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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Distelindianer - Distributiv.

Distelindianer, s. Ranquele.

Distelmeyer, Lampert, brandenb. Kanzler, geb. 23. Febr. 1522 zu Leipzig, trat 1546 in die Dienste der Oberlausitz und der Stadt Bautzen insbesondere, denen er nach der Schlacht bei Mühlberg vom neuen Kurfürsten, Moritz, wegen ihrer Auflehnung gegen den König Ferdinand von Böhmen Verzeihung erwirkte, lehrte sodann in Leipzig römisches Recht, trat 1551 als Rat in die Dienste des Kurfürsten Joachim II. von Brandenburg, diente dem Kurhaus 7 Jahre als Geheimrat und 30 Jahre als Kanzler und ward 1568 in den Ritterstand erhoben. Er leitete vor allem die diplomatischen Geschäfte und wußte den Einfluß Brandenburgs im Reich durch geschicktes Verhalten wiederherzustellen sowie die Antwartschaft ^[richtig: Anwartschaft] auf Magdeburg und die Mitbelehnung mit Ostpreußen zu erlangen. Auch begünstigte er die Einwanderung der Niederländer in die Mark und richtete die Universität Frankfurt neu ein. Er starb 12. Okt. 1588. Vgl. Heidemann, Ein Tagebuch des brandenburgischen Kanzlers L. D. (Berl. 1885, Programm).

Distelorden (Andreasorden), schott. Orden, dessen Stiftung das Statut dem König Achaius von Schottland zuschreibt, welchem nach blutiger Schlacht ein weißes Kreuz mit dem daran genagelten Andreas erschienen sein soll. Der Orden war indes wohl ursprünglich eine ritterliche Brüderschaft, der König Jakob I. 1087 die erste Organisation gab. Nachdem der Orden seit lange in Verfall geraten, erhielt er durch die Königin Anna 1703 seine eigentliche Verfassung, welche später von Georg I. 1723, von Georg IV. 1827 und von Wilhelm IV. 1833 geändert wurde. Der Orden, welcher außer dem Souverän 16 Mitglieder (Ritter) zählt, hat nur einen Grad und führt die Devise: "Nemo me impune lacessit". Das Ordenszeichen besteht in einem ovalen Medaillon von Gold, in dessen Mitte der heil. Andreas auf grünem Grunde, das Kreuz vor sich haltend, innerhalb eines Umkreises steht, der das Motto und, wo die Worte zusammengehen, eine Distel enthält. Die goldene Ordenskette besteht aus Disteln und Rauten; an ihr hängt der heil. Andreas, von goldenen Strahlen umgeben. Gewöhnlich wird der Orden an grünem Band über die Schulter getragen und daneben ein silberner Stern mit darauf liegendem Andreaskreuz, in dessen Mitte sich auf grünem Grund eine Distel, umgeben von einem grünen Band mit der Devise, befindet. Ordenstag ist der 23. November.

Distendieren (lat.), auseinander spannen, dehnen; Distension, Ausdehnung; Umfang.

Disthen (Cyanit, Rhätizit, blauer Schörl), Mineral aus der Ordnung der Silikate (Andalusitgruppe), kristallisiert triklinisch in langen, breiten, etwas verschobenen Säulen, findet sich meist einzeln eingewachsen, auch derb in stängeligen, krummschaligen Aggregaten; die Härte ist 5,0-7,0, nicht nur auf verschiedenen Flächen, sondern auch nach verschiedenen Richtungen der Fläche der vollkommensten Teilbarkeit verschieden; das spezifische Gewicht ist 3,5-3,7. Der D. ist farblos, meist aber weiß, ausgezeichnet blau (Cyanit von himmelblauer Farbe), gelb, rot, grau ins Schwärzlichgraue (Rhätizit), durchsichtig bis kantendurchscheinend, trichromatisch, glasglänzend. Er besteht aus kieselsaurer Thonerde Al2SiO5 ^[Al_{2}SiO_{5}] und findet sich insbesondere in dem Glimmer oder Talkschiefer, auch im Gneis, Dolomit, Granit und Granulit. Ausgezeichnete Fundorte sind: St. Gotthard, Campolongo, Simplon, Grainer und Pfitsch in Tirol (Rhätizit), Saualpe in Kärnten, Bacher in Steiermark, Gängerhoff bei Karlsbad, Penig in Sachsen etc. Bei Horrsjöberg in Wermland bildet Cyanit selbständige Lager von mehreren Klaftern Mächtigkeit. Der schön blau gefärbte, durchsichtige D. vom St. Gotthard und aus dem Zillerthal wird zu Ringsteinen geschliffen.

