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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Distanzreiten; Distel; Distelfalter; Distelfink; Disteli

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Distanzreiten - Disteli.

mershausenschen D. (Engymeter, Diastimeter, "Nähemesser") nimmt man die Größe eines Menschen als bekannt an. Man hat nun in einem Sehrohr ein System paralleler Horizontalfäden in gleichen Zwischenräumen befestigt und beobachtet, wieviel dieser Zwischenräume auf den in der Ferne anvisierten Menschen gehen. Bezifferung oder Tabelle gibt dann die Distanz an. Je weiter entfernt, um so unsicherer wirken bei der geringen Veränderung des "Sehwinkels" und der "scheinbaren Größe" alle solche Apparate. Ähnlich ist die Distanzmessung mit der Kippregel und dem Tachymeter (s. d.) an der Distanzlatte, bei Anwendung des Liniensystems auf ein Fernrohr natürlich viel genauer wirkend. Für vielfache Zwecke der Praxis ist aber die Anwendung der Meßlatte auf den Zielpunkt unthunlich, namentlich etwa für Kriegszwecke. Andre D. tragen deshalb die Basis nebst anliegenden Winkeln in sich selbst, der Zielpunkt bildet die Spitze der zu ermittelnden Dreieckshöhe; so der Gurltsche Vorschlag für Distanzmessung auf offener See: die Längsachse des Schiffs ist die Basis, an deren beiden Endpunkten auf horizontalen Tischen je ein Fernrohr angebracht ist, wovon das eine (A) stets rechtwinkelig zur Basis gerichtet, während das andre (B) auf Horizontalkreis drehbar ist. Der Beobachter bei A läßt das Schiff durch Steuern so drehen, daß er im Fernrohrkreuz den Mast eines etwa zu ermessenden feindlichen Schiffs schneidet, und tritt durch magnetoelektrischen Apparat sofort mit B in Verbindung, welches durch einen Arbeiter unverwandt auf denselben Mast dirigiert wird. Der in diesem Augenblick bei B eingestellte Horizontalwinkel ergibt die Distanz. Auf gleichem Prinzip beruht die von v. Teichmann angegebene und an den Küsten praktisch einexerzierte Messungsmethode vom Land aus auf die See. Die Basis wird hierbei möglichst lang genommen, die Mitteilungen der Winkelgrößen und alles sonst für die Richtung und den Aufsatz der Geschütze Wissenswerten geschehen mittels Flaggentelegraphie. Erwähnenswert ist der in kompendiöser Form dasselbe Prinzip darstellende Jähnssche D.: eine Messingbasis mit zwei Spiegeln an den Enden, die, dem Ziel zugekehrt, dessen Spiegelbild in ein zwischen ihnen auf der Basis angebrachtes Glasprisma und durch dieses gemeinsam zum Auge führen. Die Drehung zum Einstellen des einen Spiegels auf das Objekt wird in ingeniöser Weise mikrometrisch gemessen und hiernach unmittelbar die Distanz festgestellt. Auch der Range-Finder von Berdan beruht auf solcher Basis und hat auch bei der immerhin im Verhältnis zu den langen Distanzen sehr unbedeutenden Basis gute Resultate erzielt, auf 1573 m keine, auf 2194 m nur 1 m Differenz der Messung nach Prüfungen auf dem Artillerieschießplatz bei Berlin; er besteht aus einem 4 m langen, drehbaren Kasten (Basis) mit zwei Teleskopen, die auf das Ziel eingestellt werden. Auf der Beobachtung der Zeitdifferenz zwischen Blitz und Knall eines Geschützes beruht das Telemeter (Fernmesser) von Le Boulengé (Brüssel 1875): eine graduierte, beiderseitig geschlossene, mit Äther gefüllte Glasröhre, in welcher ein aus zwei mittels Drahts von einigen Zentimetern Länge verbundenen konkaven Silberblechscheiben bestehender Schwimmer langsam niedersinkt, wenn die Röhre vertikal steht. Zur Beobachtung hält man dieselbe horizontal, stellt den Schwimmer auf Null. Erfolgt der Blitz, so stellt man sie vertikal und beobachtet, auf welchen Grad der sinkende Schwimmer beim nun folgenden Knall zeigt. Vgl. Chronoskop. Bei der Wichtigkeit der Herstellung eines wirklich praktischen und sichern Distanzmessers für den Kriegsgebrauch werden überall in den Armeen Versuche dieserhalb angestellt. Doch ist man zu einer allen Anforderungen genügenden Konstruktion noch nicht gelangt; vielmehr glaubt der Artillerist immer noch die Entfernung seiner Ziele mittels einiger Granatprobeschüsse mit guter Richtung und Tempierung der Zünder schneller und zuverlässiger ermitteln zu können. Vgl. übrigens für ältere D. Karstens "Encyklopädie der Physik" (Leipz. 1856); ferner "Archiv für Artillerie und Ingenieurwissenschaften" (Berlin).

