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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Doblhoff-Dier - Dobrjansk.

Doblhoff-Dier, Anton, Freiherr von, Österreich. Staatsmann, geb. 10. Nov. 1800, zeichnete sich als Mitglied der niederösterreichischen Landstände durch freisinnige Haltung aus und trat im Mai 1848 als Handelsminister in das Ministerium Pillersdorf ein, nach dessen Auflösung er in dem neuen Kabinett, dem Wessenberg präsidierte, das Departement des Innern und provisorisch auch das des Unterrichts übernahm. In den Oktobertagen nahm er jedoch seine Entlassung und zog sich von den öffentlichen Geschäften zurück. Seit März 1849 bis Oktober 1858 fungierte er als Gesandter im Haag und lebte seitdem auf seinem Familiengut nächst Baden (bei Wien). Er beteiligte sich an den wirtschaftlichen Angelegenheiten als Verwaltungsrat der Staatsbahn und Ausschußmitglied der Wiener Landwirtschaftsgesellschaft, deren Vizepräsident und Präsident er später wurde. 1861 vom Wiener-Neustädter Landbezirk in den Landtag und von diesem in den Reichsrat gewählt, gehörte er diesen Vertretungskörpern bis zur Sistierung der Verfassung 1865 an. Im Mai 1867 zum lebenslänglichen Mitglied des Herrenhauses ernannt, nahm er wieder lebhaften Anteil an der Politik (zur Zeit des Bürgerministeriums bekleidete er auch die Stelle eines Vizepräsidenten des Herrenhauses) bis zu seinem 16. April 1872 erfolgten Tod. - Seine Güter erbte sein Neffe Heinrich, Freiherr v. D., geb. 6. Febr. 1838, seit 1873 Reichsratsabgeordneter.

Döbling (Oberdöbling), Dorf in Niederösterreich, Bezirkshauptmannschaft Hernals, Vorort von Wien, vor der Nußdorfer Linie, mit der Hauptstadt durch Pferdebahn verbunden, beliebter Landaufenthalt und Ausflugsort der Wiener, reich an eleganten Villen, schönen Gärten und besuchten Gastwirtschaften, hat eine Irrenanstalt, ein Mutterhaus der Schwestern vom armen Kind Jesu mit Lehr- und Erziehungsanstalt, eine Mineralquelle mit Badeeinrichtung, große Weinlager und Kellereien, Bierbrauerei und (1880) 8756 Einw. Angrenzend das Dorf Unterdöbling, mit Krankenhaus, Pflegerinnenschule und (1880) 1726 Einw.

Doblone, Münze, s. Dublone.

Dobner, Felix Jakob, böhm. Geschichtschreiber, geb. 30. Mai 1719 zu Prag, trat früh in den Piaristenorden (sein Klostername war Gelasius a Santa Catharina) und lehrte seit 1736 in den Klosterschulen des Ordens die Humaniora. 1757 ward er Erzieher eines jungen Grafen von Mansfeld, 1762 Rektor des Ordens, welches Amt er bis 1778 bekleidete, und starb 24. Mai 1790 in Prag. Durch sein großes Werk über die Chronik des Hajek von Libocan (Prag 1761-83, 6 Bde.), die er als ein elendes Machwerk nachwies, und die "Monumenta historica Bohemiae" (das. 1764-86, 6 Bde.) ist er der Schöpfer der böhmischen Historiographie geworden; auch gründete er 1769 einen wissenschaftlichen Verein, aus dem 1784 die böhmische Akademie der Wissenschaften entstand.

Doboka, Name eines ungar. Komitats in Siebenbürgen, das seit 1876 dem neuen Komitat Szolnok-Doboka (s. d.) einverleibt ist. Hauptort war Szék.

Dobra, frühere portug. Goldmünze, ursprünglich = 12,800, seit 1847 = 16,000 Reis = 73,368 Mk. Nach demselben Fuß wurden auch in Brasilien Goldstücke zu 1 D. geprägt, doch galt dort 1 D. zuletzt 32,000 Reis.

Döbraberg, der höchste Gipfel des Frankenwaldes, westlich von Hof gelegen, 793 m hoch.

Dobrão, frühere portug. Goldmünze, ursprünglich = 20,000, seit 1847 = 30,000 Reis = 137,565 Mk.

Dobratsch, Bergrücken in den Ostalpen, s. Villach.