Distichiasis (griech., Zweiwuchs), Schiefstellung der Augenwimpern, s. Trichiasis.

Distichie (griech.), Doppelreihe, namentlich der Augenwimpern.

Distichon (griech.), Doppelvers, metrisches Zeilenpaar, das seine besondern Namen von der Versart bekommt, in welcher es gemacht ist, z. B. adonisches, daktylisches D.; insbesondere das aus einem Hexameter und Pentameter bestehende Zeilenpaar, dessen Charakter Schiller in folgendem Beispiel ausspricht:

^[Liste]

Im Hexameter steigt des Springquells flüssige Säule,

Im Pentameter drauf fällt sie melodisch herab.

Dieses sogen. antike D. bildet das elegische Versmaß der Griechen und bezeichnet den Übergang der Epik in eine Lyrik, welche noch epische Elemente in sich enthält. Mimnermos, Tyrtäos, Theognis, Ovid, Tibull, Properz, unter den Neuern Goethe (z. B. "Römische Elegien"), Schiller ("Spaziergang") u. a. dichteten in diesem Versmaß, das sich für die Elegie und das größere und kleinere Sinngedicht (besonders für die epigrammatische Antithese) vortrefflich eignet.

Distinguieren (lat.), unterscheiden, mit Auszeichnung behandeln; distinguendum est inter et inter, man muß einen Unterschied zwischen den Dingen machen; distinkt, unterschieden, bestimmt, deutlich hervorgehoben.

Distinktion, Unterscheidung, Hervorhebung, Auszeichnung; daher eine Person von D., eine distinguierte Person, s. v. w. eine Person von Ansehen, Rang; distinktiv, unterscheidend, auszeichnend.

Distinto (ital.), deutlich; musikal. Vortragsbezeichnung, die bei Klaviermusik vor dem Verschwimmen einer Tonfigur, besonders in tiefer Baßlage, warnt (ohne Pedal zu spielen).

Distomatosis, s. Leberegelkrankheit.

Distomum, Leberegel.

Distorquieren (lat.), verrenken.

Distorsion (lat.), Verstauchung der Gelenke, s. Verrenkung.

Distrahieren (lat.), auseinander ziehen, zerstreuen, die Aufmerksamkeit von etwas abziehen.

Distrait (franz., spr. -träh), zerstreut, unachtsam.

Distraktion (lat.), Zerstreuung; Ausdehnung oder Auseinanderziehung, ein chirurgischer Kunstakt, durch welchen man gebrochene und verrenkte Glieder wieder einzurichten und einzurenken sucht.

Distribuieren (lat.), verteilen, austeilen; Distribution, Verteilung, Austeilung.

Distributionsbescheid (Decretum distributionis), richterlicher Bescheid über die Verteilung der Konkursmasse (s. Konkurs).

Distributionsformel, die Spendeformel beim Abendmahl (s. d.), in welcher sich die konfessionellen Unterschiede verfestigt haben, zumal seit die lutherische Kirche in die von Luther gewählte Formel: "Das ist der Leib Jesu Christi, der stärke und bewahre deine Seele zum ewigen Leben" noch das Wörtlein "wahre" eingeschoben hat.

Distributionstabelle, das Verzeichnis über Aktiva und Passiva, Waren etc., welche bei der Auflösung einer Handelsgesellschaft jedem Teilhaber zukommen.

Distributiv (lat.), ein-, verteilend; distributive Begriffe, Begriffe oder Namen, die sich nur auf einzelne Dinge beziehen, im Gegensatz zu den kollektiven Begriffen etc.; Distributivpartikeln, Einteilungs-^[folgende Seite]