Distanzreiten, Wettrennen auf verschiedene Entfernungen. Kurze Rennen geschehen auf einer Bahn von 1/8-1/6 deutsche Meile, mittlere Rennen auf einer solchen von ¼-½ und lange auf einer Bahn von ½-1 Meile Länge. Im speziellen versteht man im Rennsport unter Distanz eine bestimmte Entfernung, die ungefähr mit der englischen Meile zusammenfällt (genau 240 Yards). Distanziert wird ein Pferd, wenn es im Flachrennen den 200 m vor dem Ziel stehenden Distanzpfosten (engl. distance-post) noch nicht erreicht hat, während der Sieger schon den Siegespfosten (winning post) passiert. Auch kann ein Pferd wegen Ausdrängens oder Kreuzens (s. d.) eines Konkurrenten oder wegen sonstiger Unregelmäßigkeiten (Umreitens einer Flagge etc.) als distanziert bezeichnet werden. Jedenfalls müssen in einem Rennen, sobald eins der Pferde den Sieg errungen hat, d. h. den Siegespfosten passiert, die folgenden Pferde in gleichem Augenblick wenigstens den Distanzpfosten erreicht haben, wenn sie überhaupt als placiert in dem Rennen gelten wollen.

Distel, im gewöhnlichen Leben stachlige Pflanze mit kopfartigen Blütenständen und stachelspitzigen Hüllblättchen, vorzugsweise aus den Gattungen Carduus, Carlina, Cirsium, Echinops, Onopordon, Silybum.

Distelfalter, s. Eckflügler.

Distelfink (Distelzeisig), s. v. w. Stieglitz.

Disteli, Martin, Maler, geb. 1. Mai 1802 zu Olten im Kanton Solothurn, bekundete schon während seiner Studienzeit in Luzern und Jena ein seltenes Talent, dem öffentlichen Leben seine komischen Seiten abzugewinnen und dieselben aufs treffendste zu skizzieren. Wegen seiner Teilnahme an der Burschenschaft relegiert, kehrte D. in die Heimat zurück und fing nun an, seine Kunst zum Broterwerb zu benutzen. Er malte Aushängeschilder und Porträte, zeichnete Schweizerschlachten, Tiere zu Fröhlichs Fabeln, historische Bilder zu dem schweizerischen Taschenbuch "Alpenrosen" u. a. Auch gründete er in seiner Vaterstadt eine Zeichenschule und wurde infolgedessen 1836 als Zeichenlehrer an die höhere Lehranstalt zu Solothurn berufen. In der Landwehr des Kantons Solothurn zum Oberstleutnant und Chef des zweiten Bataillons emporgestiegen, stand er 1836 den Einwohnern von Baselland gegen Baselstadt bei und erwarb sich dadurch deren Ehrenbürgerrecht. In seiner praktischen Weise ging er in seinen derben Angriffen auf dem Gebiet der Politik und Religion nie auf Systeme, sondern immer auf Persönlichkeiten los und geißelte namentlich die, welche er für Heuchler oder Windfahnen hielt. Dies zeigte er besonders in seinem "Schweizerischen Bilderkalender", zu dem Regierungsrat Felber den Text schrieb. D. starb 18. März 1844. Im Entwurf mit schöpferischer Genialität begabt, war er oft nachlässig und dilettantisch in der Ausführung seiner Bilder und doch auch wieder, wenn ihn ein Gegenstand ansprach, sorgfältig und in die zartesten Details eingehend. Vgl. Zehnder, M. D. (Basel 1883).