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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Dock-yard; Docke; Docken; Dockum; Doctor; Doctorandus; Doczy

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Docke - Dóczy.

werden können. Soll nun ein Schiff am Unterwasserteil ausgebessert werden, so wird es durch das geöffnete Thor in das D. geleitet, das Thor geschlossen, das Wasser ausgepumpt und das Schiff gegen die terrassenartig abgestuften Wände des Docks abgestützt. Sobald die Reparatur vollendet ist, werden die Thore geöffnet, das Wasser strömt ein, und das Schiff wird wieder flott. Statt der Schleusenthore benutzt man jetzt hier wie bei den nassen Docks schwimmende Pontons, die vor die Einfahrtsthore gefahren und durch Einpumpen von Wasser versenkt werden. Schwimmende Docks sind kolossale, gleich einem Schiff im Hafen schwimmende eiserne Kasten, denen die Schmalseiten fehlen, deren Längswände und Boden aber hohl, aus doppelten Eisenplatten gebildet sind und so viel Schwimmkraft besitzen, daß sie das ganze D. mit der obern Fläche seines Bodens über Wasser halten. Soll nun ein Schiff im schwimmenden D. repariert werden, so läßt man Wasser in die Hohlräume des Bodens und der Seitenwände einströmen, und das D. senkt sich auf diese Weise so weit, daß seine obere Bodenfläche noch etwas tiefer unter Wasser liegt, als der Tiefgang des auszubessernden Schiffs beträgt. Darauf wird letzteres in das Schwimmdock geleitet, worauf Dampfpumpen das Wasser aus den Hohlräumen entfernen. Hierdurch erhebt sich das D. wieder, nimmt das Schiff, das jetzt abgesetzt auf seinen Boden zu stehen kommt, mit empor und bringt es in solche Höhe, daß die obere Bodenfläche des Docks und das ganze Schiff trocken liegen. Nach beendigter Reparatur wird das D. durch Einlassen von Wasser wieder gesenkt, und das Schiff kann hinausfahren. Da bei Schwimmdocks der beschriebenen Art und bei Trockendocks die Wände den am Schiff arbeitenden Leuten viel Licht wegnehmen und der Mangel an freiem Luftzug das Trocknen erschwert, hat Clarke hydraulische Docks konstruiert. Auf einer Stelle des Hafens, welche genügende Wassertiefe hat, sind in den Grund zwei Reihen hohler eiserner Pfosten wie eine Allee von hohlen Säulen eingerammt, die durch starke Eisenverbindung ein festes System bilden. In jeder dieser Röhren läßt sich ein Stempel (wie der Kolben mit Kolbenstange im Cylinder einer Dampfmaschine) durch hydraulischen Druck in die Höhe treiben, und die Köpfe sämtlicher Stempel tragen eine horizontale eiserne Plattform, welche sich so weit über Wasser heben oder so tief senken läßt, daß ein Schiff darüber hinfahren kann. Befindet sich das zu reparierende Schiff gerade über der Plattform, so wird letztere gehoben und nimmt das Fahrzeug, welches mittlerweile abgestützt wird, in die Höhe bis über Wasser, wo dasselbe mit aller Bequemlichkeit repariert werden kann. Man hebt in dieser Weise Schiffe bis zu 4000 Ton. in ¼-½ Stunde. Ein Vorteil dieses Systems ist, daß, wenn die Plattform ihrer Länge nach aus mehreren Stücken besteht, mehrere kleine Schiffe, hintereinander placiert, unabhängig voneinander repariert werden können. Durch das amerikanische Schraubendock wird das Schiff zwischen Pfahlreihen mittels Schrauben über Wasser gehoben. Im Hafen von Pola hat man zuerst eine Dockanlage ausgeführt, bei welcher die Fahrzeuge erst gehoben, dann in der Längsrichtung aus dem D. heraus auf Schleifbahnen ans Ufer gezogen werden, so daß das schwimmende D. anderweitig benutzt werden kann. - Wo keine Trockendocks zur Verfügung stehen, bedient man sich zu Reparaturen der Unterwasserteile von Schiffen eines Schlipps (Aufschlepphellings), d. h. einer Gleitbahn, welche wie ein Stapel (s. d.) von einer Wassertiefe, die dem Tiefgang des betreffenden Schiffs entspricht, nach dem Strand hinaufläuft. Diese Gleitbahn besteht entweder aus zwei Wangen oder Balken, auf und zwischen denen placiert das Schiff in seiner Kielrichtung mittels Winden aufs Trockne geholt wird, oder aus einer größern Anzahl solcher Balken (die dann auf dem Trocknen geringere Länge haben), auf welchen das Schiff quer, dem Strand parallel aufs Trockne gezogen wird. Hat man weder Docks noch Schlipps, so muß man das Schiff behufs Ausbesserung der Unterwasserteile kielholen, d. h. es durch andre Gewichtsverteilung seiner Ladung und Ausrüstung auf die Seite legen, was meist durch einen am Ufer stehenden Kran geschieht. So werden nacheinander die beiden Schiffsseiten in ihren Unterwasserteilen für die Ausbesserung zugänglich. - Die hydraulischen Docks und die Schwimmdocks werden in der Regel nur zu Reparaturen benutzt, die Trockendocks dagegen werden neuerdings für sehr schwere Panzerschiffe, deren Ablaus vom Stapel Schwierigkeiten machen würde, zum Neubau benutzt ("ausdocken", s. Ablauf). Vgl. Heider, Der Bau der vereinigten Schlipp- und Trockendocks im Arsenal des Österreichischen Lloyd in Triest (2. Aufl., Triest 1861); Derselbe, Der Bau der Trockendocks im Arsenal des Österreichischen Lloyd in Triest und im Arsenal der k. k. Kriegsmarine in Pola (Graz 1873); Harcourt, Harbours and docks, their physical features, history, construction etc. (Lond. 1855, 2 Bde.). - Im Handel und im Zollwesen auch allgemein Niederlagen für Waren, welche vielfach Gegenstand eines Pfandverkehrs sind, und für welche Dock warrants, d. h. Warenlagerscheine (vgl. Lagerschein), ausgestellt werden.

