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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Dinornis - Dinter.

1871. Ein Verzeichnis seiner Arbeiten gab A. Malte-Brun in den "Annales des voyages" (1870).

Dinornis, s. Moa.

Dinornithiden, s. Straußvögel.

Dinosaurĭer (Dinosaurii, Lindwürmer), außerordentlich formenreiche Ordnung fossiler Reptilien aus der Trias, dem Jura und der Kreide. In den letzten Jahren sind in Nordamerika (Felsengebirge) so viele neue D., welche meist besondere Familien oder selbst Unterordnungen bilden, gefunden worden, daß kaum noch ein für alle passendes Merkmal angegeben werden kann, somit eine Trennung der jetzt noch als D. bezeichneten Tiere in mehrere selbständige Abteilungen wahrscheinlich bald erfolgen wird. Bei einem Teil von ihnen haben sich sehr nahe Beziehungen zu den Vögeln herausgestellt. Nach der Form des Schädels, namentlich des Gebisses, unterscheidet man A. Pflanzenfresser. 1. Gruppe: Sauropoden (Sauropoda) oder Atlantosaurier. Vorder- und Hinterfüße nahezu gleich lang, also Gang meist auf allen Vieren und zwar auf der Sohle. Füße fünfzehig. Die vor dem Schwanz gelegenen Wirbel mit großen, wahrscheinlich bei Lebzeiten der Tiere mit Luft erfüllten Höhlen. Knochen der Beine plump. Hierher: Brontosaurus, von etwa 25 m Länge, das größte Landtier, Mosasaurus, etwa 12 m lang, Atlantosaurus (Titanosaurus), etwa 20 m lang, Diplodocus, Apatosaurus u. a., fast alle aus Nordamerika. 2. Gruppe: Ornithosceliden (Ornithoscelides, Laosaurier). Becken vogelähnlich, Vorderfüße fünfzehig, vielfach nur halb so lang wie die dreizehigen Hinterfüße, daher Gang meist auf den letztern, nach Art etwa des Känguruhs. Knochen hohl. Hierher: Nanosaurus, etwa katzengroß, Laosaurus, bis 3 m lang, Iguanodon, etwa 9 m lang, Camptonotus, etwa 10 m hoch bei aufrechter Stellung, Hypsilophodon u. a. Von vielen Ornithosceliden kennt man nur die Spuren, welche die Hinterfüße in dem weichen Thon zurückgelassen haben und die man früher als Vogelfährten (Ornithichnites, s. Tafel "Triasformation I") auffaßte. 3. Gruppe: Stegosaurier (Stegosaurii), mit Knochenschildern und Knochenplatten in der Haut; Wirbel und Knochen meist hohl, Vorderfüße viel kleiner als Hinterfüße, alle fünfzehig. Gang auf den Hinterbeinen. Hierher: Stegosaurus, Sulidosaurus u. a. B. Fleischfresser. 4. Gruppe: Theropoden (Theropoda). Vorderfüße sehr klein, Gang auf den Zehen, diese mit Greifklauen. Knochen hohl. Hierher: Compsognathus, mit sehr langem Hals und vogelähnlichem Kopf, Megalosaurus, Allosaurus u. a.

Dinotherĭensand, s. Tertiärformation.

Dinotherĭum Kaup, ein kolossales Säugetier der mittlern Tertiärzeit, welches, soweit die erhaltenen Reste einen sichern Schluß gestatten, zur Ordnung der Rüsseltiere gehörte (früher häufig aber auch zu den Sirenen gestellt wurde). Es ist ausgezeichnet durch die äußerst kräftigen, dicken, hakenförmig nach abwärts gerichteten Stoßzähne im Unterkiefer und die großen, mit je zwei oder drei Querwülsten versehenen Backenzähne. Der Bau der Nase spricht dafür, daß das Tier einen großen Rüssel besaß. Vielleicht war es, ähnlich wie das Nilpferd, ein Flußbewohner, der mit seinen großen Stoßzähnen seine Nahrung, vielleicht Wurzeln und Wurzelstöcke, aus dem Boden riß. Ein bei Eppelsheim im Mainzer Becken ausgegrabener Schädel ist 1,1 m lang und 65 cm breit. Der Eppelsheimer Knochensand, das miocäne Tertiärgebirge des Wiener Beckens, die Faluns der Touraine, der Süßwasserkalk von Simorre am Nordfuß der Pyrenäen, die Lehme und Thone am Fuß des Pentelikon sind Hauptfundorte des Dinotheriums, man fand dasselbe aber auch in dem Braunkohlengebirge von Steiermark, im Süßwasserkalk von Georgengemünd an der Eisenbahn zwischen Nürnberg und Gunzenhausen, in Tertiärbildungen des Jura von Schwaben und der Schweiz (Delsberg, La Chaux de Fonds) u. v. a. O., meist jedoch nur die leicht kenntlichen Backenzähne. Das D. bildet einen wichtigen Horizont für die Altersbestimmung des miocänen Tertiärgebirges. Außer dem weitverbreiteten D. giganteum hat man noch zwei andre Arten, D. bavaricum und Cuvieri, unterschieden.

