Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Dnjeprgebirge; Dnjeprowsk; Dnjeprsteppe

14

Dnjeprgebirge - Dnjeprsteppe.

ähnlich dem Rheinfall von Schaffhausen, darbieten. Nach ihnen sind die Saporoger, ein Kosakenstamm (s. Kosaken), benannt. Man hat übrigens in der Neuzeit Versuche gemacht, durch Sprengungen den Strom von den Klippen zu befreien, und es ist dies auch schon für mehrere Wasserfälle von Erfolg gewesen. Der Fluß ist übrigens an allen Stellen reißender und tiefer als die Wolga oder der Don. Er hat viele Inseln, ein zum Teil sandiges, zum Teil steiniges und mergeliges Bett und zwar kalkiges, aber gesundes Wasser. Das Land in seiner Umgebung ist fast allerorten fruchtbar, zum Teil wiesenreich und steppenartig. Sehr viele Schiffbrücken führen über den Fluß, eine feste Brücke nur bei Kiew; außerdem aber wird die Kommunikation durch eine Menge Fähren und Fährboote unterhalten, die besonders bei Berislaw oder Kisikerman wegen des Handels mit der Krim und bei Cherson und Kinburn stark im Gang sind. Bei Smolensk friert der Fluß im November zu und taut im April wieder auf; bei Krementschug ist er vom Dezember und bei Kiew vom Januar bis zum März mit Eis bedeckt. Bei Jekaterinoslaw dauert seine Eisdecke meist nur 1-2 Monate, und bei Cherson währt die Schiffahrt oft ohne Unterbrechung das ganze Jahr hindurch. Von den am D. liegenden und an der Schiffahrt auf ihm partizipierenden zahlreichen Handelsstädten sind die vorzüglichsten: Dorogobush, Smolensk, Kraßnyj, Orscha, Kopys, Mohilew, Staryj Bychow, Rogatschew, Rjetschiza, Kiew, Tscherkassy, Krylow, Krementschug, Krjukow, Werchne-Dnjeprowsk, Jekaterinoslaw, Alexandrowsk, Nikopol, Berislaw, Cherson, Aleschki, Otschakow und Kinburn.

Unter den zahlreichen Nebenflüssen des D. sind die wichtigsten rechts: der Drut oder Druz, die schiffbare Beresina (s. d.), der Pripet oder Przypiec (ebenfalls schiffbar) mit dem südlichen Styr und Goryn und der nördlichen Pina, der Teterew und der Ingulez. Links empfängt der D. die Sosha, die bedeutende Desna mit dem Sem, die Sula, den Psiul, die Worskla, den Orel und die Samara. Der D. ist sehr fischreich und hat größere und schmackhaftere Fische als der Don, weil sein Wasser reiner ist; doch erstreckt sich der vorzüglichste Fischfang von seiner Mündung an nur bis nach Cherson. Die hier gefangenen Fische sind große Hausen, Störe, Sterlette, Karpfen, Lachse, Weißfische, Schleien, Sandarte, Hechte und Karauschen. Auch gibt es in seinen Gewässern viele und große Krebse. Durch den Dnjepr-Bugkanal (s. Königskanal) ist eine Verbindung des Schwarzen Meers mit der Ostsee hergestellt. Die Schiffahrt auf dem ganzen Strom war früher sehr ausgedehnt; seitdem aber der Handel des Gouvernements Smolensk sich mehr nach den Häfen der Ostsee hingezogen hat, hat sich die Schiffahrt auf dem obern Teil des D. von Jahr zu Jahr vermindert (es fahren höchstens 40 kleine Barken jährlich). Erst vom Gouvernement Mohilew an erhält der D. größere Bedeutung für den größten Teil Süd- und Westrußlands. Es werden nach Südrußland große Massen Kalk, Balken, Pech, Teer und andre Waldprodukte verschifft und dafür Branntwein, Salz und Korn eingetauscht. 1882 gingen auf dem D. 5339 Fahrzeuge und 799 Flöße ab, welche 28,120,208 Pud Waren im Wert von 15,500,620 Rubel transportierten. Der Wert des Floßholzes betrug außerdem 506,803 Rubel. In demselben Jahr kamen an 3629 Fahrzeuge und 2207 Flöße, welche 19,495,386 Pud Waren im Wert von 9,058,907 Rubel bargen. Der Wert der Flöße belief sich außerdem auf 767,085 Rubel. Der größte Floßholzhandel ist in Rogatschew. Die Schiffahrt findet überhaupt nur im Frühjahr und in der ersten Hälfte des Sommers statt; im August wird der Strom zu flach. Schiff- und Barkenbau treibt man in Homelj, Ljubitsch, Brjänsk und dem Dorf Wetka. Die meisten Barken und Flöße, welche bis Nikopol und Cherson kommen, werden als Brennholz verkauft; die bis Krementschug kommenden aber kehren meistens wieder mit Ladung zurück. Seit 1835 existiert auf dem D. auch Dampfschiffahrt; es fahren gegenwärtig 17 Dampfer auf dem Strom, die meistens Privatleuten gehören.