Docke, ein in den Künsten und Gewerben häufig vorkommender Ausdruck, bezeichnet zunächst kurze, dicke Stützen, wie sie z. B. beim durchbrochenen Geländer (daher Dockengeländer) vorkommen; dann s. v. w. Puppe, Spielpuppe; ferner die zwei Säulchen am Spinnrad, worauf die Flügelspindel ruht; auch die zwei Stützen der Drehbank zur Aufnahme der Spindel und des Arbeitsstücks; ferner die Zapfen und Schlägel in den Teichen; in der Landwirtschaft die in Haufen aufgeschichteten Fruchthalme; im Garn- und Seidenhandel ein Pack (eine Strähne) Seide (daher Dockenseide), in Streifen gelegtes Seidengarn; im Bauwesen die Bündelchen Stroh, welche zur Abhaltung des Regens hier und da zwischen die Fugen der Dachziegel gelegt werden, aber als feuergefährlich nicht zu empfehlen sind.

Docken, ein Schiff ins Dock führen.

Dockum (Dokkum), alte Stadt im NO. der niederländ. Provinz Friesland, unweit der Nordsee, mit starkem Rindvieh- und Flachshandel und (1883) 4339 Einw. 755 wurde in der Nähe derselben der heil. Bonifacius erschlagen.

Dock-yard (engl.), s. Werft.

Doctor (lat.), s. Doktor.

Doctorandus (lat.), einer, der sein Doktorexamen macht oder noch machen soll.

Doczy (spr. dohtzi, ursprünglich Dux), Ludwig von, ungarischer und deutscher Publizist und Dichter, geb. 1845 zu Deutsch-Kreuz im Ödenburger Komitat, machte seine Studien in Ödenburg und Wien, kam 1866 als Korrespondent der "Presse" nach Budapest und wurde bald eins der hervorragendsten Mitglieder eines durch gemeinschaftliche Bestrebungen verbundenen, zur Partei Deáks gehörenden Kreises jüngerer Schriftsteller. Kurz nach der Konstituierung des ungarischen. Ministeriums unter Andrássy wurde D. Konzipist beim Ministerpräsidium (im Preßbüreau) und erwarb sich unter anderm durch eine