Dobre, Flecken im russisch-poln. Gouvernement Warschau, rechts an der Weichsel, mit etwa 1000 Einw.; hier siegreiches Gefecht der Polen unter Skrzynecki gegen die Russen 17. Febr. 1831.

Dobree (spr. -brih), Paul, engl. Philolog, geb. 1782 zu Guernsey, war Fellow am Trinity College in Cambridge, seit 1823 Professor daselbst und starb 29. Sept. 1825. Er edierte Aristophanes' "Plutos" mit den Noten Porsons zu Aristophanes (Lond. 1820) und besorgte Porsons Ausgabe des Photios (Cambr. 1822 u. Leipz. 1823, 2 Bde.). Aus seinem Nachlaß erschienen sein Hauptwerk: "Adversaria critica" (hrsg. von Scholefield, Cambr. 1831-33, 2 Bde.; neue Ausg. von Wagner, Berl. 1874-75), und das "Lexicon rhetoricum" (Cambr. 1834; hrsg. von Meier, Halle 1844).

Döbrentey (spr. dobbrentäj), Gabriel, ungar. Schriftsteller und Dichter, geb. 1. Dez. 1786 zu Nagy-Szölös im Veszprimer Komitat, studierte seit 1805 in Wittenberg und Leipzig und ließ sich 1820 in Pest nieder. Er war einer der Gründer der ungarischen Akademie und zusammen mit Andreas Fay der erste Direktor des ungarischen Nationaltheaters, als dieses errichtet wurde; in dieser Eigenschaft erwarb er sich durch Bearbeitung und Einführung der Meisterwerke Shakespeares und Schillers nicht unbedeutende Verdienste. Er starb 27. März 1851 in Pest. Seine Dichtungen bestehen in Liedern, Oden, Epigrammen, Elegien etc. und gehören ungeachtet ihrer oft schwülstigen Sprache zu den bessern Erzeugnissen der ungarischen Litteratur; viele derselben, z. B. sein "A havas' violàja" ("Alpenveilchen") und die "Huszárdalok" ("Husarenlieder", 1826), wurden in fremde Sprachen übersetzt.

Dobrilugk (Doberlow), Stadt im preuß. Regierungsbezirk Frankfurt, Kreis Luckau, an der Kleinen Elster, mit Amtsgericht und (1880) 1452 evang. Einwohnern; 2 km von D. der Bahnhof D.-Kirchhain an den Linien Berlin-Dresden und Halle-Guben der Preußischen Staatsbahn. Das einst berühmte Cistercienserkloster D., 1184 vom Markgrafen Dietrich von Landsberg gestiftet, wurde 1540 säkularisiert und zu einer Domäne gemacht, die 1624 durch Kauf an Johann Georg II. von Sachsen überging. Die Klostergebäude sind seit einigen Jahren durch Feuer zerstört.

Dobřisch (spr. dóbrschisch), Stadt in der böhm. Bezirkshauptmannschaft Přibram, 38 km südwestlich von Prag, hat ein Bezirksgericht, eine Pfarrkirche, ein schönes Schloß des Fürsten Colloredo-Mansfeld mit großem Park, eine Brettsäge, Brauerei, Spiritus- und Bleizuckerfabrik, Dampfmühle und (1880) 3166 Einw. Nahe dabei, in Althütten, großes Eisenwerk mit Maschinenfabrik.

Dobrjanka, großer Flecken (Possad) im russ. Gouvernement Tschernigow, Kreis Gorodnitzk, mit vielen Fabriken und etwa 5600 Einw., meist Raskolniken oder russischen Sektierern. D. unterhält auch jährlich drei messenartige Märkte, auf welchen bedeutende Verkäufe von Korn, Hanf, Flachs, Leinöl, Leinwand etc. gemacht werden. Auch der Viehhandel ist bedeutend; allein nach Petersburg werden jährlich 25,000 Stück Vieh vertrieben.

Dobrjansk (Domrjansk), großartiges Eisenwerk im russ. Gouvernement Perm, an den Flüssen Jaiwa und Kama, gegründet 1752, gehört gegenwärtig dem Grafen Stroganow. D. war ursprünglich ein Kupferbergwerk, und erst mit Erschöpfung des Erzes wurde zur Bearbeitung von Eisen geschritten. Seit 1785 sind Eisenwalzwerke eingerichtet, und die Fabrik liefert außer Eisenguß auch Anker, Eisenplatten sowie Stab- und Rundeisen. Zu den Werken gehören 20 Dörfer mit einer Gesamteinwohnerzahl von 6000 Seelen.