ziemlich regelmäßigen Gesichtszügen, aber sehr langen und magern Beinen, so daß ihre Erscheinung als "spinnenartig" bezeichnet wird. Das Haar ist in viele kleine, krauswollige Strähnen geteilt und wird meist kurz abrasiert. Die Farbe ist schwarz mit einem Stich ins Bläulichgraue. Die Männer gehen nackt, ebenso die jungen Mädchen, die verheirateten Weiber tragen Lederschürzen und als Zierat schwere Ringe von Elfenbein oder Eisen, Zähne, Knochen u. a. Als Waffen hat man Lanzen, Holzkeulen und schildähnliche Fausthölzer. Die D. wohnen in sorgfältig gebauten Lehmhütten (Toguls), schlafen in der Asche, nähren sich von Milch, Butter, Durra- und Dochnbrei, seltener von Fleisch, da sie nur Ziegen, aber selbst zur Zeit größten Mangels kaum eins ihrer Rinder schlachten. Die Rinder sind klein, schlankhörnig, meist grau oder hellisabellfarben und geben wenig Milch. Alle Gefäße werden mit Rinderharn ausgewaschen, der auch zum Ausspülen des Mundes, Waschen des Körpers dienen und das Salz ersetzen muß. Rinder gelten als Kaufpreis für die Frauen der einer gemäßigten Polygamie huldigenden D. Außer Viehzucht treiben sie noch etwas Ackerbau. Sie haben eine unklare Vorstellung von einem Schöpfer der Dinge, Deng-Det; eine große Rolle spielen die Zauberdoktoren und Regenmacher (Tiit). Sie leben ohne ein gemeinsames Oberhaupt, und ihre Dorfhäuptlinge haben nur geringe persönliche Macht. Ihre Sprache, dargestellt