Dnjeprgebirge, der das rechte Ufer des Dnjepr begleitende Höhenzug, welcher in dem russischen Gouvernement Kiew beginnt, sich durch das Gouvernement Jekaterinoslaw fortzieht, wo er zwischen den Städten Jekaterinoslaw und Alexandrowsk die bekannten Wasserfälle (Porogen) des Dnjepr bildet und erst im Gouvernement Cherson in sanften Terrassen sich verläuft. Es ist das D. gewissermaßen als der letzte Ausläufer der Karpathen zu betrachten, die durch das russische Gouvernement Podolien sich bis ins Gouvernement Kiew fortziehen und dann von da ab, wo sie den Dnjepr erreichen, dieser Flußlinie bis an die Mündung folgen. Das D. besteht übrigens nur aus Hügeln von mäßiger Seehöhe (höchste Erhebung bei Kanew, 242 m).

Dnjeprowsk, 1) s. Werchne-Dnjeprowsk. - 2) S. Aleschki.

Dnjeprsteppe, die große Ebene, welche sich zu beiden Seiten des untern Dnjepr über das russische Gouvernement Jekaterinoslaw westwärts bis nach Bessarabien, ostwärts bis zum Lande der Donischen Kosaken und südlich bis nach Taurien und der Krim erstreckt. Im weitesten Sinn des Wortes wird sie einerseits durch den Dnjestr und Don, anderseits durch die kleinrussischen Gouvernements Charkow, Poltawa und Kiew und durch das Schwarze und Asowsche Meer begrenzt. Im engern Sinn begreift man unter diesem Namen aber nur die sich zwischen Dnjepr und Don im Gouvernement Jekaterinoslaw ausbreitende Niederung, indem man die jenseit des Dnjepr liegende Steppe im Chersonschen Gouvernement mit dem besondern Namen der Otschakowschen, das im Gouvernement Taurien sich ausdehnende Flachland mit dem der Nogaiischen und die am Donez und Don sich ausbreitende Ebene als Donische Steppe bezeichnet. Der Charakter der Landschaft ist übrigens in allen diesen Niederungen derselbe: nach dem Innern Rußlands zu ist die Gegend wiesenreich, fruchtbar, hat oft schwarzen, fetten und humushaltigen Boden; nach dem Meer hin wird das Erdreich jedoch immer trockner, sandiger, für die Kultur weniger geeignet; zuletzt kommen Salzseen und Salzplätze, und alle Vegetation erstirbt in salzigen, gleichsam rauchfarbigen Pflanzen, die der roten, rostigen, mit Eisenteilen geschwängerten Erde an Farbe gleichen und sich nur als niedriges Gestrüppe über sie erheben. An Holz fehlt es durchaus, nur einige wenige Stellen tragen vereinzelte Bäume; dagegen gibt es, besonders in der Nähe der Flüsse, eine Menge vortrefflicher Weideplätze, so daß diese Steppen für die Viehzucht trefflich geeignet sind. Dies Steppenland ist noch im ganzen wenig bewohnt und kultiviert; die einzigen einigermaßen bevölkerten und gut bebauten Landstriche findet man längs des Dnjepr, Bug, Donez und der Nebenflüsse dieser großen Stromlinien. Die Städte Werchne-Dnjeprowsk, wo die D. gewissermaßen beginnt, Alexandrija, Jekaterinoslaw, Alexandrowsk, Nikopol, Berislaw, Cherson u. a. liegen in ihr.