Dinslaken, Stadt im preuß. Regierungsbezirk Düsseldorf, Kreis Mülheim a. d. Ruhr, 30 m ü. M., an der Eisenbahn Oberhausen-Emmerich, ist Sitz eines Amtsgerichts, hat eine evangelische und eine kath. Kirche, Synagoge, Eisengießerei, Walzwerk, Lack- und Firnisfabrik, Lohgerberei, Blutegelzucht, bedeutende Viehmärkte u. (1880) 2576 Einw. (987 Katholiken).

Dinte, s. Tinte.

Dintel, Fluß in der niederländ. Provinz Nordbrabant, entsteht bei Breda aus der Vereinigung der Mark und der Aa oder Weereis und mündet schiffbar bei Dinteloord in das Volkerak, einen Arm der Maas. Der Schiffsverkehr auf D. und Mark umfaßte 1883: 258,361 cbm.

Dintenfisch, s. Tintenschnecken und Sepie.

Dinter, Gustav Friedrich, namhafter Pädagog der rationalistischen Richtung, geb. 29. Febr. 1760 zu Borna, besuchte die Fürstenschule in Grimma, studierte seit 1779 zu Leipzig Theologie und Philosophie, ward 1787 Pfarrer in Kitscher bei Borna und 1797 Direktor des Schullehrerseminars in Friedrichstadt-Dresden, 1807 Pfarrer zu Görnitz bei Borna, wo er aus Liebe zum Lehramt ein Progymnasium zur Vorbildung künftiger Kaufleute, Lehrer, Ökonomen und Gymnasiasten eröffnete. Im J. 1816 wurde er als Konsistorial- und Schulrat für die Provinz Ostpreußen nach Königsberg berufen und hier bald darauf daneben auch an der Universität zum Professor der Pädagogik und Theologie ernannt. Er starb 29. Mai 1831 in Königsberg. Großes Aufsehen und viel Streit unter Rationalisten und Orthodoxen erregte seine praktische, aber nüchterne und oberflächliche "Schullehrerbibel" (Neustadt a. d. Orla 1826 bis 1830, 9 Bde.). Dinters Selbstbiographie ("Dinters Leben, von ihm selbst geschrieben, ein Lehrbuch für Eltern, Pfarrer und Erzieher", Neustadt a. d. Orla 1829; 3. Aufl., Plauen 1860; neue Ausg., Wien 1879) spiegelt in treuer Weise den verständigen, wohlwollenden Sinn ihres Verfassers mit seinem unverwüstlichen, etwas platten Witz und seiner harmlosen Spottsucht. Als Pädagog war D. namentlich von den Philanthropen und den sogen. Sokratikern, theologischen Anhängern der Aufklärung, abhängig. Er erwarb sich in Schrift und Wort den weitverbreiteten Ruf eines Meisters in der katechetischen Kunst. In hohem Maß verstand es D., seine Schüler und die ihm unterstellten Lehrer zu leiten und an sich zu fesseln, obwohl seine Art zu verkehren urwüchsig derb und oft ironisch war. Sein Andenken lebt in Sachsen und Preußen noch heute fort; dankbare Anhänglichkeit hat ihm zu Ehren mehrere Stiftungen begründet und auf dem Dinterberg bei Görnitz ihm ein Denkmal gesetzt. Von seinen Schriften sind zu nennen: "Die vorzüglichsten Regeln der Katechetik" (Neust. 1802; 13. Aufl., Plauen 1862); "Die vorzüglichsten Regeln der Pädagogik, Methodik und Schulmeisterklugheit" (Neust. 1806, 7. Aufl. 1836); "Kleine Reden